Appell an den Senat "Bremer Erklärung" zur Innenstadtentwicklung unterzeichnet

In einem Papier zur Entwicklung der City richten Verbände und Kammern einen Appell an den Senat – und fordern Tatkraft und Visionen. Vorgestellt haben sie es beim Gästeabend des Einzelhandels.
07.03.2018, 18:38
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Von Lisa Schröder

Unter besonderen Vorzeichen hat der Gästeabend des Einzelhandels in diesem Jahr gestanden. Denn in der Innenstadt gibt es eine unvergleichliche Aufbruchsstimmung. Jacobs-Hof, City-Gate, Bremer Carree, Lloydhof, die Neugestaltung des Geländes der Sparkasse am Brill und die von Kurt Zech geplanten City-Galerien – Bremen steht in den nächsten Jahren ein immenser Wandel bevor.

Die Kammern und Verbände haben die Gelegenheit am Mittwoch genutzt, um in diesem Zusammenhang mehr als eine Botschaft an den Senat zu richten. In einer „Bremer Erklärung zur Innenstadtentwicklung“ legten Handelskammer Bremen, der Handelsverband Nordwest, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, die City-Initiative und die Architektenkammer Bremen ihre gemeinsame Position und Vorstellung dar. Während der Veranstaltung im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft unterschrieben Vertreter der Organisationen das Papier.

„Wir wollen, dass der Senat sich der Sache aktiv annimmt. Es gibt weit über eine Milliarde Investitionsvolumen, das in den nächsten Jahren in die Innenstadt geht. Die Erklärung ist ein Appell an die Politik, dass etwas getan werden muss und die nötigen Weichenstellungen vorbereitet werden“, sagte Stefan Brockmann, Besitzer des Möbelhauses Boconcept und Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der Handelskammer, im Vorfeld.

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Der Anstoß solle eine Einladung an sie sein, sich der Erklärung anzuschließen. Zugleich mahnte Brockmann: „Die Politik muss aus ihrer abwartenden Haltung rauskommen. Die Investoren haben eigene Ziele. Jemand muss die Klammer bilden – ohne die Investoren zu stark einzuengen.“ Brockmann forderte eine Vision fürdie Innenstadt seitens des Senats.

Die Unterzeichner des Papiers sorgen sich offensichtlich, ob die Verwaltung derzeit richtig aufgestellt ist, um die Projekte voranzubringen. Die Gründe dafür liegen teils in der Vergangenheit: Keiner will, dass sich der Fall Lloydhof wiederholt, Investoren verprellt werden. Zugleich hat der Einzelhandel sich geärgert, dass die Baubehörde kürzlich Pläne für Baustellen veröffentlichte – ohne eine Abstimmung. Das thematisierte Brockmann in seiner Rede am Gästeabend.

Kurt Zech und Christian Jacobs, die Namen der Investoren stehen besonders für den geplanten Wandel der Innenstadt, mahnten bereits in der Vergangenheit. Im Oktober sagte Zech etwa: „Mir dauert das schon wieder ein bisschen zu lange.“ Brockmann betont ebenfalls, es gebe ein gewisses Zeitfenster. „Die Frage ist: Wie viele Impulse setzt man? Durch Abwarten wird aber am wenigsten passieren. Wir brauchen Entscheidungen.“ In seiner Rede griff Brockmann das auf: „Vieles dauert zu lange.“

Bauverwaltung muss gestärkt werdem

Im Papier heißt es vor diesem Hintergrund, der Innenstadtumbau könne zu einem der größten Bauvorhaben in der Geschichte Bremens werden. Dafür müsse die Bauverwaltung gestärkt werden, zugleich brauche es eine „zentrale, durchsetzungsstarke und herausgehobene Koordination“, die für die Steuerung der Abläufe sorge.

Eine Stadtentwicklungsgesellschaft, wie sie zwischenzeitlich angedacht war, kommt nach Brockmann aber zu spät für die anvisierten Pläne: „Heute würden wir viel zu viel Zeit verlieren.“ Der Vorsitzende des Einzelhandelsausschusses sieht erhebliche Entwicklungschancen für Bremen. Zwischen Hamburg und Amsterdam gebe es keine weitere Metropole außer Bremen.

Dabei wünscht er sich einen Macher für die Innenstadt in der Politik. „Wir vermissen den Patronatsgedanken des Bürgermeisters, sich des Themas Innenstadt spürbar anzunehmen.“ Karsten Nowak, Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Einzelhandel in der Handelskammer, stimmte ein: „Die Entwicklung der Innenstadt muss Chefsache werden.“

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Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) machte in seiner Rede während des Festabends deutlich, dass das schon längst passiert sei. Nicht nur im Rathaus sei die City Chefsache, sondern auch in den Ressorts Wirtschaft und Verkehr. Die verschiedenen Pläne könnten Bremen einen großen Sprung nach vorne bringen: „Es gibt eine Aufbruchsstimmung, die genutzt werden muss.“ Dafür solle nichts ins Räderwerk geraten, was die anstehenden Prozesse blockieren könnte: „Wir müssen und wir wollen das zum Erfolg machen.“

Sieling betonte aber auch, dass es Geduld für demokratische Prozesse brauche. Denn schließlich gehe es um das „Herz der Stadt“. Es gebe unterschiedliche Bedürfnisse von Touristen, Bürgern, Anwohnern und Händlern. Bebauungspläne und Ortsgesetze müssten angefasst werden. „Die Innenstadt ist eben kein Unternehmen. Die Demokratie hat ihren Preis: Dass Dinge Zeit brauchen.“

Verbesserung der Aufenthaltsqualität

Mitbestimmung könne verhindern, dass es im Anschluss Blockaden gebe. Der Bürgermeister zeigte sich insgesamt zuversichtlich: „Wir führen gute Gespräche mit den Investoren.“ Stefan Brockmann und Carsten Sieling sprachen im Verlauf des Menüs vor 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Zum 62. Mal gab es den Abend für den Einzelhandel.

Eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität, eine Ausweitung der Fußgängerzone mit Rundläufen und mehr Verkaufsfläche erhoffen sich die Unterzeichner der Erklärung in Zukunft für die City – und genügend Parkplätze. „Wenn Bremen den Anspruch als Oberzentrum für die Region ernsthaft verfolgt, muss die Erreichbarkeit der Innenstadt mit allen Verkehrsmitteln gewährleistet bleiben.“

Wer nach Abschluss der Bauarbeiten ins Bremer Carree zieht, ist derweil im Gespräch. Die Modekette Appelrath-Cüpper scheint nach Insidern interessiert zu sein. Das Unternehmen und der Eigentümer des Objekts Quest Investment wollten sich dazu nicht äußern.

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