Arbeiten mit Behinderung Von Armutsgefährdung deutlich stärker betroffen

Die Corona-Krise trifft Menschen mit Behinderung besonders hart. Der Bundesbeauftragte fordert daher mehr Unterstützung und kritisiert die Bundesregierung.
03.12.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Basil Wegener und Stefan Lakeband

Die Corona-Krise trifft den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung hart. Insgesamt waren im Oktober in Deutschland fast 174.000 Menschen mit Schwerbehinderung ohne Arbeit, rund 13 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Das geht aus dem Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) hervor. Das Land Bremen schneidet im Vergleich gut ab. Hier lag der Anstieg bei 8,6 Prozent; laut Agentur für Arbeit waren zuletzt 1744 Menschen mit einer Behinderung arbeitslos gemeldet.

„Seit 2013 verbesserte sich die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung fast stetig“, sagt HRI-Präsident Bert Rürup. Doch Corona habe die Erfolge der letzten Jahre in kürzester Zeit zunichtegemacht. „Allein von März bis April erhöhte sich die Zahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung um mehr als 10.000.“

Lesen Sie auch

Auch von Armutsgefährdung sind Menschen mit Behinderungen deutlich stärker betroffen. So hatten zuletzt von den 12,8 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen 18 Prozent ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Das waren rund 2,3 Millionen Menschen in Deutschland. Zum Tag der Menschen mit Behinderungen an diesem Donnerstag werden daher Forderungen an die Bundesregierung lauter, mehr für die Betroffenen zu tun.

Der Bundesbeauftragte für Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, wirft der Regierung indirekt Nichtstun bei dem Problem vor. Er fordert, „dass sie das Problem nicht nur erkennt, sondern auch mutig und rasch handelt“. Politik für Menschen mit Behinderungen ist bei Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angesiedelt. Dusel hat in der Regierung unter anderem die Aufgabe, Rechtsänderungen anzuregen, kann aber nichts vorschreiben. Er ist selbst von Geburt an stark sehbehindert.

Lesen Sie auch

Dusel weist auf die Ausgleichsabgabe für Unternehmen hin, die keinen Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung beschäftigen. Die Bundesregierung müsse die Ausgleichsabgabe erhöhen, fordert er. Bei dieser Abgabe müssen Arbeitgeber etwas bezahlen, wenn sie eine vorgeschriebene Zahl von schwerbehinderten Menschen nicht beschäftigen.

Info

Zur Sache

Demonstration auf dem Markt

Zum Tag der Menschen mit Behinderung an diesem Donnerstag ruft der Arbeitskreis Bremer Protest zu einer Demonstration auf dem Marktplatz auf. Ab 14 Uhr werden ein Trommel-Künstler und Mitglieder des Blaumeier-­Ateliers die Vertreter der Behindertenverbände unterstützen. Sie wollen auf die Lage von Menschen mit Behinderungen und psychosozialen Gesundheitsproblemen in der ­Corona-Pandemie hinweisen. Es gehe darum, „Interessen und Belange immer wieder in das Bewusstsein zu rücken, damit die Teilhabe und Selbstbestimmung nicht schrittweise zurückgedrängt werden“, sagt Joachim Steinbrück, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+