Kulturfestival am Osterdeich

Wie sich die Breminale 2020 verändern soll

Die Breminale 2020 verspricht zahlreiche Neuerungen. Die Organisatoren des Kulturfestivals am Osterdeich verändern die Bühnen und das Programm.
06.03.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie sich die Breminale 2020 verändern soll
Von Pascal Faltermann
Wie sich die Breminale 2020 verändern soll

Dieses markante Zirkuszelt bei der Breminale am Osterdeich wird durch eine Hauptbühne ersetzt.

Dennis Ritter

Die markanten Zirkuszelte am ­Osterdeich sind das Markenzeichen der Breminale. Auch in diesem Jahr sollen sie wieder optisch auffallen, allerdings wird das größte – das Bremen-Vier-Zelt – fehlen. Dort, wo in den vergangenen Jahren Künstler wie Alice Merton, Andreas Bourani oder Jupiter Jones im Scheinwerferlicht standen, bündeln die Veranstalter der Agentur Concept Bureau das Programm von Radio Bremen auf einer Hauptbühne. Wie die Organisatoren mitteilten, wird es vom 15. bis 19. Juli zudem weitere Neuerungen geben. Die erwarteten mehr als 200.000 Besucher, die auch in den vergangene Jahren an den fünf Festivaltagen ans Weserufer strömten, werden ein anderes Bühnenkonzept und eine neue Struktur präsentiert bekommen.

Mindestens drei, meist sogar vier Bühnen bespielte der Bremer Radiosender mit Livemusikern und Künstlern, die die Verantwortlichen der unterschiedlichen Wellen zusammengestellt und ausgesucht hatten. Damit ist nun Schluss: Das Programm wird auf einer Plattform stark reduziert zusammengefasst. Im Zentrum des Festivalgeländes, wo das in den Vorjahren als Deichgraf betitelte Bremen-Vier-Zelt platziert war, richten die Macher eine neue Bühne ein: die Radio Bremen Main­stage.

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„Darauf werden sich die Programme von Bremen Eins, Bremen Vier und Bremen Next abwechseln und für ein Headliner-Musikprogramm sorgen“, sagt der künstlerische Leiter der Breminale, Jonte von Döllen. Das bedeutet auch, dass die stark frequentierte Bremen-Next-Stage auf dem Bremer Umsonst-und-Draußen Festival wegfallen wird. Der junge Radiosender soll voraussichtlich einen Abend auf der neuen Hauptspielfläche gestalten, heißt es von Concept Bureau.

Angedockt an diesen neuen Open-Air-Auftrittsort entsteht laut den Organisatoren der Radio-Bremen-Backstage, ein interaktiver Begegnungsort für Besucher, der auch als Schaltzentrale für den Sender am Deich fungiert.

Pappinale wird umziehen

Westlich der Mainstage soll laut von Döllen eine neue Bühne und Plattform für täglich wechselnde Programmpartnerschaften aus der lokalen Veranstalter-Szene entstehen. Das Format Clubrauschen biete beispielsweise Einrichtungen wie den Viertel-Läden Lila Eule oder Römer einen Platz für Konzerte. Auch für die Neustadt-Musikkneipe Gastfeld, den Meisenfrei Blues Club oder die Reihe Songs & Whis­pers soll es Zeitfenster geben. Mit Freaques de la Musique werde zudem ein Format auf die Breminale geholt, das seit Jahren Musiker aus dem Grenzbereich zwischen Jazz und Rock im Bremer Güterbahnhof versammelt. Die sogenannte Pappinale wird laut dem neuen Plan umziehen und ein zentraleres Areal am Deich bespielen. Die Bühnen Dreimeterbretter, Flut und die Parkbühne (Bremen zwei) bleiben an Ort und Stelle.

Doch warum wird der Aufbau der Breminale so durcheinander gewürfelt? „Die Idee ist es, mehr Kapazitäten für andere Formate, Genres und Musikstile zu schaffen“, sagt Jonte von Döllen. Diesen Platz habe bislang Radio Bremen durch vier Bühnen blockiert, so der künstlerische Leiter. Da gewisse Potenziale bislang nicht richtig ausgeschöpft worden seien, gehe man nun diesen Schritt. „Wir haben das bereits in den vergangenen zwei Jahren überlegt“, so von Döllen, der zusammen mit Esther Siwinski und Boris Barloschky die Breminale zum dritten Mal veranstaltet.

Statt viel Mainstream, also einem Programm, das den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit widerspiegelt, soll es nun mehr Raum für Avantgardistisches, für andere Kunststile und lokale Kulturschaffende geben. „Wir wollen eine schöne Bandbreite, Kunst und Kultur mit Ecken und Kanten“, sagt von Döllen. Mehr Informationen zum künstlerischen Programm sollen in den nächsten Monaten folgen.

Quersubventionierung durch den Getränkeverkauf

Das zusammengefasste oder auch geschrumpfte Angebot von Radio Bremen bedeutet für die Breminale-Veranstalter allerdings auch, dass die Rundfunkanstalt weniger Bands und Musiker finanziert. Wer eine Bühne bespielt, stellt zum großen Teil auch das Geld für die Künstler zur Verfügung. Doch wie wird das ausgeglichen? „Wir statten unsere Programmpartner jeweils mit einem kleinen Budget aus“, sagt von Döllen. Da Concept Bureau die Gastronomie übernommen habe, könne Musik, Kunst und Kultur nun etwas durch den Getränkeverkauf quersubventioniert werden.

Die Breminale wird 2020 zum 33. Mal ausgerichtet. Seit 2018 tritt die Agentur Concept Bureau als Veranstalter auf, weil es vor dem damaligen Festival Streitigkeiten zwischen den vorherigen Organisatoren Breminale GmbH und Sternkultur gegeben hatte, die ­daraufhin ihre Zusammenarbeit beendeten. Concept Bureau wird die nächsten drei Auflagen des Kulturfestivals veranstalten, weil sich die Agentur in einer Ausschreibung 2019 durchgesetzt hatte. Unter dem Titel „Festival an der Weser“ hatte die Bremer Kulturbehörde ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren für die Jahre 2020, 2021 und 2022 ausgerufen. Vier Bewerbungen waren daraufhin bei der Behörde eingegangen.

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