Güterumschlag

Kleineres Minus durch Jahresendrallye

Im vierten Quartal hat der Güterumschlag in den bremischen Häfen merklich zugenommen. Der Rückgang aufs gesamte Jahr bezogen liegt nun bei 4,2 Prozent im Vergleich zu 2019.
25.02.2021, 12:00
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Kleineres Minus durch Jahresendrallye
Von Peter Hanuschke
Kleineres Minus durch Jahresendrallye

Der Containerumschlag blieb mit 51,1 Millionen Tonnen und einem Minus von 1,4 Prozent in Bremerhaven fast auf Vorjahresniveau.

Mohssen Assanimoghaddam

Mehr als ausgelastete Transportunternehmen im Bereich der Seefracht – das vermeldete im November der Verein Bremer Spediteure. Dieser Zustand hielt an und es entwickelte sich insgesamt eine Jahresendrallye. Das vierte Quartal ließ das Minus beim Gesamtgüterumschlag in den bremischen Häfen im Vergleich zum Vorjahr noch weiter schrumpfen. Das geht aus den Umschlagzahlen hervor, die das Häfenressort am Donnerstag veröffentlichte: Lag der Güterumschlag in den ersten neun Monaten bei 48,6 Millionen Tonnen, was ein Minus von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutete, liegt der Rückgang aufs gesamte Jahr bezogen nun bei 4,2 Prozent.

An den Kajen und Terminals in Bremen und Bremerhaven wurde laut Häfenressort 2020 ein seeseitiger Güterumschlag von 66,5 Millionen Tonnen erzielt. Der Gesamtumschlag 2020 setzt sich zusammen aus dem Umschlag der Hafenanlagen in Bremen-Stadt mit 10,4 Millionen Tonnen (minus 14,3 Prozent) und Bremerhaven mit 56,1 Millionen Tonnen (minus 2,1 Prozent).

Der Containerumschlag blieb mit 51,1 Millionen Tonnen und einem Minus von 1,4 Prozent fast auf Vorjahresniveau. Auf Standardcontainer (TEU) bezogen, lag der Rückgang bei 1,8 Prozent. Umgeschlagen wurden im vergangenen Jahr 4,8 Millionen TEU. Besonders deutlich zeigten sich die coronabedingten Auswirkungen allerdings beim Automobilumschlag: Dort wurde im vergangenen Jahr ein Umschlag von 1,7 Millionen Fahrzeugen erzielt. Das bedeutet ein Minus von 20 Prozent.

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Die bremischen Häfen wurden 2020 von 4717 Handelsschiffen angelaufen (minus 10,5 Prozent). Bremerhaven als zweitgrößter deutscher Seehafen hat das Corona-Jahr wesentlich besser verkraftet als die niedersächsischen Häfen. Dort ging der Gesamtgüterumschlag an den neun Seehäfen, wie berichtet, um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Noch deutlicher der Unterschied beim Containerumschlag am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven: Dort beträgt das Minus 33,8 Prozent im Vergleich zu 2019. Auch der Hamburger Hafen als größter Seehafen kam besser durch die Krise.

Gründe für den Rückgang beim Containerumschlag sieht das Häfenressort zum einen in den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und zum anderen an den derzeitigen Terminalüberkapazitäten in der von starkem Wettbewerb geprägten Nordrange: „Gerade Rotterdam, Antwerpen und auch mehrere britische Häfen haben in den letzten Jahren massive Kapazitätserweiterungen vorgenommen und konnten so Ladung und Kunden hinzugewinnen“, sagte Senatorin Schilling. Containerverkehr ist Linienverkehr. „Deshalb profitieren die Westhäfen vom anziehenden Welthandel stärker als Bremerhaven von hoch ausgelasteten Containerschiffen, da insbesondere Rotterdam ohne Tiefgangsbeschränkungen angelaufen werden kann.“ Die noch nicht durchgeführte Anpassung der Außenweser hemme den Erholungsprozess im Containerbereich. „Deshalb erwarte ich, dass die Planungen vom Träger des Vorhabens, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee, jetzt zügig vorangetrieben werden.“

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In den bremischen Häfen wurde laut dem Ressort 2020 im Vergleich zum Vorjahr mit 8,6 Millionen Tonnen auch ein deutlich schwächerer Massengutumschlag verzeichnet. Das entspricht einem Minus von 5,8 Prozent. Dies sei zusammen mit dem nicht containerisierten Stückgut für die Verluste in Bremen-Stadt verantwortlich gewesen.

Die Bremer Hafenanlagen seien bei einigen Gütergruppen direkt in die Produktionsprozesse der verarbeitenden Industrie eingebunden. Das betreffe in Bremen-Stadt sowohl die Massengüter wie beispielsweise Kohle und Erz zur Stahlproduktion als auch die Stückgüter, Metallerzeugnisse und Halbzeuge sowie Projektladungen. „Die Häfen in der Stadt Bremen sind sehr eng mit der regionalen Wirtschaft verflochten„, so Senatorin Claudia Schilling. “Die schwierige Phase der deutschen Stahlindustrie wirkte sich dadurch unmittelbar auf den Hafenumschlag in Bremen-Stadt aus.„ Auch die Dekarbonisierung werde das Umschlagvolumen künftig belasten und eine zentrale Herausforderung werde darin liegen, die Energiewende auch in und mit den Häfen zu gestalten.“ “Mit der Anfang des Jahres beschlossenen Weiterentwicklung des Hafenkonzeptes will man künftig neues Wachstum generieren.

Das Kreuzfahrtgeschäft war 2020 pandemiebedingt nahezu völlig zum Erliegen gekommen: Es gab sechs Schiffsabfertigungen mit 2596 Passagieren gegenüber 115 in 2019 mit 246.995 Passagieren.

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