25-Jähriges Jubiläum Wie sich die Plantage 13 gewandelt hat

Vor 25 Jahren hat sich die Galeristin Katrin Rabus in der Plantage 13 in Findorff niedergelassen und damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt.
12.09.2015, 00:00
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Wie sich die Plantage 13 gewandelt hat
Von Milan Jaeger

Dort, wo die rund 150 Mitarbeiter der „Blusenfabrik Engels“ einst Oberhemden und Schlafanzüge nähten, herrscht heute kreatives Chaos. Vor 25 Jahren hat sich die Galeristin Katrin Rabus in der Plantage 13 in Findorff niedergelassen und damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt.

Heute sind auf dem ehemaligen Fabrikgelände unter anderem die freie Kunstschule Bremen, die Bremer Philharmoniker und die Heinrich-Böll-Stiftung ansässig. Der Designer Hartmut Brückner, der hier sein Büro hat, entwickelte das Corporate Design für die Kunsthalle. „Das Gelände hat etwas von einem Campus“, findet der Geschäftsführer der Kunstschule, Udo Steinmann. Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens hat Katrin Rabus am Freitag zu einem Tag der offenen Tür eingeladen und gemeinsam mit ihrem Mann Werner Rabus über das Gelände geführt.

An den Tag, als sie den Mietvertrag für die Räume an der Plantage 13 bekommen hat, kann sich Katrin Rabus noch genau erinnern: „Das war der Tag des Mauerfalls.“ Ein großer Tag deutscher Geschichte, ein großer Tag für Rabus. Kurze Zeit später, im Jahr 1990, bezog sie 700 Quadratmeter in den leer stehenden Werkshallen, die mit markanten Sheddächern ausgestattet sind. „Ich war fasziniert von dem Tageslicht in den weiten Räumen“, erzählt Rabus. Zehn Jahre lang hatte sie damals schon eine Galerie in Schwachhausen geführt. Dort reichte der Platz ihr aber nicht mehr aus. Rabus wollte einen Ort etablieren, „an dem der Besucher künstlerische Erfahrungen macht“, wie sie sagt.

Schauen statt Kaufen

Der Umzug brachte zunächst neue Schwierigkeiten mit sich: „Plötzlich hatte ich große, hohe Räume zu bespielen, das hat etwas museales hier“, sagt Rabus. Durch die veränderten Bedingungen seien die Verkaufszahlen zurückgegangen, die Leute seien plötzlich mehr zum Schauen gekommen als zum Kaufen. „Außerdem mussten wir das Gebäude umbauen“, berichtet Rabus. Die neuen Bewohner benötigten andere Bedingungen als die „Blusenfabrik“: kleinere Raumeinheiten und mehr Eingänge.

Auch die Kinder von dem Textilfabrikanten Engels, Hermann Engels und Wiltrud Sievers, haben den Wandel ihrer ehemaligen Produktionsstätte verfolgt. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1964 hatten sie den Betrieb übernommen. „Am Anfang war es für mich emotional schwierig, hierher zurückzukommen“, berichtet Sievers. Doch mittlerweile habe sie einen guten Kontakt zur neuen Hausherrin und komme gern. 1989 mussten die Geschwister Konkurs anmelden und die „Blusenfabrik Engels“ in die Insolvenz führen. Damals holten sie Rabus zunächst als Mieterin dazu. 1992 musste das Geschwisterpaar das Areal endgültig verkaufen und Rabus entscheiden, ob sie das Projekt finanziell stemmen kann. „Sie hat es dann einfach gemacht“, erzählt ihr Ehemann Werner Rabus den Gästen während seiner Führung. Seine Frau sagt, dass sich die 1957 errichteten Fabrikräume mit ihrer 50er-Jahre-Klinkerästhetik fantastisch für eine kulturelle Nutzung angeboten hätten.

„Hier kann man gelebten Strukturwandel beobachten“, findet Engels, der von sich sagt, er sei im Wirtschaftswunder aufgewachsen. Früher habe es in Bremen zahlreiche Textilbetriebe gegeben. Heute sei keiner mehr übrig. „Das, was Katrin Rabus hier auf die Beine gestellt hat, ist absolut im Sinne meines Vaters“, meint der 70-Jährige. So kann er seinem Schicksal auch etwas Positives abgewinnen. „Mein Vater hat die Musik sehr geliebt.“ So finde er es sehr schön, dass sich ein Orchester an der Plantage niedergelassen habe.

Ab vom Schuss

Zu der Zeit, als Rabus ihre Galerie in Findorff eröffnete, war die Plantage eine unbedeutende Gewerbestraße im toten Winkel der Stadt. Eingeschlossen zwischen Güterbahnhof, Findorff-Tunnel und Hauptbahnhof lag sie, wenn auch nur 15 Gehminuten von der Innenstadt entfernt, dennoch ab vom Schuss. „Als wir Mieter gesucht haben, kannten die Makler die Adresse gar nicht“, erzählt Rabus. Schnell sei klar gewesen, dass die Mieter nur aus dem privaten Umfeld kommen können. So kam es dann auch. Heute ist in Findorff deutlich mehr los. Ulf Jacob, der für die Grünen im Stadtteilbeirat sitzt, hat die Initiative „Leben in Findorff“ mitbegründet. Auch er ist ein regelmäßiger Gast der Plantage 13.

Mittlerweile gibt es einen Bebauungsplan für das ehemalige Industrieviertel. „Der Entwicklungsprozess ist aber leider ein wenig ins Stocken geraten“, sagt Jacob. Ziel sei es, das Areal kleinteiliger zu machen und somit besser zu erschließen. Damit soll es noch attraktiver werden. Katrin Rabus und ihr Mann wollen diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren mitgestalten – und Hermann Engels und seine Schwester Wiltrud Sievers die Veränderungen verfolgen.

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