50 Jahre Mondlandung Das neue Mondfieber

Seit 1972 war kein Mensch mehr auf dem Mond. Das kann sich bald ändern. Ein neues Mondfieber ist ausgebrochen – das auch US-Präsident Donald Trump erfasst hat.
17.06.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Das neue Mondfieber
Von Stefan Lakeband

Sie hat nicht gerade den besten Ruf: Streng soll sie sein. Und grausam. Ihr Verhältnis zum männlichen Geschlecht kann im besten Fall als angespannt bezeichnet werden. Die Hoffnung der internationalen Raumfahrt ruht trotz allem auf Artemis. Sie leiht der nächsten amerikanischen Mondmission ihren Namen.

Dass die US-Raumfahrtbehörde Nasa gerade die griechische Göttin ausgewählt hat, dürfte weniger mit ihren Eigenschaften als mit ihrer Verwandtschaft zusammenhängen. Artemis ist die Zwillingsschwester von Apollon, dem Namensgeber der ersten Mondmissionen in den 1960er-Jahren. Die Amerikaner, das ist offensichtlich, wollen bei der Rückkehr zum Mond der Tradition folgen – und doch vieles anders machen.

Dabei schien der Mond lange in Vergessenheit geraten zu sein. Nach der letzten bemannten Landung 1972 gab es zwar immer wieder Pläne, Menschen zurück zum Erdtrabanten zu bringen. Wirklich konkret wurde es aber erst 2004. Damals kündigte US-Präsident George W. Bush an, Astronauten bis 2020 zum Mond fliegen zu lassen. Bushs Nachfolger Barack Obama verwarf diese Pläne aber: zu teuer. Die Vereinigten Staaten entfernten sich wieder weiter vom Mond.

Lesen Sie auch

Das neue Mondfieber brach Ende 2017 aus: Donald Trump, damals ein Jahr im US-Präsidentenamt, unterzeichnete im Weißen Haus die Space Policy Directive 1 – und leitet damit einen Schwenk der US-Weltraumpolitik ein. „Dieses Mal werden wir nicht nur unsere Fahne aufstellen und unseren Fußabdruck hinterlassen“, sagte Trump. Sein Plan: Der Mond soll Ausgangsbasis für weitere Missionen zum Mars und vielleicht darüber hinaus werden. Im Mai dieses Jahres nannte Trumps Stellvertreter Mike Pence dann einen Zeitplan: Bis 2024 sollen US-Astronauten wieder auf dem Erdtrabanten landen.

Doch warum rückt der Mond gerade jetzt wieder in den Fokus? Nach dem Ende der Apollo-Missionen wurden neue Mondpläne immer wieder zunichte gemacht. War die Raumfahrt in den 1960er-Jahren noch ein Wettkampf zwischen West und Ost, wurde diese politische Komponente im Laufe der Jahre immer unwichtiger. Aus Kostengründen wurde das Apollo-Programm sogar früher als geplant eingestellt.

Flug zum Mars nur mit Zwischenstopp möglich

Trumps Mondpläne erinnern nun viele Amerikaner wieder an die vermeintliche Überlegenheit der vergangenen Tage – und passen so ganz gut zu seinem Slogan „Make America great again“. Kurz bevor Trump seine Unterschrift unter die Space Policy Directive 1 setzte, sagte er: „Wir sind die Anführer, wir werden die Anführer bleiben und wir werden unsere Anführerschaft verstärken.“ Und anders als etwa beim Mars ist eine Rückkehr zum Mond in den kommenden Jahren durchaus realistisch. 2024 als Jahr der nächsten Mondlandung läge noch in einer möglichen zweiten Amtszeit von Donald Trump.

Was auch für den Mond spricht: Mittlerweile ist Konsens, dass ein bemannter Flug zum Mars nur gelingen kann, wenn es einen Zwischenstopp im All gibt; der Mond könnte dieser interstellare Rastplatz sein. Hier lassen sich zudem Technologien erforschen und austesten, die später auch auf dem Mars zum Einsatz kommen können. „Wir müssen lernen, auf einer anderen Welt zu leben und zu arbeiten“, erklärt Nasa-Chef Jim Bridenstine.

Die USA treiben die Rückkehr zum Mond am stärksten voran, sind aber längst nicht die einzigen, die sich wieder für den Himmelskörper interessieren. Mit Chang'e 4 ist China Anfang des Jahres eine viel beachtete Mission geglückt. Zum ersten Mal ist eine unbemannte Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelandet. Wenig scheiterte Israel knapp daran, zur nächsten Nation zu werden, die erfolgreich auf dem Mond landet. Im April zerschellte die Sonde Beresheet auf der Oberfläche. Noch in diesem Sommer wird Indien einen Versuch starten, auf dem Erdtrabanten zu landen. Und selbst im kleinen Luxemburg gibt es Pläne für Flüge zum Mond.

Doch nicht nur Staaten haben Interesse am Mond, auch private Unternehmen arbeiten an der Rückkehr. Das Berliner Start-up PT Scientists kooperiert dafür mit der Raumfahrtfirma Ariane Group, mit Vodafone und Audi. 2021 will das Konsortium zwei Rover auf den Mond bringen und dort ein LTE-Netz aufbauen. Neben einem enormen PR-Effekt für die beteiligten Firmen soll die Mission auch andere Erkenntnisse liefern: An der Landestelle von Apollo 17 sollen die Rover etwa ergründen, was aus den amerikanischen Hinterlassenschaften geworden ist.

Info

Zur Sache

Müllkippe Mond

Nicht nur das All ist voller Weltraumschrott, auch auf dem Mond lassen sich etliche menschliche Hinterlassenschaften finden. Neben ehemaligen Sonden haben auch Astronauten einiges zurückgelassen: Apollo-14-Astronaut Alan Shepard hat etwa ein Runde Golf auf dem Mond gespielt – die Bälle anschließend aber nicht eingesammelt. Auch eine Bibel, die Feder eines Falken sowie 100 Zwei-Dollar-Noten finden sich auf dem Erdtrabanten, außerdem mehrere Beutel mit Urin und Erbrochenem. Die Raumfahrer waren darauf angewiesen, alles, was sie nicht für den Rückflug benötigen, auf dem Mond zu lassen. Ansonsten wäre das Raumschiff vielleicht zu schwer gewesen, um wieder von der Mondoberfläche abzuheben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+