50 Jahre Roland Umschlag

Drehscheibe für Häfen und Hinterland

Das Unternehmen, das am Güterverkehrszentrum Container und Schwergut von der Schiene auf die Straße bringt und umgekehrt, wird 50 Jahre alt. Wie es 1969 losging und welches Geschäft längst hinzugekommen ist.
18.07.2019, 21:15
Lesedauer: 3 Min
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Drehscheibe für Häfen und Hinterland
Von Florian Schwiegershausen
Drehscheibe für Häfen und Hinterland

Auf den Gleisen beim Güterverkehrszentrum hievt Roland Umschlag täglich bis zu 1000 Einheiten von der Straße auf die Schiene und umgekehrt.

Roland Umschlag

Sie ist das Herzstück des Güterverkehrszentrums in der Bremer Neustadt. Denn die Roland Umschlaggesellschaft für kombinierten Güterverkehr – kurz Roland Umschlag – verlädt hier Container und Wechselbrücken, Sattelauflieger und Schwergut von der Straße auf die Schiene und umgekehrt. Am Donnerstagabend hat das Unternehmen sein 50-jähriges Jubiläum im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hafen trifft Festland“ gefeiert, zu der gut 150 Gäste aus der Hafen- und Logistikbranche kamen.

Die wurden innerhalb eines kleinen Containerdorfs empfangen, dass die Roland-Mitarbeiter extra für den Abend aufgestellt hatten. Für Geschäftsführer Christoph Holtkemper ist es schon das zweite Jubiläum in diesem Jahr gewesen, nachdem er im Mai bereits seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte. Doch am Abend sollte es nicht um ihn gehen, sondern um das Unternehmen, dessen Kombibahnhof als das Tor von den deutschen Seehäfen zum Hinterland und umgekehrt gilt. Und es ging auch um die niedersächsischen Häfen, speziell dem JadeWeserport. Denn als Tiefwasserhafen 2012 in Betrieb genommen wurde, ging der erste Zug von dort zu Roland Umschlag.

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Pionierhaft war es auch in den Zeiten der Gründung von Roland Umschlag 1969. Die Logistikwelt war noch eine völlig andere, der Container als Transportbehälter war noch neu. Entsprechend entstanden in den Seehäfen wie Bremen und Hamburg die ersten Containerterminals. Im gleichen Jahr wurde in Bremen auch der Umschlagbahnhof für den kombinierten Ladungsverkehr gegründet. Damit entstand das älteste private Kombi-Terminal in Deutschland.

1970 wurde Roland zu einer Kommanditgesellschaft und startete 1972 den operativen Betrieb mit dem Umschlag der ersten Verladeeinheit. Geschäftsführer Christoph Holtkemper sagt dazu: „Das war in diesem Umfeld ein wichtiger Schritt in die Zukunft von Transport und Logistik.“ Bis zum Jahr 1989 arbeitete die erste Roland-Anlage zwar auch schon in der Neustadt, jedoch am Gaswerkgraben. Doch die Kapazitäten reichten auf dem Gelände bei Weitem nicht mehr aus, ­weshalb das Unternehmen in das wenige Jahre zuvor gegründete Güterverkehrszentrum ­umzog.

Täglich rund 1000 Einheiten

Heute arbeiten auf dem 260 000 Quadratmeter großen Gelände 58 eigene Mitarbeiter zusammen mit 15 Kräften von anderen Firmen. Sie sorgen für den täglichen Umschlag von rund 1000 Einheiten. Das Terminal für den kombinierten Ladungsverkehr verfügt über eine insgesamt zehn Kilometer lange Gleisanlage. 5670 Meter an Nutzgleisen stehen dabei für acht Ganzzüge zur Verfügung. Zwei Krananlagen überspannen je vier Gleise und sorgen gemeinsam mit zehn Staplern für den schnellen Umschlag der Boxen und Wechselbehälter.

Auch Schwergutumschlag findet statt - da kann es schon mal um Gewichte bis zu 45 Tonnen gehen. Inzwischen organisiert Roland Umschlag bis zu 42 Züge wöchentlich mit einer Kapazität von etwa 3750 Standardcontainern. Sie verkehren vorwiegend zwischen den Seehäfen Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg. „In Wilhelmshaven sind wir inzwischen größter Bahnoperator“, fügt Holtkemper an. „Damit sorgen wir dafür, dass auf der A 1, A 28 und A 29 täglich etwa 450 Lkw weniger fahren.“ Damit werden jeden Monat 1500 Tonnen CO2 eingespart.

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Über die Jahre sind auch die zusätzlichen Services von Roland Umschlag immer größer geworden. So gibt es auf insgesamt 85 000 Quadratmetern ein Leercontainerdepot, das von Reedern und Leasingunternehmen genutzt wird. Dabei kontrollieren die Mitarbeiter die Container auch auf Schäden.

Daraus hat sich über die Zeit ein weiteres Geschäft ergeben. So reparieren die Mitarbeiter täglich 100 Container. Da kann mal ein Loch drin sein, oder die Türen schließen nicht mehr richtig. Außerdem bauen die Mitarbeiter die Boxen inzwischen auch zu Bürocontainern um, oder kümmern sich um Spezialanfertigungen. Bei dem Reparaturaufkommen ist es eine logische Folgerung, dass Roland Umschlag auch mit gebrauchten Seecontainern handelt.

Leistungsfähigkeit zu jeder Zeit

Zu den Geschäftspartnern zählen die großen Containerreedereien. An Roland sind insgesamt 16 mittelständische Speditionen, Bahnoperateure und Logistikfirmen als Kommanditisten beteiligt, zu denen seit Beginn die Bremer Unternehmen Ipsen, Leschaco und Rose­brock gehören. Bei einem Umsatz in Höhe von 20 Millionen Euro konnten sie alle sich über ein gutes Ergebnis freuen. Gleichzeitig haben sie hohen Investitionen zugestimmt, um die Leistungsfähigkeit des Kombi-Bahnhofs auch künftig zu gewährleisten.

Geschäftsführer Holtkemper sagt: „Wir werden in den nächsten drei Jahren unsere Umschlagkräne ersetzen und auch neue mobile Geräte kaufen. Die Gesamtinvestitionen werden mehrere Millionen Euro betragen.“ Zudem war Donnerstag auch Premiere für einen Zug von TFG Transfracht aus Dortmund, der nun regelmäßig Roland ansteuern wird. Vom Jade­Weserport erhielt Holtkemper als Dankeschön für das Vertrauen seit dem Hafenstart einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus Wilhelmshaven. Für die Gäste gab es ein Glas zum Anstoßen – stilecht aus dem Barcontainer.

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