Logistikstandort Bremen Frank Dreeke an die BLG-Spitze gewählt

Bremen. Die BLG Logistics Group hat innerhalb weniger Wochen zentrale Positionen im Konzern neu besetzt. Am Freitag hat der Aufsichtsrat den Bremer Unternehmer Frank Dreeke zum neuen Vorstandsvorsitzenden der BLG gewählt.
30.06.2012, 05:00
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Von Günther Hörbst

Bremen. Die BLG Logistics Group hat innerhalb weniger Wochen zwei zentrale Positionen im Konzern neu besetzt. Nach der Wahl des Chefs der Bremer Landesbank, Stephan-Andreas Kaulvers, zum Aufsichtsratsvorsitzenden Ende Mai, wählte der Aufsichtsrat gestern den Bremer Unternehmer Frank Dreeke zum neuen Vorstandsvorsitzenden der BLG.

Die Entscheidung fiel einstimmig. Die 16 Mitglieder des Aufsichtsrats der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft – Aktiengesellschaft von 1877 benötigten gerade mal eine Stunde für ihre Entscheidung. Als sich die Damen und Herren gestern um 12 Uhr mittags zu ihrer außerordentlichen Sitzung zusammenfanden, gab es nur einen Tagesordnungspunkt: Die Wahl des neuen Vorsitzenden des Vorstands des Bremer Hafen- und Logistikunternehmens BLG.

"Ich bin sehr froh, dass die Entscheidung für Frank Dreeke einmütig und einstimmig gefallen ist", sagte Aufsichtsratschef Kaulvers dieser Zeitung. "Er hat somit die volle Unterstützung von Vertretern der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer." Dreeke selbst war gestern nur für eine kurze Stellungnahme zu erreichen. "Ich freue mich sehr über diesen Vertrauensbeweis", sagte er dieser Zeitung. "Die Aufgabe ist eine riesige Herausforderung."

Erfahrener Container-Manager

Der 53-jährige Bremer wird somit ab 1. Juni Nachfolger des derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Detthold Aden. Der scheidet alterbedingt aus dem Amt. Politik und Wirtschaft sind enorm zufrieden mit der Wahl Dreekes. Kaulvers spricht von einem "wirklichen Unternehmer, der unternehmerische Impulse setzen wird", einer "guten bremischen Lösung" und einem "Hafenmann durch und durch". Dreeke sei quasi dort aufgewachsen.

Auch Klaus Platz, Vorstandsmitglied der Bremischen Hafenvertretung (BHV) und Geschäftsführer der Logistikmarke "Via Bremen" ist mit der Wahl zufrieden. "Frank Dreeke ist ein absoluter Fachmann." Er kenne sich bestens im Hafen- und Schifffahrtsgeschäft aus und sei gut in der maritimen Wirtschaft vernetzt. "Wir haben bislang hervorragend zusammengearbeitet und werden das auch künftig tun."

"Mit Frank Dreeke haben wir einen klugen Unternehmer für die Spitze der BLG gewonnen", sagte gestern Bremens Wirtschaftssenator und BLG-Aufsichtsratsmitglied Martin Günthner. Dreeke kenne die bremische Hafen und Logistikszene durch sein vorheriges Engagement bei EKB. "Mit seinen Erfahrungen im Container- und Reedereigeschäft bringt er wesentliches Know-how in die BLG ein." Damit sei die BLG sehr gut für die zukünftigen Anforderungen des Wettbewerbs gerüstet.

Bis zu seinem Amtsantritt im kommenden Sommer wird Dreeke sich von Noch-Chef Aden in die Firma einführen lassen – vor allem aber dürfte Aden ihm seine Kunst des öffentlichen Marketings weitergeben. Das dürfte recht reibungslos funktionieren. Die beiden gelten in der Branche als Männer, die sich verstehen. Sie kennen sich aus verschiedenen Institutionen, in denen sie gemeinsam Ehrenämter ausfüllen. Dreeke ist Vizepräsident der Logistikmarke Via Bremen sowie der Bremischen Hafenvertretung. Und er ist Mitglied im Plenum der Handelskammer Bremen.

Derzeit ist Dreeke noch geschäftsführender Gesellschafter der Container-Spedition EKB Container Logistik. In die Firma ist er 2004 nach langen Jahren als Top-Manager in der Containerbranche eingestiegen. Der Grund dafür war ein Krankheitsfall in der Familie. Dreeke wollte wieder bei Frau und Kindern in Bremen sein.

Vor 2004 gehörte der 2-Meter-Mann zu den 300 Top-Managern der weltgrößten Container-Reederei Maersk aus Dänemark. Dreeke war Deutschland-Chef von Maersk – als bislang einziger Deutscher in einer solchen Top-Position. Sonst besetzen die Dänen alle ihre Niederlassungen im Ausland stets immer nur mit Landsleuten.

"All diese Gründe sprechen ganz erheblich für Frank Dreeke", sagt Kaulvers. "Er ist ein Mann, der enorme Kompetenz im Containerbereich aufweist, der der größte Umsatzbereich der BLG ist." Auf Dreeke warte aber die Herausforderung, die anderen beiden Geschäftsbereiche – Automobil und Kontraktlogistik – deutlich nach vorne zu bringen. "Der Containerbereich ist stark konjunkturabhängig", sagt Kaulvers. "Davon müssen wir uns unabhängiger machen."

Dass Dreeke das hinkriegt, ist ihm zuzutrauen. Seine Familie ist quasi genetisch im Hafen verortet. Schon Dreekes Großvater war Hafenmann – und nebenbei einer der ersten Gewerkschaftssektretäre der ÖTV. Dreekes Vater war als Direktor für den Stückgut-Bereich einer der wichtigen BLG-Manager der alten Tage. 47 Jahre war er dort tätig. Für Frank Dreeke ist die BLG also sozusagen eine Art Familientradition in dritter Generation. Jetzt muss er nur noch die Verhältnisse in seiner aktuellen Firma klären. Dort muss er sich in den nächsten Wochen mit seinen Partnern über den Ausstieg einigen.

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