Neue Marketing-Offensive Facebook-Freunde werden zu Werbeträgern

Bremen. Vor wenigen Tagen hat Facebook sein neues Angebot „Deals“ freigeschaltet, doch schon jetzt sorgt der neue Dienst für heftige Diskussionen. Auch Bremer Geschäfte beteiligen sich an der neuen Marketing-Strategie.
02.02.2011, 17:56
Lesedauer: 4 Min
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Facebook-Freunde werden zu Werbeträgern
Von Maren Beneke

Bremen. Vor wenigen Tagen hat Facebook sein neues Angebot „Deals“ freigeschaltet, doch schon jetzt sorgt der neue Dienst für heftige Diskussionen. Auch Bremer Geschäfte beteiligen sich an der neuen Marketing-Strategie.

Das Prinzip, das hinter „Deals“ steckt, ist einfach. Jeder, der auf seinem Handy die Facebook-App installiert hat – das trifft auf immerhin ein Drittel der rund 600 Millionen Community-Mitglieder zu – kann sich unter der Funktion „Places“ einloggen. Facebook erkennt dann, an welchem Ort sich der Nutzer gerade befindet und zeigt daraufhin eine Liste mit Partner-Unternehmen in der Nähe an, die an dem neuen Dienst teilnehmen. In Bremen sind das zum Beispiel die Parfümerie Douglas, das Kleidungsgeschäft Esprit oder die Restaurantkette Vapiano.

Um an „Deals“ teilzunehmen, muss der Facebook-Nutzer mit seinem Handy den entsprechenden Ort besuchen und dort vor Ort die Anzeige vom Handydisplay vorzeigen. Es winken dann neben satten Rabatten auch Geschenke oder weitere Angebote.

Gleichzeitig wird der User damit zum lebenden Werbeträger. Sobald er in den entsprechenden Geschäften „eincheckt“, wird eine entsprechende Nachricht auf den Seiten seiner Facebook-Freunde veröffentlicht. Und so wird jeder „Check-In“ auch zu einer persönlichen Empfehlung – ob der Nutzer das möchte, oder nicht.

Kontroverse Debatte

Dementsprechend kontrovers wird der neue Dienst in der Internet-Gemeinschaft diskutiert. „Sehr gute Sache! Ich freue mich drüber!“, schreibt etwa der Facebook-User Fabian Beyer. Auch Jan-Christoph Hollweg ist begeistert: „Facebook – da liegt die Zukunft.“ Die beiden Kölnerinnen Sarah und Philine haben „Deals“ bereits ausprobiert und sich in einer Parfümerie Gratis-Düfte für „Deals“-User abgeholt. „Das hat gut geklappt“, lautet ihr Fazit auf der deutschen Facebook-Website.

In den vergangenen Tagen mehren sich aber auch kritische Stimmen. „Facebook hat eine neue Möglichkeit Daten einzusammeln“, sagt Patrick Süßmeier. „Noch mehr Werbung?“, fragt sich Dennis Marthiensen. Auch der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann ist „Deals“ gegenüber zwiegespalten. „Einerseits ist es natürlich spannend, weil ich meinen Freunden mehr vertraue, als Menschen, die ich gar nicht kenne“, sagt er. Gerade im Internet seien Produktbewertungen in der Vergangenheit immer wichtiger geworden. Andererseits gehe die ursprüngliche Idee der Online-Community immer mehr verloren. „Der Gründer Mark Zuckerberg hat Facebook als Kommunikations-Netzwerk unter Freunden eingerichtet“, so Gerstmann. „Jetzt wird es immer mehr zu einer Werbeplattform.“ Vor allem bei Jugendlichen sei die Gefahr gegeben, dass sie gar nicht wüssten, worauf sie sich bei dem neuen Dienst einlassen. „Die Konto- und Privatsphäreneinstellungen sind so komplex, da kommt man oft gar nicht mehr hinterher“, sagt der Medienexperte.

Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband sieht das ähnlich. „Facebook ist oft nicht transparent genug“, kritisiert die Referentin für Verbraucherrechte in der digitalen Welt. Für den Nutzer sei es noch immer umständlich einzurichten, welche Dienste er nutzen will und welche nicht. Im Gegenteil: „Oft sind bestimmte Dinge voreingestellt, obwohl ich das vielleicht gar nicht möchte“, sagt Zinke. Gegen den Dienst „Deals“ spreche es aus Verbraucherschutzsicht erst einmal nichts. „In diesem Fall muss der Nutzer selbst aktiv entscheiden mitzumachen, indem er sich überhaupt erst einmal bei Places einloggt“, so die Referentin. „Wichtig ist aber, dass der Nutzer darüber aufgeklärt wird, welche Konsequenzen das für ihn hat.“

Wichtiger Einnahme-Faktor

Für Unternehmen könnte eine „Deals“-Partnerschaft mit Facebook in Zukunft zu einem wichtigen Einnahmen-Faktor werden. Als eine der ersten deutschen Firmen ist die Parfümerie-Kette Douglas mit dabei und lockt mit 15 Prozent Rabatt oder einem kostenlosen Duft. „ Viele unserer Kunden sind im Internet aktiv, nutzen die neuen Technologien und Plattformen. Daher sind auch wir bei Facebook aktiv“, begründet Pressesprecher Michael Rotermund. Das Konzept von „Deals“ habe das Unternehmen sofort überzeugt. „Deshalb waren wir gern beim Start dabei.“ Zudem biete es die Möglichkeit, neben Geschenk- und Rabattaktionen wie zum Start, auch besondere Serviceleistungen vorzustellen. „Wir sind mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden“, so Rotermund.

Thomas Loest, Geschäftsführer und Mitbegründer der Bremer Kommunikationsagentur red pepper, findet, dass die Relevanz von Facebook-„Deals“ für Unternehmen gar nicht hoch genug einzuschätzen sei. „Es ist klug von Anfang an dabei zu sein“, sagt er. Durch das Online-Netzwerk habe sich das Kommunikationsverhalten der Menschen in den vergangenen Jahren komplett verändert. „Heute geben Kunden alles Mögliche von sich preis – und das freiwillig“, so der Diplom-Psychologe. Durch „Deals“ verändere sich die Wahrnehmung des Umfelds gegenüber einer Marke oder einem Unternehmen. „Wenn ein Facebook-Freund immer wieder postet, dass er in einem bestimmten Restaurant isst, dann muss es gut sein“, begründet er. Für Firmen sei es deswegen hochinteressant, die Nutzer zur Verwendung ihres Namens zu motivieren.

Bremer Werbefachmann sieht großes Potential

Auch der Bremer Werbefachmann Fynn Kliemann bestätigt den Anreiz des neuen Angebots für Unternehmen - aber eben auch für die User. "'Deals' ist leicht einzurichten und bietet nie dagewesene Möglichkeiten für Unternehmen, ihre Dienstleistung oder ihr Produkt hervorzuheben. Und für Facebook-User gibt es viele tolle, unglaublich leicht zu bekommene Angebote", sagt er. Der Arbeitsaufwand für die Firmen sei relativ gering. "Das Unternehmen platziert sich in dem Netzwerk und wird dadurch Teil davon", so Kliemann. Voraussetzung für erfolgreiche Werbung seien dabei aber vor allem aktive Facebook-Nutzer.

Ähnlich wie „Deals“ funktioniert auch das kürzlich von der Online-Plattform gestartete Anzeigenformat „Sponsored Stories“. Demnach können Unternehmen Anzeigenplätze von Facebook kaufen, in denen Check-in-Nachrichten oder sogenannte „Gefällt mir“-Einträge der Nutzer aufgelistet werden. Diese personalisierte Werbung erscheint dann auf den Seiten der Facebook-Freunde – ein Einverständnis dafür holt Facebook von den Usern nicht ein.

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