Union und Becks Bremer Betriebe fordern Pfanderhöhung

Mindestens 40 private Brauereien in Bayern wollen das Kistenpfand auf sechs Euro erhöhen. Auch Bremer Betriebe schließen sich der Forderung nach einem höheren Pfand an - sind aber gegen regionale Alleingänge.
27.08.2019, 10:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Mirjam Uhrich

Jetzt gibt es in Deutschland nochmals einige Tage Hochsommer mit Temperaturen über 30 Grad. Je länger sich eine solche Schönwetterperiode hinzieht, desto knapper werden die Pfandkisten. Vor einem Jahr hatte beispielsweise die Bochumer Fiege-Brauerei ihre Kunden per Internet dazu aufgerufen, die Kisten mit den ausgetrunkenen Flaschen schnellstmöglich abzugeben, weil das Leergut langsam knapp werde.

Nun fordert der Bundesverband privater Brauereien eine deutschlandweit einheitliche Erhöhung des Pfands für leere Bierkisten auf mindestens fünf Euro. Das sagte Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbands. Derzeit liegt dieses Pfand in der Regel bei 1,50 Euro. Wenn es bis Ende des Jahres keine bundesweite Einigung gebe, werde das deutsche Pfandsystem zersplittern, warnte Demleitner. „Das Pfand wurde bestimmt seit 40 Jahren nicht mehr erhöht.“ Für das Geld lohne es sich für viele nicht, die Kisten wieder an Brauereien beziehungsweise den Getränkehandel zurückzugeben, so der Verbandschef.

„Privatleute vergessen die Kisten im Keller oder basteln sich daraus Möbel“, sagte auch Georg Rittmayer, Präsident des bayerischen Landesverbands privater Brauereien. Hinzu komme, dass Urlauber die Kisten in ihre Heimat mitnähmen. Wenn solche Kisten dann an den dortigen Großhändler zurückgingen, schreddere dieser die Kisten und verkaufe das Plastikgranulat. Das sei günstiger, als die Kisten zu den einzelnen Brauereien quer durch Deutschland zu fahren.

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Deswegen sind die Brauereien gezwungen, immer wieder neue Kisten zu kaufen – und das geht ins Geld. Kleinere Brauereien, die vor allem im Bundesverband privater Brauereien organisiert sind, trifft es hart. Sie brauchen weniger Kisten und können nicht so günstig einkaufen wie Großbrauereien. Bayern droht nun mit einem Alleingang: 40 Bierbrauer im Freistaat wollen das Pfand auf leere Bierkisten von März 2020 an sogar auf sechs Euro erhöhen, wenn es bis dahin keine deutschlandweit einheitliche Pfanderhöhung für die Kisten gibt, wie Rittmayer ankündigte: „Wir wollen eine bundesweite Lösung, aber vielleicht geht's nur mit Druck.“

Der Geschäftsführer und Gesellschafter der Freien Union-Brauerei in Bremen-Walle, Ludger Kastens, hätte nichts dagegen, wenn der Pfandpreis für eine leere Bierkiste von 1,50 Euro auf 3,50 Euro steigen würde: „Denn wenn wir eine Bierkiste für 1,50 Euro rausgeben, die uns aber im Einkauf 3,50 Euro kostet, geht das schon ins Geld.“ Die Brauerei verwendet eine spezielle schwarze Kiste, in die zehn Flaschen passen, und die den Aufdruck Union hat. „Im ersten Jahr hatten wir einen Schwund, von etwa 1000 Kisten, weil sich die Leute daraus vielleicht Möbel gemacht haben oder andere nützliche Dinge“, sagt Kastens. Oder viele nutzen die leere Kiste einfach nur dafür, um das kühle Bier aus dem Keller ins Wohnzimmer zu tragen. Für den Union-Chef ist aber auch klar, dass die Erhöhung nur funktioniert, wenn das Bierkisten-Pfand einheitlich auf 3,50 Euro steigt: „Das würde der Handel sonst niemals mit sich machen lassen, wenn es beispielsweise drei verschieden Preise geben würde.“ Auch wenn die Union-Brauerei für die Herstellung erhebliche Kosten tragen muss, gibt sie weiter Kisten heraus, wie Kastens sagt: „Langsam müsste ja auch eine Sättigung erreicht sein und am Ende ist so eine Kiste auch ein optimaler Werbeträger.“

Auch beim Beck's-Brauer AB Inbev in der Bremer Neustadt wird der Vorstoß begrüßt. „Selbstverständlich gibt es Schwund bei den Kästen, und die aktuelle Höhe des Pfandes steht in keinem Verhältnis zu den Anschaffungskosten“, sagte Sprecherin Claudia Hauschild. Immerhin zahle der Verbraucher inzwischen auf dem Weihnachtsmarkt deutlich mehr Pfand für eine Tasse Glühwein als für einen Kasten Bier im Supermarkt. Sie ergänzte: „Aber es macht aus unserer Sicht wenig Sinn, als einzelner Marktteilnehmer mit Insellösungen vorzupreschen.“ So haben der Verband Private Brauereien, der Bayerische Brauerbund und der Deutsche Brauer-Bund eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dem Erhalt und der Fortentwicklung des Mehrwegpoolsystems in Deutschland befasst. „Als Direkt-Mitglied des Deutschen Brauer-Bunds beteiligen wir uns an diesen Überlegungen“, so die AB-Inbev-Sprecherin.

Gesprächsthemen der Arbeitsgruppe seien dabei unter anderem auch die bestehenden Pfandsätze für Kisten und Flaschen sowie der Verlust von Kisten und Flaschen und die Engpässe in der Logistik. „Das ist unter anderem ausgelöst durch den drastischen Mangel an Lkw-Fahrern“, sagte Hauschild. Das Thema sei sehr komplex, deshalb wolle AB Inbev die Ergebnisse der Arbeitsgruppe abwarten.

Auch Walter König vom Bayerischen Brauerbund findet, dass es einheitlich zugehen sollte: „Es kann nicht jede Kiste ein anderes Pfand haben, das wäre viel zu kompliziert.“ Das Flaschenpfand sollte aus seiner Sicht ebenso erhöht werden, aber zuerst will der Verband privater Brauereien das Kistenpfand durchsetzen. Eine Umstellung sei nicht einfach: Pfandautomaten müssten angepasst und Kassensysteme neu programmiert werden. „Das ist regional schneller umsetzbar“, sagte Demleitner mit Blick auf die bayerische Initiative. „Aber bundesweit, branchenweit ist das eine ganz andere Dimension.“ Dass sich die Bremer einer bayerischen Insellösung anschließen würden, dürfte indes unwahrscheinlich sein.

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