Warnstreiks nicht ausgeschlossen

IG Metall fordert Sozialtarifvertrag bei Airbus

In dem seit Monaten schwelenden Streit um den geplanten Umbau der Flugzeugfertigung bei Airbus verlangt die IG Metall einen Sozialtarifvertrag. Auch Warnstreiks schließt die Gewerkschaft nicht aus.
27.08.2021, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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IG Metall fordert Sozialtarifvertrag bei Airbus
Von Peter Hanuschke
IG Metall fordert Sozialtarifvertrag bei Airbus

Vom geplanten Umbau könnte unter anderem das Werk der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Nordenham betroffen sein. Laut Gewerkschaft geht es aber letztlich um alle Airbus-Standorte, denn es ist nach wie vor unklar, welche Arbeitspakete künftig beim Flugzeug der Zukunft wo gefertigt werden sollen.

DPA

An den deutschen Standorten des europäischen Flugzeugbauers Airbus sind Warnstreiks in den nächsten Wochen nicht ausgeschlossen. Das hat die Gewerkschaft IG Metall Küste an diesem Freitag angekündigt, falls sie in den anstehenden Verhandlungen ihre Forderung nach einem Sozialtarifvertrag nicht durchsetzen kann. Hintergrund ist der bereits vor Wochen von Airbus angekündigte Umbau des Konzerns: Airbus prüft unter anderem den Verkauf der Einzelteilefertigung in Deutschland an einen Investor. Betroffen wäre davon vor allem die Airbus-Tochter Premium-Aerotec, die unter anderem einen Standort in Varel hat, wo beispielsweise komplette Rumpfsektionen, Fußbodenstrukturen und Flügelkomponenten gefertigt werden. Laut Gewerkschaft geht es aber letztlich um alle Standorte, denn es ist nach wie vor unklar, welche Arbeitspakete künftig beim Flugzeug der Zukunft wo gefertigt werden sollen.

"Wenn man als Unternehmen Veränderungen vornehmen will, kann man das zusammen mit den Arbeitnehmern tun und eine Einigung erzielen oder die Arbeitnehmer müssen sich vorbereiten, dass die wirtschaftlichen Nachteile, die man befürchtet, wenn das Unternehmen an seinen Plänen festhält, ausgeglichen werden", sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, die die Verhandlungsführerschaft für die Gewerkschaft bundesweit übernommen hat. Und als Gewerkschaft habe man dann nur die Möglichkeit, das in einem Sozialtarifvertrag zu fordern.

"Wenn das Management mit uns kein sogenanntes Zukunftspaket abschließen will, dann muss es eine Abfindung in Höhe von drei Monatsentgelten pro Beschäftigungsjahr und bei Arbeitsplatzverlust zusätzlich einen Sockelbetrag von mindestens 25.000 Euro geben", so Friedrich. Wenn das Unternehmen Personal abbauen wolle, statt in die Zukunft aufzubauen, müsse es zusätzlich Qualifizierungsmaßnahmen zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit bis zu 24 Monaten unter Fortzahlung der Vergütung und Übernahme der Kosten geben. Und dieser Tarifvertrag müsste Sicherheit für die nächsten zwölf Jahre geben.

Das Unternehmen habe es in der Hand, Lösungen für die Zukunftsfragen zu finden. Klar sei, desto mehr Vereinbarungen es in Sachen zukunftsfähiger Modelle für die Standorte gebe, desto weniger sei ein Sozialtarifvertrag nötig. "Wir haben verabredet am 1. und 7. September in Tarifverhandlungen zu gehen. Wir brauchen hier eine Debatte darüber, wie wir am Ende des Tages organisieren können, dass die Zukunft von Airbus nicht an Deutschland vorbei fliegt." Das beziehe sich auf alle acht Standorte von Airbus und von Premium-Aerotec gerade im Hinblick auf die Nachfolge des Single-Aisle-Jets (ein Flugzeug mit nur einem Mittelgang), das wahrscheinlich ab 2030 als emissionsfreies Modell gebaut werde, aber die Weichen dafür schon gestellt würden.

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Airbus-Chef Guillaume Faury hatte im Frühjahr angekündigt, dass Anfang 2022 Teile von Airbus und große Teile der Tochter Premium Aerotec in einer neuen Tochter aufgehen sollen, die sich um die Fertigung von Rumpfteilen kümmert. Zudem plant Airbus eine neue Einheit, die sich auf die Fertigung von Einzelteilen und Kleinkomponenten konzentriert. Für dieses Unternehmen, das auch andere Kunden als Airbus beliefern soll, strebt der Flugzeugbauer die Verbindung mit einem „starken, externen Partner“ an. Betroffen sind in der einen oder anderen Form nach früheren Angaben der IG Metall knapp 10.000 Beschäftigte an den Airbus-Standorten in Hamburg und Stade sowie bei Premium Aerotec in Nordenham, Varel, Bremen und Augsburg.

"Wir erwarten vom Arbeitgeber feste Zusagen für die heutigen Arbeitsanteile in bestehenden und vor allem zukünftigen Projekten und Programmen von Airbus Operations und Premium Aertotec, mit denen die Zukunft aller jetzigen Standorte und die Arbeitsplätze langfristig gesichert werden", sagte Holger Junge, Konzernbetriebsratsvorsitzender bei Airbus. Airbus dürfe die Corona-Krise nicht ausnutzen, um den Konzern auf Kosten der Beschäftigten und einzelner Standorte neu zu strukturieren, so Thomas Busch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Premium Aerotoc.

Unterstützung gebe es für ihre Forderungen auch reichlich aus der Politik, so Friedrich. So hatte sich unter anderem Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) gleich nach Vorstellung der Airbus-Management-Pläne zu Wort gemeldet und den Flugzeugbauer Airbus aufgefordert, deutsche Werke nicht zugunsten der französischen Standorte zu opfern. Vom Airbus-Konzern gehören Deutschland und Frankreich je elf Prozent.

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