Sparkasse gibt Einblick in neues Gebäude Konkurrenz zum Homeoffice

Bäume im Innenhof, modernes Design, viel Holz: Der neue Standort der Sparkasse Bremen hat wenig mit dem Stammsitz am Brill zu tun. Ein Arbeitsplatz müsse auch schön sein, um zu überzeugen, so Chef Tim Nesemann.
30.04.2021, 05:24
Lesedauer: 4 Min
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Konkurrenz zum Homeoffice
Von Lisa Schröder

Es geht schon bei der Fassade los. Stelen statt Stuckelemente. Klare Architektur statt Opulenz. Und dann im Innern viel Holz und Licht. Modernes Design statt Altehrwürdigkeit. Im Zentrum des Gebäudes ein Innenhof mit Bäumen und Sitzbänken. Knallrote Liegestühle warten auf der Terrasse auf Müßiggänger wie auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes. Vom alten Zuhause der Sparkasse Bremen ist wenig übrig im neuen Zuhause.

Ein Film gibt am Donnerstag erstmals Einblick. Wie sieht der neue Sitz im Technologiepark drinnen aus? Tim Nesemann kommentiert den Rundgang für Journalisten – von der Empfangshalle raus zum Innenhof, hinein in den Fahrradkeller bis hinauf zum Solardach. Wegen Corona findet der Besuch allein virtuell statt.

Eine komplett neue Einrichtung

Bereits bei der Einrichtung galt im Vorfeld: alles neu. Ihre Kunstwerke, Gemälde, Skulpturen und Tabakdöschen hat die Sparkasse versteigert. Die Mitarbeiter waren dazu angehalten, höchstens einen Schuhkarton voll aus dem alten ins künftige Zuhause mitzunehmen. Das überdimensionierte knallrote Sparschwein allerdings hat Glück gehabt. „Das haben wir mitgenommen“, sagt Nesemann. Ansonsten scheint das Feuerwehrrot der Sparkasse nur hier und da als Akzent auf. Die Fassade ist deutlich dunkler.

Im neuen Gebäude will die Bank in Zukunft anders arbeiten: weniger hierarchisch und agiler. „Wir stehen hier in einem sogenannten Co-Working-Space“, verortet der Sparkassen-Chef den Videoausschnitt hinter ihm für die Runde an den Bildschirmen. Klingt fast wie vor Ort. Auf dem Ausschnitt zu sehen sind mehrere Schreibtischinseln – noch menschenleer wie das ganz Video. Co-Working-Space? Alles habe heute, erklärt Nesemann die Zukunft, natürlich einen englischen Begriff. Homebases und Quietrooms gibt es zudem. So klingt die Sparkasse hier ab sofort. Die verschiedenen Bereiche sollen je nach Bedarf genutzt werden, allein oder zusammen. „Man wechselt also durchaus auch mehrfach am Tag den Arbeitsplatz“, stellt es sich Nesemann vor. Jeder Mitarbeiter habe ein Notebook und könne hier, zu Hause oder im Innenhof und der Lounge arbeiten.

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Feste Arbeitsplätze in klassischen Einzel- und Doppelbüros fehlen dagegen bewusst – auch für die Chefs wie Tim Nesemann und seine Kollegen im Vorstand. Die klassischen Eckbüros, die schönsten Räume eines Gebäudes mit Ausblick, die gewöhnlich der Führungsriege eines Unternehmens vorbehalten sind, stünden nun allen zur Verfügung.

Für die von der Sparkasse angestrebte neue Form der Zusammenarbeit, interdisziplinär und stärker selbstorganisiert, sei ein Umzug notwendig gewesen. Denn dieser Wandel zu dem, was oft – natürlich englisch – unter New Work zusammengefasst wird, hätte nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Nesemann am Stammsitz mit Stuck am Brill nicht funktioniert. Dafür brauche es passende Räume. Schon vor langer Zeit habe das Unternehmen sich mit dem Neuanfang und veränderten Arbeitsplätzen beschäftigt.

Das sieht der Vorstandschef jetzt als Vorteil. Zum Büro müssten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne fahren. „Sonst kommt nämlich keiner mehr“, sagt Nesemann. Das Homeoffice sei heute eine viel stärkere Konkurrenz nach der Erfahrung der vergangenen Monate. „Wir müssen attraktiver sein als das Homeoffice“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Dazu müsse die technische Ausstattung und auch die Anmutung des Arbeitsumfelds stimmen.

Vor Ort gibt es ein Familienzimmer mit Spielzeug, wenn Eltern Probleme mit der Betreuung haben und ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen müssen. Und wer sich auspowern möchte, der kann den Fitnessraum nutzen und sich zum Beispiel ans Rudergerät setzen.

Im Moment allerdings ist das Gebäude, gedacht vor allem für den besseren Austausch miteinander, wie beim Rundgang noch wenig belebt: Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse sind aufgrund der Pandemie im besagten Homeoffice. Das Restaurant „Tresor“ in der Lobby kann ebenfalls nicht wie gedacht starten. Es soll später für alle zugänglich sein. Genauso soll der Empfangsbereich mit den Loungemöbeln für Mitarbeiter, Kunden und auch Besucher offen sein, um hier zu verweilen.

Besprechungsräume für Termine mit Kunden

Für die Kunden gibt es am neuen Standort unterschiedlich gestaltete Besprechungsräume – je nach Typ und Bedarf. Tim Nesemann nimmt die Runde in eines davon mit. An der Wand ein Bild von aufeinandergestapelten bunten Containern. Wer wird hier wohl später beraten? Firmenkunden aus der Logistik? Reeder?

Und soll die Belegschaft es sich aussuchen können, wo sie dann später arbeitet? Ganz frei entscheiden sollen das die Mitarbeiter nicht, sondern Vereinbarungen dazu treffen. Und klar müsse auch sein, sagt Nesemann, kreativ zu arbeiten, funktioniere durchs Zusammensein.

Tim Nesemann geht davon aus, dass andere noch Nachholbedarf bei ihren Arbeitsplätzen haben werden. Im Moment zeige sich, dass viele Aufgaben in Unternehmen doch im Homeoffice erledigt werden können. So müssten sie sich verstärkt fragen, wie sie ansprechende Räume schaffen. „Viele Unternehmen haben hier sicherlich noch eine Veränderung vor der Tür.“

Info

Zur Sache

Nachhaltiger Ansatz

Das neue Gebäude vereint für Tim Nesemann verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte in sich. Auf dem Dach gibt es eine Solaranlage. Die Stromversorgung sei zu einem hohen Grade autonom. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es einen großen Fahrradkeller und dort Plätze für E-Bikes, um einen Anreiz zu schaffen, aufs Rad zu wechseln. Anschlüsse für E-Auto sind ebenfalls vorhanden. Gebäude seien bei Klimazielen ein wichtiger Baustein. „Deswegen haben wir jetzt durch den Neubau einen ganz großen Schritt geschafft.“

Die Bank ist nach Angaben von Nesemann seit einigen Jahren klimaneutral, weil das Unternehmen entsprechende Projekte unterstützt. In Zukunft soll der Sparkasse dieses Ziel aus eigener Kraft gelingen. „Ich denke, das wird noch einige Jahre dauern, bis wir da das Ziel erreicht haben.“ Geplant ist ein klimaneutrales Konto. Bisher gebe es das nicht aufgrund des Stromverbrauchs oder der benötigten Geräte. Zum einen wolle man für das Konto weiter aktiv CO2 reduzieren, auch hier sollen außerdem Ersatzprojekte die Klimaneutralität herstellen.

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