Studie bestätigt dem Fremdenverkehr großen Einfluss auf die Wirtschaft

Auch in Bremen boomt die Tourismus-Branche

Bremen. Der Tourismus wird für die Wirtschaft immer bedeutender, auch in Deutschland. Die Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus" vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) untermauert diese These mit Zahlen.
04.02.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Auch in Bremen boomt die Tourismus-Branche
Von Elina Hoepken

Bremen. Der Tourismus wird für die Wirtschaft immer bedeutender, auch in Deutschland. Die Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus", die vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) in Auftrag gegeben wurde, untermauert diese These erstmals mit Zahlen. Die Erhebung bescheinigt dem Fremdenverkehr, hierzulande jährlich fast 100 Milliarden Euro zu generieren. Auch für Bremens Wirtschaft ist der Tourismus ein wichtiges Standbein und hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt.

Mit Kamera, Rucksack und Stadtplan bepackt laufen die Touristen durch Berlin, Hamburg, Stuttgart oder eben auch durch Bremen und kurbeln die deutsche Wirtschaft gehörig an. Laut der Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus", die gestern in Berlin vom Bundesbeauftragten für Mittelstand und Tourismus, Ernst Burgbacher, und dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple, vorgestellt wurde, trägt der Tourismus in Deutschland mit fast 100 Milliarden Euro zur jährlichen Wertschöpfung bei. Das entspricht fast fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Effekte, wie Flug- und Bahntickets oder Hotelbuchungen sind in dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt. Bezieht man zusätzlich noch Vorleistung wie Dienstleistungen am Flughafen oder Renovierungsarbeiten durch Handwerker im Hotel mit ein, macht der Tourismus sogar 9,7 Prozent der gesamten Wertschöpfung aus. "Damit ist der Tourismus ein ökonomisches

Schwergewicht in Deutschland", sagt Burgbacher. Die Branche liegt nun also offiziell vor Wirtschaftszweigen wie etwa der Kfz-Industrie oder dem Maschinenbau. Bemerkenswert ist laut der Studie auch, dass der touristische Gesamtkonsum von knapp 280 Millionen Euro zum größten Teil von sogenannten "sonstigen Gütern", also beispielsweise Bekleidung, Wertgegenständen oder anderen Souvenirs getragen wird. Der Erwerb von Konsumgütern spielt also eine wesentliche Rolle bei vielen Touristen.

Das kann auch Maike Luca, Pressesprecherin der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ) für den Standort Bremen bestätigen. "Auf den Einzelhandel entfallen etwa 48 Prozent aller Ausgaben, die Touristen in Bremen tätigen."

In der Hansestadt wird der Fremdenverkehr immer wichtiger. Das Jahr 2011 war so erfolgreich wie kein anderes zuvor. Laut Peter Siemering, Geschäftsführer der BTZ, beträgt der Bruttoumsatz im Tourismus in Bremen 1,54 Milliarden Euro. "Wir können für Bremen ein stark gestiegenes Tourismusaufkommen verzeichnen", sagt Lucas. Gerade auch die Zunahme der chinesischen Touristen ist in Bremen enorm. Rund 60 Prozent mehr Chinesen kamen 2011 zu Besuch. Dennoch machen sowohl in Bremen, als auch bundesweit die inländischen Touristen den Hauptanteil aus.

Ob in Bremen Entwicklungen wie die City Tax oder die Umweltzonen den Tourismusboom negativ beeinflussen werden, vermag Peter Siemering heute noch nicht zu sagen. "Wir müssen erst abwarten, in welchem Umfang die Bettensteuer wirklich an die Kunden weitergegeben wird." Leicht wird es nach Ansicht der meisten Bremer Hoteliers jedoch nicht. Klaus

Laepple, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft und Auftraggeber der Studie, sprach sich gestern gegen Belastungen für die Branche durch Bettensteuern, Nachtflugverbote und die Luftverkehrssteuer aus. "Die Belastungsgrenze ist erreicht," sagte er.

Vorerst verbreitet die Studie jedoch erst einmal Optimismus. Denn auch auf den Arbeitsmarkt hat der Fremdenverkehr einen großen Einfluss. 2,9 Millionen Menschen sind deutschlandweit direkt in der Tourismusbranche beschäftigt. "Hier in Bremen ist der Tourismus einer der größten Arbeitgeber", sagt Lucas. "Knapp 29000 Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt aus ihm."

So positiv das alles klingt, die Grünen üben dennoch Kritik. Viel Tourismus bedeute häufig leider auch viel Verkehr und damit einen hohen Schadstoffausstoß. Daher warnte der tourismuspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Markus Tressel, gestern auch vor einer zu euphorischen Betrachtung der Entwicklung. Um Umweltschutz und mehr Investitionen bemühe sich die Branche nur zaghaft, sagte Tressel. "Für uns liegt es auf der Hand, dass in Bremen der Fremdenverkehr ein wichtiger Wirtschaftfaktor ist", sagt Ralph Saxe, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. "Wir bemühen uns aber natürlich um eine sanfte Form des Tourismus." Daher sei man derzeit dabei, auch andere Mobilitätsformen als Autos oder Flugzeuge voranzubringen. "Momentan arbeiten wir daran, den Fahrradtourismus in Bremen weiter voranzubringen", sagt Saxe.

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