Netz in Niedersachsen laut Vergleich zu langsam Bremen hat bundesweit die schnellste Downloadgeschwindigkeit

In Niedersachsen ist laut Breitbandreport von Speedcheck.org die Geschwindigkeit beim Internet am langsamsten und in Bremen am schnellsten von allen Bundesländern. Doch es gibt Zweifel am Vergleich.
22.07.2019, 21:28
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Bremen hat bundesweit die schnellste Downloadgeschwindigkeit
Von Florian Schwiegershausen

Dieser Vergleich freut die Bremer und macht die Niedersachsen traurig. Denn laut dem Breitbandreport des Unternehmens Speedcheck.org ist im Internet die Downloadgeschwindigkeit im Bundesland Bremen mit mehr als 27 Megabit pro Sekunde am schnellsten von allen Bundesländern. Schlusslicht im Ländervergleich ist dagegen Niedersachsen mit knapp 14,5 Megabit pro Sekunde. Flächenbundesländer wie Bayern liegen bei mehr als 22,7 Megabit pro Sekunde und Baden-Württemberg bei mehr als 24 Megabit. Diese Zahlen beziehen sich auf 2019 und basieren auf freiwilligen Tests, die Verbraucher auf der Internetseite oder per App von Speedcheck.org sowohl am Computer als auch am Smartphone gemacht haben. Laut der „Welt“, die zuerst darüber berichtet hatte, haben seit 2013 neun Millionen Anwender den Test gemacht.

Geschwindigkeiten von 100 Megabit

Dass Bremen bei der Geschwindigkeit vorne liegt, zeigt ähnlich der Breitbandatlas vom Bundeswirtschaftsministerium. Demnach ist in mehr als 95 Prozent der Haushalte eine Geschwindigkeit von 50 Megabit und mehr möglich. Und bei 75 bis 95 Prozent sind Geschwindigkeiten mit 100 Megabit und mehr möglich. Dass Niedersachsen so schlecht abschneidet, verwundert jedoch. Katharina Schütz vom Energieversorger und Telekommunikationsanbieter EWE mit Sitz in Oldenburg sagte: „Uns hat das Ergebnis echt überrascht. Deswegen würden wir gern die Daten dieses Vergleichs genauer analysieren.“

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Über ein Joint Venture zusammen mit der Telekom will das Unternehmen bis zu 1,5 Millionen Haushalte in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ans Glasfasernetz anschließen. Dafür sollen in den kommenden zehn Jahren zwei Milliarden Euro investiert werden. Während die Bundesnetzagentur bereits vor knapp einem Jahr die Zustimmung für das neue Tochterunternehmen gegeben hat, liegt die Prüfung nun beim Bundeskartellamt. Es geht darum, inwiefern das neue Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Schon zwei Mal hatte die Behörde die Frist für die Prüfung verlängert. Beide Firmen haben nun bis zum 21. September Zeit, Bedenken auszuräumen. Unabhängig davon baut EWE, zu der der Bremer Energieversorger SWB gehört, das Netz schon jetzt aus und würde am liebsten lieber gestern als heute gemeinsam mit der Telekom loslegen. Denn gerade der Markt an Tiefbauern, die die Kabel in die Erde bringen, ist wie leer gefegt – selbst in Deutschlands Nachbarländern.

Kompetenzzentrum hilft Kommunen

Dass es zu wenig Tiefbauer gibt, sei nur einer der Gründe, die den Ausbau in die Länge zögen, wie Wilfried Konnemann vom Breitbandzentrum Niedersachsen-Bremen (BZNB) in Osterholz-Scharmbeck erläuterte: „Die Landkreise in Niedersachsen nehmen den Ausbau selbst in die Hand.“ Doch auch das brauche seine Zeit, weil die Verwaltungen da in Gebiete vorstießen, mit denen sie so bisher nichts zu tun hätten. Das Kompetenzzentrum gibt den Kommunen Tipps, wie es sich mit den Fördergeldern sowohl von Niedersachsen als auch von der EU dafür verhält. Sie können dann beispielsweise das Glasfasernetz für ihren Landkreis ausschreiben, auf das sich die Betreiber dann bewerben können. Mit all den Genehmigungsverfahren brauche das seine Zeit. Konnemann beobachtet aber: „Die Kommunen sind dort wirklich aktiv, um die Situation zu verbessern.“ Das sei auch notwendig. Denn wenn in Niedersachsens Gewerbegebieten entlang der A 1 die Internetgeschwindigkeit zu langsam sei, sei es schon vorgekommen, dass die Interessenten lieber Richtung Bremen nach einem Grundstück geschaut hätten.

Was den Report von Speedcheck angeht, mochte Konnemann dem Ergebnis nicht so recht glauben und fügt an, dass der Betreiber, die Etrality GmbH, die Firma erst 2017 ins Handelsregister eingetragen habe. Konnemann verlässt sich hier lieber auf den Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums. Dort liegt Niedersachsen bei der mobilen LTE-Verfügbarkeit mit 98,6 Prozent vor Bayern und Baden-Württemberg. Bei den 50-Megabit-Anschlüssen ist Niedersachsen mit 87,4 Prozent gleichauf mit Baden-Württemberg und hinter Bayern (88,7 Prozent).

Wirtschaftsministerium versteht Ergebnis nicht

So sagt auch die Sprecherin des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, Annette Schütz: „Wir können die Erkenntnisse der Etrality GmbH nicht nachvollziehen und daher auch nicht bewerten. Insbesondere wäre zu prüfen, inwieweit die Nutzer von Speedcheck.org einen validen Ländervergleich ermöglichen und welche Aussagekraft die über einen sehr langen Zeitraum – seit 2013 – zusammen erfassten Nutzerdaten haben.“ Sie verweist ebenso auf den Breitbandatlas, bei dem Niedersachsen den vierten Platz unter den Flächenländern einnimmt. Erst vor Kurzem hatte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) gesagt: „Unser Ziel bleibt die vollständige Versorgung aller Haushalte in Niedersachsen mit gigabitfähigen Anschlüssen bis 2025.“ Dafür hat das Land im Juni eine neue Förderrichtlinie in Höhe von 220 Millionen Euro gestartet. 37 Prozent können schon jetzt einen Gigabit-Anschluss nutzen.

In Bremen können die Unternehmen bereits heute an vielen Stellen Gigabit-Anschlüsse anbieten: Neben der Deutschen Telekom sind es Ewetel und Vodafone. Auch der lokale Bremer Anbieter LWLcom baut das Netz stetig aus. Das Unternehmen verfügt in Bremen und umzu – in Randbereichen wie Delmenhorst oder Grasberg – rund 450 Kilometer Glasfasernetz, das stetig ausgebaut wird. „Wir haben mit unseren Glasfasernetzen in Bremen 13 Industriegebiete ans schnelle Internet angeschlossen. Der Weserpark wird von uns gerade erschlossen, weitere Gebiete werden folgen“, sagte Christian Schmidt, der im Unternehmen für die IT-Infrastruktur verantwortlich ist. Neugebaute Wohnhäuser werden je nach Lage ebenso angeschlossen. Von den 60 Mitarbeitern bei LWLcom gehört gut die Hälfte zum eigenen Tiefbauteam. Schmidt sagte: „So können wir viel agiler arbeiten. Allerdings ist es in dem Bereich schwierig, sowohl erfahrenes Personal als auch Nachwuchs zu finden.“ Dieses Problem kennen auch die anderen Unternehmen.

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