Nach alter Rezeptur gebraut: Seefahrtsmalz Exklusives Bier für die Schaffermahlzeit

Bremen. Nur zu einem Anlass wird in der Brauerei InBev noch einmal die Rezeptur für das "Seefahrtsmalz" herausgeholt: vor der Schaffermahlzeit der Stiftung Haus Seefahrt. Dunkelbraun und dickflüssig ist das traditionsreiche Getränk. Was es heute so besonders macht, ist vor allem seine Exklusivität.
03.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Exklusives Bier für die Schaffermahlzeit
Von Frauke Fischer

Bremen. Nur zu einem Anlass wird in der Brauerei InBev noch einmal die Rezeptur für das "Seefahrtsmalz" herausgeholt: vor der Schaffermahlzeit der Stiftung Haus Seefahrt. Dunkelbraun und dickflüssig ist das traditionsreiche Getränk. Was es heute so besonders macht, ist vor allem seine Exklusivität.

Kaufen kann man es nirgends. Gerade mal fünf Kisten à 24 Flaschen sind kürzlich an jene drei kaufmännischen Schaffer gegangen, die in diesem Jahr das altehrwürdige Brudermahl der Sozialkasse ausrichten. Die Flaschen mit den braungelben Etiketten, auf deren Rückseite die genaue Analyse der Inhalte vom Chemischen Handelslaboratorium Dr. Phil. Werner Hofmann aufgedruckt ist, gehören am 11. Februar zum Tafelbild in der Oberen Halle. Flaschenweise getrunken wird das gehaltvolle Getränk indes nicht, sondern in kleinen Schlucken reihum aus Humpen genommen. In der Menüfolge der Traditionsfeier in der Oberen Rathaushalle ist es als Seefahrtsbier gleich nach der Rede des 3. Schaffers auf Bremen und den Senat aufgeführt.

7 Tage Arbeit für ein Bier

Eine Woche Arbeit geht in die Produktion des Seefahrtsmalz', das früher fester Bestandteil der Schiffsrationen war. Das dickflüssige Gebräu, übrigens ohne Alkohol, aus Malz und Brauwasser galt als besonders lagerfähig und vitaminreich. In Zeiten, als Skorbut und andere Mangelerscheinungen die Seeleute während ihrer monatelangen Schiffsreisen bedrohte, war es ein wichtiges Nahrungsmittel. "Eine vitaminreiche Dauerkonserve", wie Jürgen Frieling sagt. Er ist seit 27 Jahren Braumeister am Grünenkamp und hat die Rezeptur von 1553 im Kopf wie seine Vorgänger auch schon. "Es wird nach dem deutschen Reinheitsgebot produziert", betont Frieling. Der Schritt, in dem Hefe zugesetzt und damit die Gärung in Gang gesetzt wird, fällt allerdings aus. Der Alkoholgehalt, so Jürgen Frieling, liegt deshalb bei Null.

Alles ist Handarbeit, die Menge winzig im Vergleich zu den sonst üblichen Abfüllungen. 150000 Liter, so der Braumeister, können in einer Woche herausgebracht werden. Das Seefahrtsmalz, das im gleichen Zeitraum entsteht, ergibt noch nicht einmal einen halben Hektoliter. Der Vergleich sagt auch viel über die Kostbarkeit aus. "In Euro kann man gar nicht darstellen, was es kosten müsste", meint InBev-Sprecher Oliver Bartelt.

Erstmals Azubis am Werk

Die Schaffermahlzeit bekommt die Lieferung Seefahrtsmalz übrigens kostenlos. "Das ist der Beitrag von InBev, um die Tradition fortzuführen", sagt Bartelt. Die aktuelle Produktion ist eine Premiere bei InBev geworden. Erstmals sind die Auszubildenden, die angehenden Braumeister, mit der Herstellung betraut worden. Vom Ansatz bis zur Flaschenabfüllung haben sie die Entstehung verantwortet. "Man wird Teil einer Bremer Tradition. Das ist sehr spannend", sagt Lukas Berger über die Spezialaufgabe.

Bis in die dreißiger Jahre hinein soll das Seefahrtsmalz ein Drogerieartikel gewesen sein, hat Oliver Bartelt herausgefunden. Kindern, die keinen rechten Appetit hatten und nicht wachsen wollten, flößte man es ein wie Lebertran oder später andere Nahrungsergänzungsmittel. "Eigentlich wäre es etwas für Marathonläufer", meint Jürgen Frieling. Doch als Sportgetränk könnte sich das Malz wohl allein wegen des ungewöhnlichen Geschmacks kaum am Markt durchsetzen. Und dann die Herstellungskosten. In die Regale von Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften wird es deshalb wohl nie gelangen.

InBev will exklusive Tradition erhalten

Nach der Schaffermahlzeit, das weiß Jürgen Frieling aus vielen Vorjahren, kommen jedoch immer mal wieder Anfragen von Gästen, die das Malz gern käuflich erwerben würden. Als Erinnerung an einen besonderen Tag. Vielleicht zum Aufbewahren in der Kuriositäten-Vitrine. Doch die Haltung der Brauerei hat sich nicht geändert, betont Oliver Bartelt: "Das Seefahrtsmalz gibt es nur zur Schaffermahlzeit. Nur so erhalten wir Tradition und Exklusivität."

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