Gute Entwicklung in Terminals an der Weser Mehr Containerumschlag in Bremerhaven

In den ersten zwei Monaten dieses Jahres hat Bremerhaven 858.000 Standardcontainer umgeschlagen - ein Plus von 12,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Weiterhin bleiben die Frachtraten hoch.
17.04.2021, 06:00
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Mehr Containerumschlag in Bremerhaven
Von Peter Hanuschke

Die Unternehmen in der Seefracht sind weiterhin gut ausgelastet. Die Jahresendrallye der Häfenbetriebe vom vierten Quartal des letzten Jahres, ging auch 2021 in den ersten beiden Monaten ähnlich weiter. So lag der Containerumschlag der bremischen Häfen im Februar bei mehr als 423.000 Standradcontainern (TEU). Im Januar und Februar zusammen kam der Umschlag auf insgesamt 858.000 TEU. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Umschlagsplus von knapp 13 Prozent. Die Kapazitätsengpässe beim Schiffsraum bleiben - insbesondere für Importwaren aus Asien. Das führt zu Lieferverzögerungen und hohen Frachtraten auf diesen Strecken.

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Dazu hat das deutsche Software-Unternehmen Setlog die Daten seiner Supply-Chain-Management-Software OSCA von 100 seiner Kunden ausgewertet. Die Analyse soll die Folgen der Coronapandemie aufzeigen. So kostete beispielsweise der Transport eines 40-Fuß-Containers aus China nach Europa im März 2020 etwa 1400 US-Dollar (1170 Euro) - Ende Januar 2021 lag der Preis bei bis zu 8000 US-Dollar (6680 Euro). Nicht selten kommen Zuschläge oben drauf, um so die Chance zu steigern, dass die Waren im Container noch schnell aufs Schiff kommen. Der Containerpreis liegt dann mal schnell bei 10.000 US-Dollar. Diese Zuschläge der Reedereien seien aber für den Kunden trotzdem noch keine Garantie dafür, dass der Container wirklich zum gewünschten Zeitpunkt seine Reise antrete, heißt es in Branchenkreisen. Das sei Kunden natürlich nur schwer vermittelbar.

Die Entwicklung der vergangenen Monate kommt im Bremer Häfenressort gut an: „Trotz der andauernden Corona-Pandemie steigen die Containerumschlagszahlen im Hafen", so Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD). "Das zeigt, dass unsere Häfen auch für Pandemiezeiten gut aufgestellt sind und funktionieren." Die enge Verbindung zu den Weltmarktführern Maersk und MSC im Rahmen der Dedicated Terminal Strategie erweise sich hier als besonders positiv. Hier sind die Terminals in Bremerhaven gemeint, die nur für Maersk und MSC und ihren Allianzpartnern vorgesehen sind.

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Grund für die Preisentwicklung bei den Frachtraten sind vor allem die fehlenden Transportkapazitäten. Die kommen aber nicht von ungefähr, dafür haben die großen Reederei-Allianzen selbst gesorgt: Zu Beginn der Pandemie, als sich das Transportvolumen gerade aus China wegen Produktionsausfällen verringerte, hatten die Reedereien viel Schiffsraum aus dem Markt genommen, und vorher waren teilweise schon ältere Schiffe ausgemustert worden, ohne sie durch neue Schiffe zu ersetzen. Nach Angaben von Setlog - das Unternehmen bezieht sich auf verschiedene Statistiken - haben die Reedereien nach dem wirtschaftlichen Stillstand in der ersten Lockdown-Phase die Kapazitäten zwischen China und den europäischen Nordseehäfen um rund 20 Prozent reduziert.

Die seit Monaten wieder auf Hochtouren laufende chinesische Wirtschaft, und die ungebremste Nachfrage nach aller Art von Waren aus dem Reich der Mitte sorgen für die massive Überbuchungssituation und für hohe Frachtraten - ganz zur Freude der großen Reederei-Allianzen, die seit Monaten in der Gewinnzone fahren.

Verschärft wird die Situation durch einen Mangel an Leercontainern. Durch die Coronapandemie würden Schiffe in manchen Häfen langsamer abgefertigt, weil weniger Personal eingesetzt wird. Es kommt zu Wartezeiten, und die Container bleiben länger als üblich in den Häfen und gehen nur verzögert leer zurück nach Asien. Hapag-Lloyd hat zum Beispiel 150.000 zusätzliche Standard- und Kühlcontainer in Auftrag gegeben. Das hat die Reederei diese Woche angekündigt.

„Die Mengen im Seeverkehr hatten sich nach einem kräftigen Einbruch im letzten Frühjahr erstaunlich schnell wieder erholt“, sagt Robert Völkl, Geschäftsführer des Vereins Bremer Spediteure. Seit Mitte 2020 seien die Volumina von Monat zu Monat angestiegen, besonders stark im letzten Quartal. Die Nachfrage nach Schiffsraum und Containerstellplätzen an Bord der Schiffe sei derart groß, dass das Angebot nicht mehr mithalten könne. Containerbuchungen müssten viele Wochen vor der Abfahrt aufgegeben werden. Es herrscht ein großer Mangel an verfügbaren Leercontainern für den Export. Die Frachtraten haben sich in einzelnen Fahrtgebieten mehr als verfünffacht.

„Die Importe aus China und Fernost boomen“, so Völkl. „Manche deutsche Unternehmen aus dem Handel und der Industrie hatten oder haben noch Nachholbedarf.“ In Europa könnten die Menschen seit einem Jahr eben nicht mehr verreisen, Konzerte oder Theater besuchen, ins Kino oder Essen gehen. „Jetzt geben sie das gesparte Geld beispielsweise dafür aus, ihr Zuhause zu verschönern und sich vermehrt Dinge für ihre Hobbys und den Sport anzuschaffen.“ So ist zu hören, dass Badepools für den Garten bereits jetzt nahezu ausverkauft seien. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau, eine wichtige Stütze des deutschen Exports, habe seit Monaten steigende Auftragseingänge aus dem Ausland. Starke Geschäftszuwächse habe die deutsche Chemie in den vergangenen Monaten verzeichnen können. In den USA hätten die staatlichen Konjunkturhilfen, von denen die Unternehmen und jeder US-Bürger persönlich profitierten, für eine zusätzliche Nachfrage gesorgt. Auch das beflügle die deutschen Exporte. „Die Mengen im Seeverkehr bewegen sich also auf einem hohen Niveau und es ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage über das gesamte Jahr weiter anhalten wird.“

Der Gesamtumschlag in den bremischen Häfen bis Februar 2021 liegt nach Angaben des Häfenressorts mit 6,1 Prozent über dem des Vorjahres. Insgesamt wurden über elf Millionen Tonnen umgeschlagen - 9,6 Millionen Tonnen allein davon in Bremerhaven. Der Stückgutumschlag stieg um 7,1 Prozent während der Massengutumschlag um 1,6 Prozent zurückging. Der Automobilumschlag bleibt in den ersten zwei Monaten mit 1,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im Februar wurden über 139.000 Autos in den bremischen Häfen umgeschlagen. Wobei das nicht an mangelnder Nachfrage liege, heißt es in Branchenkreisen. Nur komme die Produktion nach wie vor nicht hinterher, weil es weiterhin einen Mangel an Halbleitern gebe.

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