Wirtschaftsförderung Bremen (WFB)

Ein Sparmodell macht kräftig Schulden

Bremen. Statt eigentlich angepeilter Gewinne fährt die Wirtschaftsförderung Bremen Verluste ein. Für eine schnelle Trendwende zum Besseren mag sich heute niemand verbürgen. Für 2012 ist wieder ein hoher Fehlbetrag zu erwarten.
23.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein Sparmodell macht kräftig Schulden

Die Wirtschaftsförderung Bremen erwirtschaftet Jahr für Jahr ein Minus.

Frank Thomas Koch

Bremen. Ein zentrales Reformvorhaben der 2007 erstmals gewählten rot-grünen Koalition in Bremen war die Fusion von Wirtschaftsförderung, Messe und Bremen-Marketing unter einem neuen, einheitlichen Dach. Doch die davon erhofften Effekte traten nicht ein: Die Zahl hochdotierter Chefs konnte bislang keineswegs halbiert werden, und statt eigentlich angepeilter Gewinne fährt die Wirtschaftsförderung Bremen Verluste ein.

Bremen. 2009 ist die Wirtschaftsförderung neu geordnet worden - aus der Bremer Investitions-Gesellschaft (BIG) wurde die WFB, die Wirtschaftsförderung Bremen, zu der auch das Bremen-Marketing und die Messe kamen. Jährlich zwei Millionen Euro sollten im Zuge dieser Reform jährlich eingespart werden. Als jetzt der Aufsichtsrat tagte, gehörte allerdings ein ganz anderer Trend zu den Hauptgesprächsthemen: Die WFB erwartet für die kommenden Jahre rote Zahlen.

Vom Sparmodell zum Sorgenkind, und für eine schnelle Trendwende zum Besseren mag sich heute niemand verbürgen. Dazu trugen die Zahlen aus dem Wirtschaftsplan bei, der den Aufsichtsrat beschäftigte. Demnach ist für 2012 ein Fehlbetrag von rund 1,5 Millionen Euro zu erwarten, für das darauffolgende Jahr könnte er etwa 2,2 Millionen betragen, und auch 2013 falle der Kassenstand voraussichtlich um gut zwei Millionen Euro zu niedrig aus. Es gehe entsprechend nicht um einen einmaligen Fall, eher zeichne sich ein "strukturelles Defizit" ab.

Besorgte Bewertungen in der Mehrheit

Besorgte Bewertungen waren nach der Aufsichtsratssitzung der WFB klar in der Mehrheit, zuversichtliche Einschätzungen zur Zukunft hatten kaum Konjunktur. Im Kontrollgremium sei intensiv diskutiert worden, wie dieses bremische Unternehmen finanziell gefestigt werden könnte. Wie es hieß, verlangten Belegschaftsvertreter, dass die Geschäftsführung nun Gespräche mit dem Senat aufnimmt, um die künftigen finanziellen Grundlagen für die Arbeit der WfB auszuloten und abzustimmen.

Offizielle Kommentare aus dem Aufsichtsrat gab es am gestrigen Donnerstag mit Verweis auf die gesellschaftsrechtlich vorgegebene Schweigepflicht nirgends. Am Rande der Sitzung des Kontrollgremiums aber wurde immer wieder von kritischen Anmerkungen berichtet. Bilanz: Was man sich von der Fusion versprochen habe - Geld sparen und damit mehr Mittel für die Wirtschaftsförderung zur Verfügung zu haben - sei bisher jedenfalls nicht eingetroffen.

Alles unter einem Dach - das war das Motto bei der Verschmelzung der Gesellschaften im Jahr 2008. Die Fusion von Wirtschaftsförderung, Messe, Bremen-Marketing und weiteren Geschäftsfeldern bekam politisch das Etikett "zentrales rot-grünes Reformvorhaben". Zwei Millionen Euro, so die Ankündigung, könnten aufgrund der zu erwartenden Synergieeffekte dadurch Jahr für Jahr erwirtschaftet werden. Die WFB werde mit den vereinten Kräften eine größere Schlagkraft entfalten, auch die Kundenorientierung werde geschärft. Und statt der damals sechs Chefs in den unterschiedlichen Gesellschaften werde es später nur noch drei geben.

Gesprächsstoff in der Aufsichtsratsrunde

Zum Unternehmensstart ein Plus von jährlich zwei Millionen Euro errechnet, nun aber ein Minus von zwei Millionen Euro pro Jahr prognostiziert - dies sorgte für Gesprächsstoff in der Aufsichtsratsrunde. Aber nicht nur diese ungünstigen finanziellen Perspektiven wurden diskutiert, sondern auch die Gründe für diese Entwicklung. Die Wirtschaftsförderer, Stadtwerber und Messenexperten, so hieß es, unterlägen ebenso den Anforderungen der Sparpolitik des Senats wie andere öffentlichen Einrichtungen auch. Staatliche Zuschüsse für die Arbeit der WFB seien gekürzt worden. "Auch die Wirtschaftsförderung ist am öffentlichen Tropf - und der tröpfelt inzwischen eben spärlicher", lautete eine Beschreibung nach der Sitzung des Kontrollgremiums

Es wurde zudem darauf verwiesen, dass dem Unternehmen von Bremen eine Millionensumme zur Haushaltssanierung abverlangt worden sei - was postwendend zu einem geringeren Zinsertrag geführt habe. Auch dies wirke sich auf die Lage aus und entfalte Langzeitwirkung.

Zu den "Stellschrauben", die zur wirtschaftlichen Verbesserung bei den Wirtschaftsförderern verändert werden könnten, so hieß es, gehöre der Personalstand. Vergleichbar zum unmittelbaren öffentlichen Sektor stehen betriebsbedingte Kündigungen nicht zur Debatte - sie waren in den Planungen zur Verschmelzung der zuvor eigenständigen bremischen GmbHs auch von vornherein ausgeschlossen worden. An der Spitze gab es unterdessen Veränderungen, aber die Zahl von drei Chefs ist noch nicht erreicht: Bis zum Abschied von Claus Kleyboldt gab es bis Herbst 2011 fünf Geschäftsführer.

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