Baudeputation

Bremer Innenstadt vor Radikalumbau

Bremen. In den kommenden Jahren soll sich die Bremer Innenstadt massiv verändern. Zwischen der Bürgermeister-Smidt-Straße und der Sögestraße könnte kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Am Donnerstag hat die Baudeputation das große Projekt auf den Weg gebracht.
18.02.2010, 07:03
Lesedauer: 3 Min
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Bremen. In den kommenden Jahren soll sich die Bremer Innenstadt massiv verändern. Zwischen der Bürgermeister-Smidt-Straße und der Sögestraße könnte kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Heute will die Baudeputation das große Projekt auf den Weg bringen.

Wirtschafts- und Bauressort haben einen Plan vorgelegt, der für weite Teile der City einen kompletten Umbau vorsieht. Die Verkaufsflächen sollen so um mehrere tausend Quadratmeter vergrößert werden. Aufeinander abgestimmte Neubauten sollen an ihre Stelle treten.Das sehen zumindest die Pläne mehrerer Gutachter vor.

Bereits mehrere Investoren haben Interesse signalisiert. Wann der Plan umgesetzt werden soll, steht noch nicht fest. Das Land Bremen wird sich offenbar nicht an den Kosten beteiligen.

Die Pläne im Detail

Vielleicht ein Hotel, vielleicht eine Markthalle, eventuell ein Kindergarten oder eine überdachte Tobewelt wie am Weserpark. Wohnen, Parken auf zwei Tiefgeschoss-Ebenen und natürlich Handel. Drei Gutachterbüros haben sich in den vergangenen Monaten die Innenstadt genau angesehen und aufgeschrieben, welchen Bedarf sie für ein City-Center sehen. Eine der klaren Aussagen: Für Geschäfte fehlen Flächen ab einer Größenordnung von 1500 Quadratmetern. Es geht, wie berichtet, beim City-Center im Kern um vier mögliche Baufelder: erstens das Parkhaus Am Brill, zweitens die Bauverwaltung mit Lloydhof, drittens die C&A-Immobilie, viertens die Galeria. Hierzu heißt es in internen Unterlagen: „Zunehmende Leerstände, qualitative Lücken und Unterbrechungen in den Läufen kennzeichnen schon heute die Situation im Ansgariviertel. Das fordert zum Handeln auf.“

Wann dieser Prozess abgeschlossen sein soll, wann Investoren ausgewählt werden und sich die Pforten der neuen Shoppingmall öffnen, das steht nicht in den Unterlagen. Kritiker fürchten bereits, dass sich die Entwicklung über einen langen Zeitraum hinziehen könnte. Sie halten auch die bisherigen Kostenschätzungen für deutlich zu niedrig angesetzt. Die Gutachter gehen den Papieren zufolge von einer Investitionssumme zwischen 160 Millionen und 300 Millionen Euro aus. Fachleute warnen allerdings, dass allein der Grundstückskauf schon dafür sorgen könnte, dass dieser Rahmen nicht zu halten sei.

Eigentümer in Luxemburg Eines der Probleme sind die Eigentumsverhältnisse. So gehört zum Beispiel der Lloydhof einer Immobiliengesellschaft, hinter der anscheinend die österreichische Sparkasse steckt. Die Gebäude, in denen sich C&A und Kaufhof befinden, gehören Immobiliengesellschaften in Luxemburg. Und die Mietverträge laufen zum Teil bis über das Jahr 2020 hinaus. Am Montag wollen offenbar Bau-Staatsrat Wolfgang Golasowski und Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing die bisherigen Überlegungen der SPD-Fraktion präsentieren. Und noch im Februar kommen die Deputationen für Wirtschaft und für Bau zu einer gemeinsamen Sondersitzung zusammen. Ziel: Sie sollen das absegnen, was die Behörden an städtebaulichen Leitlinien für das geplante City-Center formuliert haben.

Und die Deputierten sollen den offiziellen Startschuss zu weiteren Schritten geben. Denn Bremen will sich – auch das steht in den Unterlagen – auf keinen Fall „austauschbaren Standard“ vor die Nase setzen lassen, also kein gängiges Einkaufszentrum. „Höherwertige Qualitäten“ sollen neue Zielgruppen in die Innenstadt locken. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB) hat offenbar mit insgesamt 13 möglichen Investoren gesprochen. Ihnen sollen jetzt die Schlussfolgerungen der Gutachter vorgelegt werden. Experten gehen davon aus, dass am Ende vier oder fünf Unternehmen tatsächlich infrage kommen, um das Projekt in Bremen zu schultern. Darunter Multi Development (das Unternehmen hat zum Beispiel das Forum Duisburg gebaut), Sonae Sierra (Alexa am Alexanderplatz in Berlin), MFI (Harburg Arcaden) und ECE (Schlossarkaden in Braunschweig).

Das Hamburger Unternehmen ECE gehört zur Otto-Familie und betreibt in Bremen bereits das Roland Center. Betont wird in den Unterlagen für die Deputationssitzung auch, dass trotz der Planungen für ein Einkaufszentrumin der Innenstadt weitere Flächen für Handel aktiviert werden müssen. In einer Liste tauchen neben den bekannten Potenzialen wie dem Bahnhofsplatz und dem alten Postamt 5 auch der Güterbahnhof auf, die ehemalige Leffers-Immobilie am Brill und zahlreiche Bankgebäude. Offenbar sind die vielen Millionen, die Bremen in den vergangenen Jahren in die City investiert hat, relativ wirkungslos geblieben. Es geht um 170 Millionen Euro in den vergangenen 15 Jahren. Im Entwurf wird das Resultat so skizziert: „Die Anstrengungen haben nicht zu einer wesentlich verbesserten Lage des Einzelhandels geführt.“ Schlimmes Urteil: „Man findet nichts Spannendes oder Prickelndes. Dazu fehlen Anreize für einen Einkaufsbesuch in der Innenstadt.“ Und die Konkurrenz schläft nicht. Delmenhorst zum Beispiel plant, mit einem Einkaufszentrum in der Innenstadt die Verkaufsfläche zu erweitern. Erste Entwürfe liegen vor, auch hier ist die Hamburger ECE ein möglicher Investor. Es geht in der Nachbarstadt um 15000 Quadratmeter. (mbr/fre)

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