Landstromanlage

Cuxhaven bekommt Landstromanlage im Offshore-Hafen

Niedersachsen Ports baut im Seehafen Cuxhaven einen Landstromanschluss für die Versorgung von Seeschiffen mit Energie. Die Projektkosten liegen bei 3,1 Millionen Euro.
04.12.2017, 19:15
Lesedauer: 3 Min
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Cuxhaven bekommt Landstromanlage im Offshore-Hafen
Von Peter Hanuschke

Auch wenn Schiffe angelegt haben, benötigen sie Strom. In der Regel produzieren Schiffe ihre Energie selbst, bei abgeschalteter Hauptmaschine wird der nötige Strom mittels Hilfsdiesel und Generatoren erzeugt. Allerdings fallen dann enorme Schwefeldioxid- und Stickstoffoxid-Belastungen an. In Cuxhaven geht Niedersachsen Ports (N-Ports) nun einen anderen Weg: Am Montag gab es den symbolischen Spatenstich für den Baubeginn einer Landstromanlage am Liegeplatz 9.3. Bis Mitte März soll die neue Anlage direkt an der Kaimauer fertiggestellt sein. Die Projektkosten liegen bei 3,1 Millionen Euro. N-Ports hat als Eigentümerin des Hafens den Auftrag erteilt. Die Firma EWE-Netz setzt das Projekt in Zusammenarbeit mit der Siemens AG um.

„In unseren Seehäfen ist das die erste Landstromanlage für die Frachtschifffahrt„, sagte Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH sowie der Jade-Weser-Port-Realisierungs GmbH. “Damit sind wir einer der ersten Offshore-Standorte, die diese Technologie anbieten.„ Sie trage maßgeblich dazu bei, “in Cuxhaven Emissionen von Lärm und Luftschadstoffen gar nicht erst entstehen zu lassen“.

Allerdings wird die Reduzierung der Emissionen zunächst einmal eher gering ausfallen: Denn wie in anderen Häfen, die eine Landstromanlage haben, gibt es nur ein paar Schiffe, die überhaupt die technischen Voraussetzungen für die Aufnahme von Landstrom haben. In Cuxhaven gibt es auf jeden Fall künftig einen Abnehmer: Regelmäßig soll das extra für diesen Zweck umgerüstete RoRo-Schiff „Rotra Ventre“ den Landstrom nutzen. Die 141,5 Meter lange „Rotra Ventre“ wird die im neuen Siemens-Werk in Cuxhaven produzierten Offshore-Windturbinen in einem Pendelverkehr zu den jeweiligen Installationshäfen bringen beziehungsweise Windkraftanlagen-Bauteile ans Schwesterwerk in Hull in Großbritannien verschiffen. Deswegen befindet sich der Liegeplatz direkt neben der neuen Offshore-Fabrik für Windkraftanlagen, der künftigen Hauptnutzerin der Anlage.

Auch wenn die technischen Standards für Landstrom, zum Beispiel für die elektrische Spannung und die Anschlüsse, mittlerweile weltweit vereinheitlicht sind, scheuen sich Reeder häufig, Landstrom-Technik auf dem Schiff zu installieren. Immerhin verursacht eine solche Investition nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder Kosten von 500 000 bis eine Million Euro. Außerdem mache eine Umrüstung für Reedereien nur dann Sinn, wenn regelmäßig die gleichen Häfen angelaufen würden – und auch dort überall die notwendige Infrastruktur vorhanden sei, sagte VDR-Sprecher Christof Schwaner. Hinzu komme, dass die EEG-Umlage Landstrom in Deutschland unverhältnismäßig teuer mache. Landstrom helfe zwar, die Emissionen in der direkten Umgebung eines Schiffes zu senken, wichtig sei aber auch, wie sauber der Strom erzeugt worden sei, ob er zum Beispiel aus erneuerbaren Energien oder aus einem Kohlekraftwerk komme.

Grundsätzlich sei es nicht von vornherein negativ, Strom an Bord zu produzieren, sagte Schwaner. Das sei meistens sehr effizient. „Damit die Abgase sauberer werden, setzen wir allerdings auf alternative Brennstoffe, wie etwa verflüssigtes Erdgas.“ Eine Alternative zu Landstrom-Anlagen könnten auch kleine schwimmende Gaskraftwerke sein, die je nach Bedarf von einem Liegeplatz zum anderen fahren könnten.

Wie klein der Nutzerkreis für Landstrom noch ist, zeigt sich auch in Hamburg: Dort hat die Stadt im vergangenen Jahr für etwa zehn Millionen Euro eine Anlage zur Landstrom-Versorgung für Kreuzfahrtschiffe am Terminal Altona eingeweiht. Allerdings wird sie kaum genutzt. Lediglich die „Aida Sol“ lief die Anlage zwölf Mal in dieser Saison an. Insgesamt gab es aber fast 200 Kreuzfahrtanläufe in Hamburg. Die Columbuskaje in Bremerhaven ist für Landstrom bislang nicht ausgerüstet.

Die Versorgung von Kreuzfahrtschiffen mit regenerativ erzeugtem Landstrom sei eine große technische und vor allem finanzielle Herausforderung, sagte Bremenports-Sprecher Holger Bruns. Und an anderen Standorten, die diese technische Möglichkeit bieten würden, fehle bislang die Nachfrage, da der Landstrom nach wie vor zu teurer sei. Insofern müsse sorgfältig geprüft werden, was die effektivsten Ansätze seien, um möglichst schnell zu der dringend notwendigen Reduzierung der Dieselemissionen zu kommen.

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