Kühne + Nagel

Hamburger Jung mit Bremer Wurzeln

Mit 80 Jahren ist der Unternehmer Klaus-Michael Kühne kein bisschen ruhiger. Zwar leitet er das operative Geschäft bei Kühne + Nagel nicht mehr. Trotzdem mischt er vielerorts mit - auch in Bremen.
02.06.2017, 05:44
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Hamburger Jung mit Bremer Wurzeln
Von Maren Beneke
Hamburger Jung mit Bremer Wurzeln

Ein messerscharfer Seitenscheitel ist eines der Markenzeichen von Klaus-Michael Kühne. Vor zwei Jahren feierte er den 125. Geburtstag seines Konzerns in Bremen.

INGO WAGNER, dpa

Mit 80 Jahren ist der Unternehmer Klaus-Michael Kühne kein bisschen ruhiger. Zwar leitet er das operative Geschäft bei Kühne + Nagel nicht mehr. Trotzdem mischt er vielerorts mit - auch in Bremen.

Klaus-Michael Kühne ist ein Mann, der schon mit vielen Titeln versehen wurde. Grandseigneur der deutschen Logistik, Mäzen, Hotelier, HSV-Retter oder der Hamburger mit dem messerscharfen Scheitel – das ist nur eine kleine Auswahl der Synonyme, die in den vergangenen Jahrzehnten für Kühne, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, gefunden wurden.

Nicht auszuschließen, dass in den kommenden Jahren noch mehr dazukommen könnten. Denn trotz des runden Jubiläums: Vom geruhsamen Rentnerleben ist Kühne weit entfernt.

Der Grundstein für den unternehmerischen Erfolg des hochgewachsenen, weißhaarigen Hanseaten wurde vor 127 Jahren gelegt. Aber nicht etwa in Hamburg, der Stadt, mit der Kühne meist assoziiert wird. Sondern in Bremen. Hier gründete sein Großvater August am 1. Juli 1890 zusammen mit Friedrich Nagel die Seehafenspedition Kühne + Nagel.

"Ich sage immer, das ist Papiergeld"

Nachdem Nagel 17 Jahre später gestorben war, übernahm Kühne dessen Firmenanteile. Seitdem ist das Unternehmen in Familienbesitz und hat sich permanent weiterentwickelt. Klaus-Michael Kühnes Vater Alfred leitete in den 1950er-Jahren den Internationalisierungsprozess ein, sein Sohn – in Hamburg geboren und aufgewachsen – formte aus der mittelständischen norddeutschen Spedition schließlich den weltweit agierenden Logistikkonzern mit mittlerweile mehr als 1000 Standorten und 63 000 Mitarbeitern.

Heute gehört Kühne, den es, genau wie den Hauptsitz von Kühne + Nagel, ins schweizerische Schindellegi verschlagen hat, zu den reichsten Deutschen. Einen Großteil seines Geldes hat er in Kühne + Nagel-Aktien investiert. „Ich sage immer, das ist Papiergeld“, sagte er einst. „Wenn der Kurs um zehn Prozent fällt, ist schnell eine halbe bis dreiviertel Milliarde weg.“

Doch nicht nur ein fallender Aktienkurs kann und konnte Kühne gefährlich werden. In der Vergangenheit hatte der erfolgsverwöhnte Unternehmer immer mal wieder mit Misserfolgen zu kämpfen. Der damals gerade erst gestartete Ausflug ins Reedereigeschäft in den 1970er-Jahren zum Beispiel wurde zu einem Desaster, weil die Schiffe wegen der Ölkrise ständig Verluste einfuhren.

Nicht vergessen werden darf natürlich, dass er seinen Lieblingsfußballverein HSV immer wieder mit frischem Geld ausstattet – und die Mannschaft dem Abstieg in die zweite Bundesliga in den vergangenen Jahren trotzdem mehrfach nur knapp entkommen ist. Und auch darüber, dass das Nobelhotel, das er in der Nähe der Außenalster bauen lässt, noch immer nicht fertig ist, kann sich der nun 80-Jährige ärgern.

"Bremen ist immer ein Flaggschiff gewesen“

Der Hansestadt an der Elbe blieb Kühne trotz des Umzugs in die Schweiz immer verbunden. Gut eine Milliarde Euro zahlte er und trug so dazu bei, dass die Traditionsreederei Hapag-Lloyd in Hamburg bleiben konnte. Die Elbphilharmonie unterstützte er ebenfalls mit Millionen. Und die Deutschland-Zentrale von Kühne + Nagel ist längst nicht mehr in Bremen, sondern eben in Hamburg. Die Rivalität der beiden Unternehmensstandorte sei vor Jahrzehnten „sicherlich im hohen Maße vorhanden“ gewesen, räumte Kühne gegenüber dieser Zeitung ein.

Dennoch: Der Bremer Wurzeln seiner Familie und seines Unternehmens ist er sich bewusst. „Bremen ist für uns immer ein Flaggschiff gewesen“, sagte Kühne am 125. Geburtstag des Konzerns, der im Übrigen auf dem Bremer Marktplatz gefeiert wurde. Anfragen, sich noch mehr in der kleineren Hansestadt zu engagieren, wo der Stammsitz von Kühne + Nagel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke liegt, bekommt Kühne immer wieder.

Auch HSV-Rivale Werder Bremen wollte gefördert werden. So zumindest hat es der Firmenlenker nun dem „Hamburger Abendblatt“ erzählt. Weil sein Vater aus Bremen stammte, hätten ihn die Banken gefragt, warum er neben dem HSV nicht auch Werder unterstütze. „Denen habe ich gesagt: ,Sorry, aber ich bin Hamburger.'“

Einstieg ins Container-Geschäft: Klaus-Michael Kühne hält 1966, wenige Monate nachdem die Metallbox erstmals deutschen Boden berührt hat, in Bremen entsprechende Verträge bereit.

Einstieg ins Container-Geschäft: Klaus-Michael Kühne hält 1966, wenige Monate nachdem die Metallbox erstmals deutschen Boden berührt hat, in Bremen entsprechende Verträge bereit.

Foto: Jochen Stoss

Eine Menge Geld fließt derzeit auch in den Neubau des Firmensitzes an der rechten Weserseite. „Mit den Plänen unterstreichen wir die weltweite Bedeutung von Bremen für Kühne + Nagel“, sagte Kühne. Auch wenn seit Januar die Bagger rollen: Die Debatte um den Standort des sogenannten Arisierungs-Mahnmals, das an die Rolle des Logistikkonzerns im Zweiten Weltkrieg erinnern soll, hat das vergangene Jahr in Bremen bestimmt. Die Diskussion, so hört man, geht auch an Kühne nicht spurlos vorbei. Öffentlich geäußert hat er sich dazu nicht.

Aus dem operativen Geschäft bei Kühne + Nagel hat sich Kühne, der schon in jungen Jahren von seinem Vater mit Führungsaufgaben betraut wurde, offiziell zurückgezogen. Weil er bis heute aber Mehrheitseigner und Ehrenvorsitzender des Verwaltungsrates ist, zieht er auch mit nun 80 Jahren weiterhin die Strippen. „Ich fühle mich ja nicht wie 80, eher wie 50 oder 60, treibe viel Sport und fühle mich fit“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. „Ich sehe dem Ereignis gefasst entgegen.“

Gefeiert werde mit Familie, Freunden und Bekannten, lässt Kühne ausrichten. Es werde aber auch ein normaler Arbeitstag für ihn. Große Wünsche zu seinem runden Geburtstag hat der kinderlos gebliebene Kühne ohnehin nicht. Nur Gesundheit und ein harmonisches Leben, sagte er im Interview mit der Zeitung. Eine Kleinigkeit fiel ihm beim Nachfassen dann aber doch noch ein: Eine Trophäe für den HSV, vielleicht nicht kurzfristig – „aber warum nicht in drei Jahren?“

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