Kühne + Nagel in Bremen

Grundstein für neues Stammhaus gelegt

Nun geht es voran an der großen Baugrube an der Schlachte: Im Beisein von Mehrheitsgesellschafter Klaus-Michael Kühne wurde der Grundstein für das neue Kühne + Nagel-Stammhaus gelegt.
26.10.2017, 13:46
Lesedauer: 3 Min
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Grundstein für neues Stammhaus gelegt
Von Maren Beneke
Grundstein für neues Stammhaus gelegt

Bürgermeister Carsten Sieling (v.l.), Klaus-Michael Kühne und Christine Kühne stoßen an. Mit der Grundsteinlegung am Donnerstag beginnen nun auch offiziell die Bauarbeiten für das neue Kühne+Nagel-Stammhaus an der Weser.

Frank Thomas Koch

Das Silikon wollte einfach nicht mitmachen. Da half auch alles Drücken und Zerren an der Kartusche nicht. Also blieb die Grundsteinschatulle, die am Donnerstag am neuen Stammhaus von Kühne + Nagel eingemauert wurde, am Ende unversiegelt. Auf der Baustelle an der Martinistraße hatten sich am Mittag so ziemlich alle versammelt, die in der Bremer Politik und Wirtschaft das Sagen haben. Und doch waren die Blicke nur auf einen gerichtet: Klaus-Michael Kühne, Mehrheitsgesellschafter des Logistikkonzerns, der der Hansestadt zur Grundsteinlegung einen seiner seltenen Besuche abstattete und später zusammen mit seiner Frau Christine beherzt zur Maurerkelle griff.

Kühne + Nagel in Bremen – läuft alles nach Plan, dann wird in zwei Jahren alles ganz anders sein, als es jetzt ist, als es früher war. Dann soll statt einer großen Baugrube das neue Gebäude stehen, in dem etwa 725 Mitarbeiter Platz finden werden. Natürlich ist die Hansestadt weder Deutschlandsitz noch Standort der Konzernzentrale. Aber Bremen ist wichtig für den Schweizer Konzern, wird von hier aus doch das Seefrachtgeschäft koordiniert.

Erst in der vergangenen Woche hat das Unternehmen für diese Sparte positive Nachrichten vermeldet: Obwohl die Märkte wegen der Überkapazitäten massiv unter Druck stehen, steigerte Kühne + Nagel das Seefrachtvolumen in den ersten neun Monaten des Jahres um noch etwa acht Prozent und machte weitere Marktanteile gut. Gefragt nach der seit Jahren andauernden Schifffahrtskrise, sagte Kühne am Donnerstag: "Das Wort ,Krise' gibt es im Sprachgebrauch von Kühne + Nagel nicht." Es seien die Partner, mit denen der Konzern zusammenarbeitet, die betroffen sind. Kühne allerdings ist an einem dieser betroffenen Unternehmen direkt beteiligt: Im Sommer übernahm er die frei gewordenen Tui-Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd, die ihm damit nun zu mehr als 17 Prozent gehört.

"Die Logistik hat enorm von der Globalisierung profitiert, Schiffe ziehen kreuz und quer durch die Welt", sagte Kühne in seiner Rede. Dementsprechend sei der Hafen in Bremerhaven von großer Bedeutung. Er schob aber direkt hinterher: "Wir operieren aber auch hafenunabhängig." Es klang wie eine Mahnung in Richtung Politik.

Das Verhältnis von Kühne und Verwaltung war in der Vergangenheit nicht immer ganz einfach. Die Baubehörde und Senatsbaudirektorin Reuther hätten es dem Konzern nicht immer ganz leicht gemacht, sagte Kühne. "Das Haus wird ganz anders aussehen, als wir es vorgesehen haben." Er sprach von "etlichen Kompromissen zwischen Beamten und Kaufleuten". Das neue Gebäude solle, wie schon das alte, ein markanter Punkt in der Innenstadt bleiben.

Bis es so weit ist, muss nun aber erst einmal kräftig gebaut werden. Denn in der zweiten Jahreshälfte 2019 soll das neue Stammhaus fertig an der Schlachte stehen. "Ich hoffe, dass Budget und Termine eingehalten werden", sagte Kühne. 26 Millionen Euro investiert der Konzern in seinen neuen Firmensitz an der Schlachte. Und es wird weiteres Geld in die Hansestadt fließen, wie der Logistiker am Donnerstag noch einmal bekräftigte: Die Kühne-Stiftung wird einen Beitrag zum geplanten Neubau der Berufsschule für den Großhandel, Außenhandel und Verkehr leisten. Eine gewisse Verbundenheit zu der Stadt, in der Kühne + Nagel im Jahr 1890 gegründet wurde, ist also nach wie vor da.

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Auch, wenn ihm die Debatte rund um den Standort für ein Arisierungsmahnmal sichtlich nicht gefällt. Monatelang wurde darum gestritten, an welcher Stelle das Mahnmal denn nun gebaut wird. Letztendlich hat man sich gegen den Standort in direkter Nachbarschaft zum Kühne + Nagel-Gebäude entschieden, es soll stattdessen etwas weiter flussabwärts entstehen. "Richtig" findet Kühne das. Schließlich sei Kühne + Nagel nicht das einzige Speditionsunternehmen, das in der Zeit des Dritten Reichs gearbeitet habe. Und sowieso sei er verwundert, dass die ganze Diskussion jetzt wieder aufgekommen ist. Es war das erste Mal überhaupt, dass sich der Mehrheitseigner selbst zu der Standortdebatte geäußert hat. Viel lieber wollte er an diesem Tag aber über andere Dinge sprechen. Über funktionsfähige Häuser, über erfolgreiche Geschäfte oder über einen "enorm wichtigen" Standort.

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