Hohe Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt

Kellog-Chef rechnet mit steigenden Lebensmittelpreisen

Bremen. Seit 1964 betreibt das Kellogg-Werk Bremen eine seiner vier Fabriken an der Weser. Kellogg Chef in Deutschland Christian Filseth rechnet in der Zukunft durch hohe Rohstoffpreise auf den Weltmärkten mit steigenden Lebensmittelpreisen.
16.12.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Günther Hörbst
Kellog-Chef rechnet mit steigenden Lebensmittelpreisen

Das Kellogg-Werk Bremen produziert jährlich 230 Millionen Packungen mit Getreideprodukten. (vli.) Christian Filseth, Geschäftsführer Kellogg Deutschland, Rainer Frerich-Sagurna, Werksleiter.

Christina Kuhaupt

Bremen. Das Kellogg-Werk Bremen produziert jährlich 230 Millionen Packungen mit Getreideprodukten. Deutschland-Chef Filseth plant weiteres Wachstum, kündigt aber auch höhere Lebensmittelpreise an.

Die rund 450 Mitarbeiter von Kellogg in Bremen verdanken ihren Job, nun ja - einem im Jahr 1894 über Nacht eingetrockneten Getreidebrei. Denn die Gebrüder Kellogg hatten als Chefs des Kellogg-Sanatoriums in Battle Creek/USA die Idee, die Weizenmasse durch Rollen zu drehen. Das Ergebnis waren Flocken, die getrocknet und geröstet herrlich leicht und knusprig schmeckten. Die Gäste des Sanatoriums waren begeistert. Sie verlangten jeden Morgen nach "Granose", den ersten Frühstückscerealien der Welt. Und weil die Sanatoriumsgäste auch nach ihrer Abreise nicht mehr darauf verzichten wollten, ließen sie sie sich nach Hause liefern.

Heute ist Kellogg der weltgrößte Hersteller von Cerealien. Das ist der Fachbegriff für Getreideprodukte wie Müslis oder eben Corn Flakes. Der US-Konzern, der pro Jahr einen Umsatz von rund zehn Milliarden Dollar macht, hat in Bremen seine Zentrale für den deutschsprachigen Raum sowie Skandinavien angesiedelt, die "Region Normanics". Und er betreibt direkt an der Weser seit 1964 eine seiner vier Fabriken in Europa. Chef des Bremer Werks ist Rainer Frerich-Sagurna, ein hemdsärmeliger Westfale mit Dreitagebart und klaren Vorstellungen vom Geschäft.

"Unser Ziel ist es, Produkte mit dem höchsten Standard zu den geringsten Kosten herzustellen, die in Deutschland möglich sind", sagt er. "Das sichert den Standort und die Jobs der Mitarbeiter." Wie gut die Bremer Kellogg-Mannschaft ihren Job macht, beschreibt der Werksleiter an einer riesigen Wand im ersten Stock. Dort, im Büro der Schichtleitung, sind Hunderte Daten und Fakten in Spalten und Zeilen erfasst. Grüne, gelbe und rote Magnetknöpfe signalisieren, wie gut die Kellogg-Mitarbeiter ihren Job gemacht haben. Es ist sehr viel grün zu sehen. Frerich-Sagurna weist auf zwei Werte genauer hin.

"Das hier zum Beispiel ist herausragend", sagt der Borussia-Dortmund-Fan und deutet auf die Zahl 1956. "Wir haben in der vergangenen Woche 1956 Tonnen produziert. So viel wie noch nie." Und dann deutet er noch auf einen langen grünen Balken. Auf ihm steht die Zahl 700000. "Das ist die Zahl in Euro, die unsere Mitarbeiter durch effektiveren Einsatz unserer Mittel wie Rohstoffe oder Strom und Wasser, eingespart haben. Die Hälfte davon wird voraussichtlich im März an die Mitarbeiter ausgeschüttet - das sind 0,4 Monatsgehälter zusätzlich."

Jeden Tag wird in dem Werk fast eine Million Packungen Corn Flakes, Smacks, Frosties, Special K und andere Kellogg-Produkte für 55 Länder in Europa, den nahen Osten und Afrika produziert. 230 Millionen Packungen im Jahr. Würde man alle Packungen aufeinanderstapeln, wäre der Turm 75000 Kilometer hoch - das entspricht ungefähr zwei Erdumrundungen. "Das Geschäft läuft ausgezeichnet", sagt Frerich. "Wir werden in diesem Jahr 72000 Tonnen produzieren. Das sind 9000 Tonnen mehr als geplant. Wir weisen also wachsende Produktionsmengen aus." John Bryant, Chef des Kellogg-Konzerns, hat das Werk bei einem Besuch Anfang dieses Jahres als eine der besten Kellogg-Fabriken der Welt bezeichnet.

Ein Werk, in dem die berühmten Corn Flakes auf ganz traditionelle Weise hergestellt werden. Geschälter, entkeimter und gereinigter Hartmais wird per Schiff aus Rotterdam angeliefert. Das Bremer Werk ist übrigens das einzige weltweit, das einen eigenen Hafen hat. Rund die Hälfte der gesamten Rohwaren kommt per Schiff. So genannte Maisgrits - etwa ein Drittel eines Maiskorns - werden dann zwei Stunden gekocht, danach wird den kleinen, bernsteinfarbenen Kügelchen in einem rund 70 Meter langen Trockner Feuchtigkeit entzogen. Auf der 5. Etage werden sie dann gewalzt und bekommen ihre typische Form. Im Röstofen erhalten sie am Ende ihre goldgelbe Farbe. "Im Grunde einfach", sagt Frerich, "und doch kaum zu kopieren."

Druck auf die Preise

Über den guten Job, den das Bremer Werk und seine Belegschaft leisten, freut sich auch Christian Filseth. Der gebürtige Norweger ist Geschäftsführer für Deutschland, Österreich, Schweiz. Er vermarktet unter anderem die Produkte, die Frerich-Sagurna herstellt. Und da gibt es noch erhebliches Potenzial. "Deutschland ist noch kein entwickelter Cerealien-Markt", sagt Vertriebs-Chef Filseth. Während jeder Ire oder Brite bis zu acht Kilo Getreideprodukte pro Jahr isst, sind es in Deutschland nur zwei Kilo pro Person. "Das müssen wir ausbauen und entwickeln."

Filseth will den Deutschen sozusagen das gesunde Frühstück näherbringen. 25 Prozent der deutschen Kinder gingen nach Erhebungen morgens mit leerem Bauch zur Schule. "Das ist auch gesellschaftlich nicht vernünftig", sagt der Kellogg-Manager, der seit rund zwölf Jahren in Bremen lebt. "Cerealien sind ein Frühstück, das sich auch Kinder einfach und schnell zubereiten können." Die Zahlen bestätigen den Manager in seiner Strategie: Durch eine gezielte Dachmarken-Kampagne mit dem Namen Kellogg's seien die Umsätze mit den in Bremen produzierten Produkten "Corn Flakes" um acht Prozent sowie "Tresor" und "Honey" um jeweils zwanzig Prozent gewachsen. "Das sichert auch den Standort und die Jobs hier vor Ort", sagt Filseth.

Ganz ungetrübt ist das Geschäft von Kellogg Deutschland aber trotzdem nicht. Die stark gestiegenen Rohstoffpreise (Weizen plus 40 Prozent, Zucker plus 50 Prozent) würden den Druck auf die Preise stark erhöhen. Deshalb ist Filseth überzeugt: "Nächstes Jahr werden Lebensmittel insgesamt teurer werden." Die Hersteller könnten diese zusätzlichen Kosten nur zum Teil mit Kostenreduktion durch effizientere Produktionsabläufe wettmachen.

Die Schwankungen der Preise auf den Weltmärkten für Lebensmittelrohstoffe hätten in den vergangenen Jahren aber so stark zugenommen, dass das kaum noch aufgefangen werden könne. "Im Cereralien-Bereich werden wir um Preiserhöhungen nicht herumkommen", sagt Filseth deshalb. "Das ist aber insgesamt für die Lebensmittelindustrie ein großes Problem." Eine Folge davon: Künftig wird weniger Zucker in den Produkten stecken.

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