Ach nur mit medizinischer Maske erlaubt Wenn der Spendensammler klingelt

Spendensammlungen an der Haustür sind erlaubt - mit Abstand und mit Maske. Doch dieser Sammler meinte, es reiche, wenn man die Maske unter dem Kinn trägt.
19.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Wenn der Spendensammler klingelt
Von Florian Schwiegershausen

Es klingelt an der Haustür. Vor der Tür steht ein junger Mann von den Johannitern. Seinen FFP2-Nasen-Mund-Schutz hat er unter dem Kinn hängen. Die Mission des jungen Mannes in Zeiten der Pandemie: Geld sammeln für die Organisation. Dafür geht er in Bremen von Haus zu Haus. Hier an der Haustür blafft ihn die Anwohnerin an, er möge doch bitte seine Maske richtig tragen und knallt danach die Tür zu.

Die Johanniter Bremen bedauern diesen Vorfall. Sprecherin Nicole Baumann sagt: „Dieser Mitarbeiter ist nicht in unserem Sinne vorgegangen, und das Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen.“ Die Hygiene-Bestimmungen müssen schon eingehalten werden. Dass es ohne diese Spendensammlungen an der Haustür nicht geht, erläutert Baumann: „Die Johanniter werden zu zwei Dritteln von Ehrenamtlichen getragen. Da geht es um den Verein. Daher sind wir auf Spenden angewiesen, die gerade in Corona-Zeiten zurückgegangen sind." Man werbe jetzt zwar weniger an Haustüren um Spenden, doch die Aktionen gingen trotzdem weiter.

Was auch erlaubt ist, bestätigt die Sprecherin des Bremer Innenressorts, Rose Gerdts-Schiffler: „Die Corona-Rechtsverordnung gibt keine Einschränkungen für das Spendensammeln oder das Geschäft an der Haustür vor. Gleichwohl gelten auch hier die allgemeinen Empfehlungen, den Mindestabstand und die Hygieneregeln einzuhalten sowie zum beidseitigen Schutz eine medizinische Gesichtsmaske zu tragen.“

Dazu der Blick in ein anderes Bundesland: In Bayern sieht man das grundsätzlich ähnlich. Die Sprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, Ute Möller, sagte dem WESER-KURIER: „Inzidenzabhängig bestimmt sich, wie viele Personen in diesem Kontext aufeinander treffen dürfen. Spendensammlungen, die im Rahmen der Berufsausübung stattfinden, sind im Hinblick auf die Kontaktbeschränkungen erlaubt.“ Gleichzeitig appelliert die Sprecherin allerdings: „In Zeiten der Pandemie sollte eigenverantwortlich überlegt werden, ob solche Spendensammlungen aktuell zwingend durchgeführt werden müssen.“

Bei den Johannitern ist es eine Tochterfirma, die planerisch durchorganisiert jede Woche Mitarbeiter in Bremen durch verschiedene Stadtteile schickt. Verbände setzen da auf bezahltes Personal, das an der Haustür zu einer Mitgliedschaft bewegen soll. Für manchen Studierenden ist es eine gängige Arbeit, beispielsweise für den Naturschutzbund (Nabu) zu werben. Der Nabu hält auch unter Pandemie-Bedingungen am Haustürgeschäft fest. Dies sei gerade jetzt von noch größerer Bedeutung als sonst, wie Nabu-Bundessprecher Roland Panter dem WESER-KURIER erläutert: „Umwelt- und Naturschutz benötigen nicht nur in diesen schwierigen Zeiten die aktive Unterstützung aus der Bevölkerung. Persönliche Begegnungen in den Innenstädten sind derzeit nur schwer möglich. Aus diesem Grund suchen wir - innerhalb des rechtlich zulässigen Rahmens - aktuell vorrangig das Gespräch an der Haustür.“

Die Verbraucherzentrale Bremen warnt, wenn Mitarbeiter, von welcher Organisation auch immer, bei der Ansprache zu sehr auf die Tränendrüse drücken: „Gerade die direkte Ansprache auf der Straße oder an der Haustür kann dazu verführen, rasch und unbedacht zu spenden.“ Die Verbraucherschützer empfehlen, zunächst abzuwinken und sich in Ruhe über die jeweilige Organisation zu informieren - zum Beispiel auf der Internetseite. „Dort sollte klar stehen, wie viel in Verwaltung und Werbung fließt und dass der größte Batzen für den guten Zweck verwendet wird.“ Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hält einen Anteil von 30 Prozent für Werbung und Verwaltung aus den Gesamtausgaben gerade noch für „vertretbar“. Karitativ anerkannte Spenden sind übrigens als Sonderausgaben steuerlich absetzbar.

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