Verzögerung bei Auslieferung

Kaufprämie fördert Nachfrage nach E-Autos

Seit Juli gibt es eine höhere Prämie für E-Autos. Das beflügelt schon jetzt die Nachfrage. Doch teils dauert es Monate bis zur Auslieferung der Fahrzeuge.
03.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Kaufprämie fördert Nachfrage nach E-Autos
Von Lisa Boekhoff

Die Liste ist lang. Allein bei den reinen Elektrofahrzeugen gibt es mehr als 200 Modelle mit Anspruch auf eine Förderung: von Audis E-Tron bis hin zu Teslas Model 3. Alle werden künftig kräftiger bedacht. Die Unterstützung des Bundes für den Kauf alternativer Antriebe verdoppelt sich im Juli.

Doch je nach Modell müssen Kunden mehr oder weniger Geduld mitbringen. Im Fall des E-up dauert es nun zehn Monate bis zur Auslieferung. Das Modell ist das günstigste von Volkswagen – und das einzige, das überhaupt bestellbar ist. Der E-Golf läuft dieses Jahr aus und ist ausverkauft. Der neue ID3 war bisher in einer ersten Edition bestellbar und sehr gefragt: Insgesamt zählten die Wolfsburger rund 37 000 Registrierungen für die 30.000 limitierten Fahrzeuge. Die Auslieferung der ersten Charge soll ab September erfolgen.

„Es springt kaum jemand ab“

Seit Juni können die Registrierungen in eine Bestellung umgewandelt werden. „Es springt kaum jemand ab“, beobachtet Harm Fischer, Vertriebsvorstand der Autohauskette Schmidt+Koch in Bremen. Für den ID3 gebe es eine „vernünftige Nachfrage“, sagt der Manager. Das reguläre Modell soll Mitte Juli in den Vorverkauf gehen. Fischer geht davon aus, dass der ID3 dann zum Jahresende geliefert werden könne. Es komme dabei darauf an, wie genau die Vorstellungen der Kunden seien, ob sie zu Kompromissen bereit seien. „Dann geht es auch einen Tick schneller.“

Insgesamt seien E-Autos begehrter geworden. „Die Prämie hat schon für Wirkung gesorgt“, sagt Fischer. „Die Nachfrage nach den reinen E-Autos ist gestiegen.“ Gerade auf den kleinen E-up verspürt man bei Schmidt+Koch einen großen Run. Zwar gebe es dank der Lagerbestände der Gruppe immer wieder Optionen, das Auto schneller zu bekommen. Generell sei die Lieferzeit aber verschoben: Fischer geht bei Auslieferungen des E-up von Anfang des nächsten Jahres aus.

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Wie die Zeitschrift „Auto Motor Sport“ berichtete, müssen Kunden auch bei Modellen von Opel, Peugeot oder Mini oft mehrere Monate warten. Der Vizepräsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, Thomas Peckruhn, erneuert vor diesem Hintergrund seine Kritik an der Erhöhung der Förderung für E-Autos: „Die finanziellen Anreize für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben haben inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht.“

Schon im Februar sei die Umweltprämie gestiegen und habe einen „Nachfrageschub“ ausgelöst, der zu Lieferzeiten teilweise bis ins Jahr 2021 geführt habe, sagt Peckruhn. „Daher hätte es einer weiteren Erhöhung dieser Prämie nicht bedurft.“

6000 Euro Förderung

E-Autos mit einem Nettolistenpreis von bis zu 40.000 Euro werden ab sofort mit 6000 Euro statt 3000 Euro gefördert. Die Modelle von Mercedes – wie der in Bremen produzierte EQC – liegen über diesem Preisniveau. Die Prämie fällt hier mit 5000 Euro niedriger aus. Zusätzlich gibt es Vergünstigungen der Hersteller. Die Förderung für Hybride ist ebenfalls verdoppelt worden.

Zu Verzögerungen dürfte vor allem Corona beigetragen haben. Die Produktion der Autohersteller ruhte über Wochen. Und für Fischer kommt daneben ein gewisser Überraschungseffekt hinzu. „Der Run hat doch eingesetzt – auch durch die äußerst attraktiven Prämien.“ Wenn die neuen Modelle von Volkswagen nun auf den Markt kämen, sei mit einer deutlichen Entspannung der Lieferzeiten zu rechnen.

Überrascht worden ist auch Daimler. Zwischenzeitig sei man vom großen Interesse an den neuen E-Modellen von Smart „überwältigt“ gewesen, sagt ein Mercedes-Sprecher. Die Nachfrage habe die Planungen für den deutschen Markt weit übertroffen und sei durch die Ankündigung der Innovationsprämie verstärkt worden.

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Die täglichen Auftragseingänge für die Modelle Smart EQ Fortwo und Forfour haben sich laut Mercedes-Sprecher im Juni versiebenfacht. „Um diese Bestellungen bearbeiten zu können, haben wir in Deutschland ab dem 24. Juni tatsächlich kurzfristig keine weiteren Aufträge für den Smart EQ Fortwo und Forfour mehr angenommen.“ Nun solle der Smart EQ aber zeitnah wieder bestellt werden können. Die Lieferfristen für den in Bremen gebauten EQC und die Smart-EQ-Modelle betragen laut Mercedes sonst im Schnitt drei Monate.

Wenn sich Käufer für einen Tesla entscheiden, trifft der Wagen aus Amerika laut einem Mitarbeiter des Standorts in Hamburg ebenfalls in circa drei Monaten ein: „Im Vergleich zu anderen Autoherstellern ist das ziemlich schnell.“

Hybrid- oder E-Auto ab 2021

Schnell ist gefragt. Tempo will Wettbewerber BMW nun bei den Stromern machen. Vorstandschef Oliver Zipse sagte bei der Eröffnung der Batterie- und E-Motorenfabrik in Dingolfing am Donnerstag: „Schon 2022 werden wir allein in Dingolfing E-Antriebe für über eine halbe Million elektrifizierte Fahrzeuge pro Jahr fertigen können.“ 2021 solle jeder vierte in Europa verkaufte BMW ein Hybrid- oder E-Auto sein. Im VW-Werk in Zwickau stehen bereits alle Zeichen auf E-Mobilität. Vor einer Woche ging dort der letzte Verbrenner vom Band: Der Standort steigt komplett auf Elektroautos um.

Im ersten Halbjahr hat sich deren Absatz derweil hierzulande gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Trotzdem sagt Harm Fischer: „Der Markt ist noch überschaubar.“ Für seine Autohauskette Schmidt+Koch mit Standorten in und um Bremen bezeichnet er den Anteil an E-Autos als „ho­möo­pa­thisch“. Doch seit Anfang des Jahres tue sich was: „Wir haben jetzt einen kleinen Hype.“ Das habe neben der Prämie mit Angeboten für das Laden der Autos zu tun.

Selbst wenn die Nachfrage wächst, Fischer hätte sich einen Anreiz auch für Diesel oder Benziner gewünscht, wie die Hersteller ihn einforderten. Davon hätte nicht nur die Branche profitiert: Nach der Krise 2008 habe unter anderem die Abwrackprämie insgesamt maßgeblich Erfolg beschert: „Die Wirtschaft boomte richtig, und die Abwrackprämie war einer der Auslöser. Deswegen könnte es sein, dass wir hier eine Chance liegen lassen.“

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