Serie: Genuss regional - Teil 3

Willkommen im Hofladen

In der Gärtnerei Ortmann in Riede ist im Sommer viel los. In einer ehemaligen Scheune stehen Mangold, Gurken und Paprika zum Verkauf. Der Laden brummt aber vor allem wegen der reichen Auswahl an Tomaten.
20.06.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Willkommen im Hofladen
Von Gesa Below
Willkommen im Hofladen

Nur eine kleine Auswahl aus dem großen Angebot: verschiedene Sorten Cherrytomaten.

Bernd Kramer

Bevor im Juni die Tomaten reif sind und der Hofladenverkauf bei Hermann Ortmann in der Gärtnerei Ahausen beginnt, liegen schon sechs arbeitsreiche Monate des Jahres hinter ihm, in denen er sich neben den Stiefmütterchen – „die liefern wir für die Bepflanzung der Mühle am Wall“ – und den Beet- und Balkonpflanzen vor allem um die Kinderstube der Gemüse kümmert. Aus ganz verschiedenen Erdteilen und Ländern kommen die stecknadelkopfgroßen Tomatensamen. „Alles F 1-Hybriden, also die erste Tochtergeneration.“

Die Vielfalt an Tomaten in Ortmanns ­Gewächshäusern ist enorm: Sie heißen Bambelo, Orange Star, Trilly oder Vialli, und sie sind nicht bloß rot. Es gibt sie in den Farbvariationen gelb-blau-schwarz, silbergrün, orangeschwarz, grünblau, grünschwarz – um nur einige zu nennen. Sie können so klein sein wie die Datteltomate oder sehr groß wie die Sorte Ochsenherz.

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Bei Ortmann in der Gärtnerei in der Nähe von Riede wachsen in jedem Frühjahr mehr als 20 verschiedene Sorten Tomaten vom ­Samenkorn bis zur erntereifen Frucht. Auf 9000 Quadratmetern sprießen mit Gurken und Paprika in den Gewächshäusern drei der beliebtesten Gemüsesorten der Deutschen. Wo sein Großvater Hermann nach dem Krieg begann, arbeitet heute der Enkel in dritter Generation zwischen den Blumen und Gemüsepflanzen, die auf weiteren 10.000 Quadratmetern im Freiland aufgezogen werden.

Mangold, Sellerie, Fenchel, Weißkohl, Brokkoli, Pak Choi und Zwiebeln sprießen an der frischen Luft, während die Gurken, Paprika und Tomaten es lieber geschützt mögen und aufwendiger zu betreuen sind. Hermann Ortmann ist mit Freude dabei, aber „es ist auch wirklich sehr viel Arbeit“, sagt er.

In seinem Hofladen in Ahausen verkauft Hermann Ortmann frisches Gemüse aus eigenem Anbau – wie diesen prächtigen Mangold.

In seinem Hofladen in Ahausen verkauft Hermann Ortmann frisches Gemüse aus eigenem Anbau – wie diesen prächtigen Mangold.

Foto: Bernd Kramer

Wie bei der Baumveredelung

Ortmann zeigt die Samentüten aus Guatemala, Mexiko, Thailand oder Frankreich, in denen die Babys der späteren Tomatenpflanze auf den Einsatz in die warme, tiefbraune Torferde warten. Jedes einzelne Körnchen wird mit einem kleinen Spatel in ein drei mal drei Zentimeter großes Kästchen in die Erde gedrückt; sind die 128 Kästchen großen Paletten schließlich komplett bestückt, kommen in gleich große Behältnisse und in gleicher Menge die „Unterlagen“ dran, ebenfalls Tomaten-Samenkörner – allerdings „sehr robuste Sorten. Das muss man sich vorstellen wie bei der Baumveredelung“, sagt der Gärtner.

„Wir machen das, um die tragenden Pflanzen gegen Krankheiten im Boden zu schützen.“ Da gibt es zum Beispiel die Korkwurzelkrankheit, eine Pilzerkrankung der Pflanzenwurzeln, die den Ernteertrag im Falle eines Befalls deutlich verringert – was nicht im Sinne des Gärtners ist. Schließlich steckt nicht nur monatelange Arbeit in der Aufzucht der Tomaten – die Samen sind auch nicht billig. Ein einziger der bei Ortmann am meisten gekauften Sorte Summer Sun – eine kleine gelbe Cocktailtomate – kostet zum Beispiel stolze 1,60 Euro.

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Anfang Mai und mit den ersten Blüten kommen die Hummeln zum Einsatz: Ein Volk, bestehend aus einer Königin und 80 Arbeiterinnen, wird in einem Pappkarton ins Gewächshaus gehängt, und dann geht es für die kleinen Insekten an die Arbeit. Bestäuben heißt der Job. „Die sind sehr fleißig“, lobt Hermann Ortmann die Völker seiner Hummeln der Gattung bombus terrestris. Sie fliegen vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und wie ihre Verwandten, die Bienen, sind auch sie emsig und sogar effizienter, denn in ihrem dichten Pelz bleiben große Mengen an Pollen hängen. Und noch einen Vorteil haben die Hummeln: Sie sind nicht aggressiv. „Stimmt“, bestätigt Hermann Ortmann: „Mich hat erst eine gestochen, und das hat nicht wehgetan.“

Es gibt noch weitere tierische Helfer, die in den Gewächshäusern zum Einsatz kommen: Verschiedene Raubmilben sollen unter anderem der gefürchteten Spinnmilbe den Garaus machen, Schlupfwespen verschiedene Arten von Blattläusen vertilgen.

Hermann Ortmann inmitten seiner Tomaten­zöglinge.

Hermann Ortmann inmitten seiner Tomaten­zöglinge.

Foto: Bernd Kramer

Eine ganz schnelle Nummer

Ende Mai sind nicht nur die ersten kleinen Cherrytomaten reif; Ende Mai werden auch die Gurken gepflanzt: „Das ist eine ganz schnelle Nummer“, freut sich Ortmann über das pflegeleichte Gemüse. „Das rasche Wachstum der Gurken ist einer der Gründe, warum viele Gärtnereien sich lieber damit abgeben als mit Tomaten“, sagt er und guckt auf seine Hände: „Der nächste Grund gegen Tomaten ist der, dass wir in der gesamten Wachstumsperiode grüne Hände haben.“ Schließlich müssen alle Seitentriebe abgekniffen werden. Da kommt bei 10.000 Pflanzen viel grüner Saft zusammen. „Abends ist die Dusche grün.“

In der Gärtnerei Ortmann in der Bremer Straße 4 in Riede gibt es heimisches Gemüse und Obst sowie Blumen. Der Hofladen ist jetzt geöffnet und bleibt bis zum 3. Oktober offen, mittwochs von 8 bis 12 Uhr, freitags von 14 bis 18 Uhr und sonnabends von 8 bis 12 Uhr. Mund-Nasenschutz ist mitzubringen und Abstand zu halten.

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