Kommentar über Privatisierung von Unternehmen Ein fahrlässiger Umgang mit der Wahrheit

Ob der Verkauf von Anteilen an einem Unternehmen Sinn macht oder nicht, kann letztendlich nur der Eigentümer beantworten, meint Gastkommentator Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics.
24.05.2019, 21:54
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Dreeke

Die im Wahlkampf angestoßene Debatte um die Privatisierung von Unternehmen, an denen die Freie Hansestadt Bremen Eigentum besitzt, nimmt seltsame Züge an. So hat an dieser Stelle Thomas Herwig, Wettbewerber im Logistikgeschäft, mal ordentlich über die BLG hergezogen. Ob der Verkauf von Anteilen Sinn macht oder nicht, kann letztendlich nur der Eigentümer beantworten. Aber meine Vorstandskollegen und ich beziehen klar Position gegen den Versuch, das Unternehmen mit Halbwissen und erfundenen Geschichten schlecht zu reden und damit Mitarbeiter wie Kunden zu verunsichern.

Möglicherweise hat Herr Herwig die Konstruktion der BLG nicht verstanden. Irritierend auch, dass in seinem Beitrag der Gewinn vor Steuern und Zinsen mit dem Gewinn vor Steuern verglichen wird und dass Ergebnis und Marktwert verwechselt werden. Dass zudem der Eindruck erweckt wird, die BLG sei ein Unternehmen, das Mitarbeiter unter Tariflohn bezahle und dessen Zahlen sich schlecht entwickeln, entbehrt jeder faktischen Grundlage. Deshalb sind drei Dinge klarzustellen:

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Erstens: Die Dividende auf die Aktie ist nicht, wie behauptet wurde, „geschrumpft“, sondern in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Von 25 Cent pro Aktie auf 45 Cent pro Aktie – also um 80 Prozent. Nachzulesen in öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten.

Bezahlung nach Tariflohn

Zweitens: Alle Mitarbeiter werden nach Tariflohn bezahlt. Die Betonung liegt auf: Alle. Das gilt auch für die Leiharbeitnehmer und ist unbedingte Voraussetzung in den Verträgen, die wir mit Zeitarbeitsfirmen schließen. Wenn also behauptet wird, „die BLG setzt Subunternehmen ein, die ihren Mitarbeitern weniger als den Tariflohn bezahlen“, so ist auch dies ein fahrlässiger Umgang mit der Wahrheit. Wir haben vor geraumer Zeit Gewerkschaft und Betriebsräte gebeten, uns Hinweise zu geben, wenn sich Subunternehmer nicht daranhalten. Es hat uns bislang kein solcher Hinweis erreicht.

Drittens: Es wird behauptet, „der Marktwert der BLG ist in zwölf Jahren um fast zwei Drittel gesunken“. Richtig ist, sowohl das Eigenkapital der Gruppe wie der Aktienkurs sind Ende 2018 höher als vor zwölf Jahren. Die Stabilität des Unternehmens hat auch deshalb zugenommen, weil es vielfältig aufgestellt ist. Seit Jahren schüttet das Unternehmen in zweistelliger Millionenhöhe an die Freie Hansestadt Bremen aus.

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Zur Person

Unser Gastautor ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics. Unter anderem auch die Bereiche Unternehmensstrategie, Kommunikation und Verkehrspolitik gehören zu seinem Aufgaben.

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Dieser Beitrag ist eine Antwort auf den Gastkommentar von Thomas W. Herwig, Beiratsvorsitzender der Röhlig Logistics GmbH, der am Mittwoch an dieser Stelle erschienen ist.

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