Gewerkschaft kritisiert massiven Jobabbau Immer weniger Banker in Bremen

Die Bankenlandschaft schrumpft, in Deutschland arbeiten immer weniger Menschen für Geldinstitute. Bremen ist vom Stellenabbau bei den Banken sogar überproportional betroffen.
30.01.2017, 00:00
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Immer weniger Banker in Bremen
Von Maren Beneke

Die Bankenlandschaft schrumpft, in Deutschland arbeiten immer weniger Menschen für Geldinstitute. Bremen ist vom Stellenabbau bei den Banken sogar überproportional betroffen.

Die Bankenlandschaft schrumpft, in Deutschland arbeiten immer weniger Menschen für Geldinstitute. Nach aktuellen Zahlen des Arbeitgeberverbands des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) hat sich die Zahl der Beschäftigten im deutschen Kreditgewerbe 2015 um zwei Prozent auf etwas mehr als 627.000 verringert. Das sei der stärkste Rückgang seit 2004, teilt der Verband mit.

Bremen ist vom Stellenabbau bei den Banken sogar überproportional betroffen: Nach Berechnungen der Arbeitnehmerkammer ging die Zahl der Mitarbeiter in den Finanzdienstleistungen seit 2008 von 5294 um 7,9 Prozent auf 4875 im vergangenen Jahr zurück. Bundesweit waren es in dieser Zeit minus 3,5 Prozent. In Niedersachsen wurde den Berechnungen zufolge zwischenzeitlich dagegen Beschäftigung aufgebaut, am Ende stand im vergangenen Jahr aber auch hier unterm Strich ein Minus von 1,2 Prozent.

„Für Außenstehende ist es unvorstellbar, was bei den Bremer Banken passiert“, sagt Rainer Martens. Er ist bei der Gewerkschaft Verdi Vorsitzender des Fachbereiches Finanzdienstleistungen im Bezirk Bremen-Nordniedersachsen. Als Betriebsratschef einer Großbank am Standort erlebt er aus nächster Nähe, was Sparprogramme bedeuten. „Die Arbeitgeberseite spricht von Digitalisierung und meint ständige Umstrukturierungen, Filialschließungen und Personalabbau“, sagt Martens. „Diese Veränderungen führen zu einem radikalen Umbruch bei den Finanzdienstleistern.“

300 Mitarbeiter weniger im Vergleich zu 2012

Zählte der Bankenverband Bremen, ein Zusammenschluss der hiesigen Privat- und Geschäftsbanken, 2009 noch 30 Privatbanken in der Hansestadt, so sind nun noch 18 Mitglieder mit etwa 1200 Mitarbeitern auf der Liste vertreten. Zum Vergleich: 2012 waren es noch knapp 1500 Angestellte. Arbeitsplatzabbau gab es in unterschiedlichem Ausmaß in den meisten Instituten.

„Der Strukturwandel macht auch vor der Bankenbranche nicht halt“, sagt Steffen Gabriel, Referent bei der Arbeitnehmerkammer Bremen. Mechanismen, die aus der Industrie bekannt sind, seien längst auch in der Finanzwelt angekommen: Wettbewerb mit Online-Instituten, internationale Konkurrenz etwa durch europäische Institute wie Santander sowie durch Fintechs und Verlagerung und Ausgliederung einzelner Bereiche wie die IT. „Filialbanken werden die günstigste Konkurrenz niemals über den Preis angreifen können“, sagt er. Das gehe nur über qualitativ hochwertige Beratung, Service und persönlichen Kontakt.

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Die Folgen der Digitalisierung haben laut Arbeitnehmerkammer aber auch direkte Auswirkungen auf die Beschäftigten in der Finanzdienstleistungsbranche: Mobiles Arbeiten bekommt einen immer höheren Stellenwert, Projektarbeit nimmt zu, immer öfter ist die Erreichbarkeit auch außerhalb der normalen Arbeitszeit gefordert, und die Anforderungen an die Qualifikationen steigen.

„Natürlich ist Stellenabbau ein ernsthaftes Thema in der Branche“, sagt Gabriel, „dabei müsste es hauptsächlich darum gehen, dass sich Tätigkeiten und Qualifikationen verschieben.“ Komplexe Situationen beurteilen, persönlicher Kontakt, individuelle Beratung – so sieht Gabriel die künftige Rolle der Beschäftigten in der Finanzdienstleistungsbranche.

Einfache Tätigkeiten fallen durch Digitalisierung weg

Auch Hans-Dieter Rahden, Geschäftsführer vom Bankenverband Bremen, meint, dass es überwiegend die einfacheren Tätigkeiten seien, die durch die Digitalisierung wegfallen. „Die Angestellten müssen sich darauf einstellen, dass sich ihre Arbeit weiter verändert“, sagt er. Auch die Institute sieht er in der Pflicht: Sie müssten ihre Mitarbeiter über Schulungen qualifizieren. Berater würden aber auch in Zukunft gebraucht.

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Der Verdi-Fachbereichsvorsitzende Martens sorgt sich indes darum, dass es in Zukunft vielleicht gar keine Menschen mehr gibt, die in der Branche arbeiten wollen. Einige der jüngeren Kollegen würden die Banken schon jetzt nach ihrer Ausbildung verlassen, weil sie dort keine Perspektive sehen. Und bei denen, die bleiben, sei die Bereitschaft, zu einem anderen Institut zu wechseln, gleich null. „Wer will sich schon woanders bewerben, wenn die Aussichten dort auch nicht besser sind?“, fragt Martens.

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Bei den Beschäftigten im privaten Bankgewerbe war Ende 2015 laut AGV Banken fast ein Drittel aller Mitarbeiter älter als 50 Jahre alt. Das Durchschnittsalter lag bei 44,3 Jahren. Bei den öffentlichen Instituten, den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken dürfte das nicht groß anders aussehen – damit droht ein großes Demografieproblem.

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