Bremer Aufbaubank

Zu viele Anträge, zu wenig Mitarbeiter

Die Bremer Aufbaubank, die die Anträge von Unternehmen für Soforthilfe bearbeitet, bekommt personelle Unterstützung von der Handelskammer und der Handwerkskammer.
03.04.2020, 21:36
Lesedauer: 3 Min
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Zu viele Anträge, zu wenig Mitarbeiter
Von Peter Hanuschke
Zu viele Anträge, zu wenig Mitarbeiter

Noch warten die meisten Betriebe auf die Soforthilfen.

Monika Skolimowska / dpa

Mit dieser Antragsflut für finanzielle Soforthilfen aufgrund der Auswirkungen der Virus-Pandemie hatte niemand im Wirtschaftsressort gerechnet: Etwa 11 600 Anträge von Selbstständigen und Kleinunternehmern seien bislang eingetroffen, sagte Kai Stührenberg, Sprecher von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke), am Freitag auf Nachfrage des WESER-KURIER. Die Bremer Aufbaubank (BAB), die mit der Abarbeitung der Anträge beauftragt ist, ist dadurch jedoch überfordert. Jetzt gibt es weitere personelle Unterstützung: Handelskammer und Handwerkskammer stellen bedarfsabhängig zusammen bis zu 30 Mitarbeiter zur Verfügung. Das haben die beiden Kammern und die Wirtschaftssenatorin am Freitag vereinbart.

Das Ziel: eine schnellere Bearbeitung der Zuschussprogramme für die bremische Wirtschaft. Die zusätzlichen Kräfte, die ihre Arbeit ab Dienstag aufnehmen sollen, werden zunächst die antragsstellenden Unternehmen mit einer telefonischen Antragsberatung und online unterstützen. Dabei gehe es um Hilfestellung und Beratung zur korrekten Informationsübermittlung für die Anträge von Soforthilfen des Bundes und der Förderangebote des Bremer Senats. Außerdem soll in einem zweiten Schritt auch eine direkte Mitarbeit in der Antragsbearbeitung erfolgen. Die Bescheidung obliege selbstverständlich weiterhin der BAB, da die Zuschussprogramme durch Steuermittel finanziert sind, sagt Vogt.

„Mit unserer Initiative zur Unterstützung der Task-Force der Bremer Aufbaubank wollen wir einen starken Beitrag dazu leisten, dass unsere Mitgliedsunternehmen die dringend benötige finanzielle Hilfe schnellstmöglich erhalten„, sagt Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer. Man wolle die verheerenden Auswirkungen der Corona-Krise mit dem Ziel der bestmöglichen Unterstützung für die Wirtschaft bewältigen. “Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, dazu: „Damit die in Folge der Corona-Krise von Geschäftsschließungen und Auftragseinbrüchen betroffenen Handwerksbetrieben die im Rahmen der Soforthilfeprogramme des Landes und des Bundes in Aussicht gestellten finanziellen Hilfen – trotz der hohen Antragszahlen – auch schnell bei diesen Betrieben ankommen, haben wir sofort unsere Unterstützung angeboten.“

„Hilfe muss bei den Unternehmen schnell ankommen", sagt Krisitna Vogt. "Ich bin froh, dass in Bremen alle Akteure eng zusammenarbeiten, um die neuen Programme zügig zu realisieren." Die enorme Anzahl der Anträge stelle alle Länder vor große Herausforderungen, was auch daran deutlich werde, dass in anderen Bundesländern teilweise Server unter dem großen Andrang zusammengebrochen sind. Der Bedarf sei deutlich größer als in der Finanzkrise. "Deswegen begrüße ich sehr, dass die Kammern uns bei der Antragsberatung unterstützen."

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Bislang seien 1000 Anträge mit einem Volumen von 2,6 Millionen Euro bewilligt, sagt Stührenberg. Das ursprüngliche Soforthilfeprogramm des Landes über zehn Millionen Euro sei inzwischen in das Bundeshilfeprogramm überführt. Das Volumen hätte bei weitem nicht ausgereicht. Die Anträge müssten deshalb aber nicht neu gestellt werden. Das Landesprogramm für Unternehmen, die zwischen zehn und 49 Mitarbeiter haben, startet am Wochenende. Die ursprünglich zwei BAB-Kräfte wurden bereits auf 100 Mitarbeitern durch Kollegen der BAB, der Wirtschaftsförderung und mit Studenten der Hochschule für öffentliche Verwaltung unterstützt. ​Durch die Unterstützung der Kammern wächst die Task Force jetzt weiter um bis zu 30 Mitarbeiter.

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Weiteres Bundesprogramm

Die Bundesregierung plant in der Corona-Krise ein zusätzliches riesiges finanzielles Programm, um im Mittelstand eine Pleitewelle zu verhindern. Aus Regierungskreisen heißt es, dass es um Verbesserungen bei Laufzeiten und Haftungsfreistellung für Kredite geht. Im Gespräch ist demnach, Kredite für mittelständische Firmen für eine begrenzte Zeit mit einer 100-prozentigen Staatshaftung abzusichern. Die Höchstgrenze könnte bei 500 000 Euro pro Firma liegen. Der Staat könnte dafür Garantien in einem Gesamtvolumen von bis zu 300 Milliarden Euro übernehmen. Die EU-Kommission müsse diesem Vorhaben aber noch zustimmen. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ darüber berichtet.

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