Folgen der Corona-Pandemie

Fast 5000 Bremer Betriebe zeigen Kurzarbeit an

Wegen der Corona-Krise müssen viele Bremer Unternehmen Kurzarbeit anmelden – mittlerweile fast 5000 Betriebe. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze geht zurück.
02.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Fast 5000 Bremer Betriebe zeigen Kurzarbeit an
Von Florian Schwiegershausen
Fast 5000 Bremer Betriebe zeigen Kurzarbeit an

Da so mancher Betrieb zum ersten Mal Kurzarbeitergeld beantragte, sind laut Arbeitsagentur einige Anträge unvollständig gewesen. Wenn jedoch alles korrekt angegeben sei, ginge es mit der Bearbeitung auch entsprechend schnell. In Bremen haben bisher knapp 5000 Betriebe Kurzarbeit angezeigt.

Jens Büttner /dpa

Die Folgen der Pandemie für Betriebe zeigen sich auf dem Arbeitsmarkt in Bremen und Niedersachsen im April deutlich. Im Land Bremen lag die Arbeitslosenquote bei elf Prozent. Das ist ein Prozent mehr als noch im März. Dabei verteilen sich die Zahlen so, dass in der Hansestadt die Quote bei 10,4 Prozent lag und damit ebenfalls um ein Prozentpunkt höher als noch im Vormonat. Verglichen mit April 2019 geht es sogar um einen Anstieg von 1,2 Prozentpunkte. In Bremerhaven waren 14,1 Prozent ohne Job gegenüber 12,8 Prozent im März. Das Land Bremen trifft Corona dabei wesentlich härter als es im Bundesdurchschnitt der Fall ist. Bundesweit stieg die Arbeitslosenquote um 0,7 Punkte auf 5,8 Prozent. Damit waren im April mehr als 2,6 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job.

Im Land Niedersachsen stieg die Arbeitslosenquote von März auf April um 0,6 Punkte auf 5,7 Prozent. Damit zeigt sich, welche Auswirkungen etwa die Schließung von Unternehmen oder wegbrechende Umsätze in der Wirtschaft in Bremen und Niedersachsen haben. Für die Präsentation der März-Zahlen hatte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) zunächst nur den Zeitraum bis zum 12. März abbilden können – vor dem „Lockdown“.

Lesen Sie auch

Der Chef der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven, Joachim Ossmann, ordnete ein: „Normalerweise wäre der April ein Monat, indem die Arbeitslosigkeit zurückgeht aufgrund der allgemeinen Frühjahrsbelebung. Das ist dieses Mal ausgefallen.“ Ossmann wies darauf hin, dass der Stichtag für die Statistik der 15. April gewesen ist. Also ist hier noch nicht die Wiedereröffnung des Einzelhandels enthalten. „Ab dem 20. April sind positive Tendenzen zu sehen, weil die Händler ihre Mitarbeiter sowohl in Kurzarbeit bringen konnten als auch aus der Arbeitslosigkeit zurückholen konnten“, ergänzte der Chef der Bremer Arbeitsagentur. Entlassungen habe es vor allem im Gastgewerbe gegeben, im Einzelhandel und in der Zeitarbeit.

Weniger Mitarbeiter gesucht

Einen weiteren Einblick in die aktuelle Situation gibt die Zahl der gemeldeten offenen Stellen. So gab es im April in der Stadt Bremen 4683 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen, für die jemand gesucht wurde. Verglichen mit März sind das knapp zehn Prozent weniger und verglichen mit dem März 2019 mehr als 27 Prozent weniger. Allerdings ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsangebote, die länger als drei Monate unbesetzt sind, gegenüber März sogar noch um 2,5 Prozent auf 2549 im Bremer Stadtgebiet gestiegen. So manche dieser Stellen stammt aus dem Pflegebereich.

Laut Arbeitsagentur haben im Bremer Stadtgebiet 4965 Betriebe Kurzarbeit angezeigt. In Bremerhaven waren es 906 Unternehmen. Darunter sind viele kleine Betriebe aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Logistik, dem Automobilbereich und dem Groß- und Einzelhandel. Ob diese Betriebe auch wirklich Kurzarbeit beantragen, zeige sich erst mit Verzug, denn für den Antrag haben sie bis zu drei Monate Zeit. „Manche Unternehmen haben auch einfach vorsorglich Kurzarbeit angezeigt und nehmen sie dann später doch nicht in Anspruch“, erläuterte Agenturchef Ossmann. Von der Kurzarbeit wären derzeit in Bremen und Bremerhaven mehr als 120.000 Beschäftigte betroffen.

Lesen Sie auch

Dem Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG in Bremen, Dieter Nickel, sind aus seinem Bereich zweifelhafte Fälle zu Ohren gekommen: „Wir haben von einem Bäcker gehört, der Kurzarbeit beantragt hat, von seinen Mitarbeitern aber verlangte, genauso weiterzuarbeiten wie bisher.“ Allerdings hat so mancher Handwerksbäcker das Problem, dass die Verbraucher in Zeiten von Hamsterkäufen lieber im Supermarkt zu haltbarem Brot greifen.

Ebenso sind Nickel auch Fälle aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe bekannt, wo den Mitarbeitern momentan Minusstunden aufs Konto gedrückt werden, die sie hinterher dann abarbeiten müssen. „In der Branche herrschte ja schon vorher Wildwest, und Corona macht es nun nicht besser“, stellte Nickel fest. Positiv erwähnte er inhabergeführte Hotels, die das Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiter aufstocken, weil sie diese nach der Krise auf alle Fälle behalten möchten. Ebenso konnte er davon berichten, dass die großen Unternehmen aus der Systemgastronomie das Kurzarbeitergeld aufstocken.

Kurzarbeit und Entlassungen auch bei Lebensmittelherstellern befürchtet

Bei den Lebensmittelherstellern befürchtet Nickel mit einiger zeitlicher Verzögerung Kurzarbeit und Entlassungen: „Was die Betriebe derzeit produzieren, geht in die Lager der Einzelhändler. Das muss dann erst mal abverkauft werden, während die Kunden die Ware aus den Hamsterkäufen erst mal verbrauchen müssen.“ Die Bremer IG-Metall-Geschäftsführerin Ute Buggeln sagte, dass man sich als Gewerkschaft auch auf die Situation von Betriebsinsolvenzen einstellen müsse.

Sorge bereitet dem Bremer Arbeitsagenturchef Ossmann außerdem der Umstand, dass der Arbeitsagentur verglichen mit dem Vorjahr 15 Prozent weniger Ausbildungsplätze gemeldet wurden, die zu besetzen sind. Gleichzeitig sei die Zahl der Bewerber, die einen Ausbildungsplatz suchen, um 3,3 Prozent gestiegen gegenüber 2019. Ossmann appellierte: „Das wäre zu kurzsichtig gedacht, nun auf Ausbildung zu verzichten. Die Krise wird vorbeigehen, und dann braucht man dringend Fachkräfte. Die bekommt man am besten, indem man selbst ausbildet.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+