Sharing Economy Kinderkleidung mieten statt kaufen

Längst sind es nicht nur Autos, die die Kunden mieten können. Inzwischen geht das auch mit Kameras, Kaffeeautomaten und Waschmaschinen. Welcher Anbieter das jetzt auch mit Kinderkleidung macht.
15.01.2018, 19:13
Lesedauer: 3 Min
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Kinderkleidung mieten statt kaufen
Von Florian Schwiegershausen

Kaum haben die Kinder neue Klamotten, sind sie kurz danach auch schon wieder rausgewachsen und brauchen neue Kleidung. Ganze Freundeskreise von jungen Eltern reichen sich deshalb gegenseitig die Kleidung weiter. Wenn sie nicht mehr gebraucht wird, landet sie entweder auf dem Flohmarkt oder im Internet bei Ebay, um sie dort zu verkaufen.

Dass Kinder schnell aus ihrer Kleidung herauswachsen, hat der Kaffeeröster Tchibo nun für sein neues Geschäftsmodell aufgegriffen. Die Kleidung wird nicht mehr verkauft, sondern nur noch vermietet. Damit springt das Unternehmen auf den Trend auf, dass die Konsumenten Artikel nur noch kaufen, statt sie zu teilen.

Was seit Jahren schon mit Carsharing funktioniert, bei dem sich die Menschen die Autos teilen, wird in immer mehr Bereiche beliebter. So vermieten bereits seit gut einem Jahr Otto und Mediamarkt Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik – und nun kommt Tchibo mit Kinderkleidung dazu. In einer Woche, am 23. Januar, geht das Unternehmen mit dem Angebot online.

Handschuhe für 83 Cent pro Monat

Laut Tchibo-Sprecherin Sandra Coy werden anfangs 60 verschiedene Artikel im Angebot sein. Auch wird das Angebot ausschließlich online auf www.tchibo-share.de erhältlich sein. Eine Rückgabe der gemieteten Kleidung in den Tchibo-Filialen ist nicht vorgesehen. Bei den Artikeln, die Tchibo vermietet, handele es sich ausschließlich um Bio-Baumwolle.

Tchibo arbeitet hier mit dem Unternehmen Kilenda zusammen, das jetzt schon im Internet Kinderkleidung vermieten. Dort gibt es bereits Kinderhandschuhe ab 83 Cent pro Monat. Genauso vermietet das Unternehmen auch Stillblusen und Kinderspielzeug. Gerade bei Letzterem wird die Zahl der Anbieter im Internet immer größer.

Wer inzwischen auf ein Jahr „Mieten statt kaufen“ zurückblicken kann und entsprechende Erfahrungswerte hat, ist Mediamarkt. Der Elektronikanbieter betreibt dieses Angebot ähnlich wie Tchibo nicht allein, sondern arbeitet hier mit dem Berliner Unternehmen Grover zusammen. Laut einer Sprecherin von Mediamarkt wurden bisher Geräte im deutlich fünfstelligen Bereich vermietet.

Die am häufigsten nachgefragten Produkte sind Action-Kameras, Anschlusssets für virtuelle Realität sowie Smartphones. Doch zur Produktpalette gehören auch Fernseher, Kameras und weiteres tragbares Zubehör für Smartphones. „Hier variieren wir zudem die Produktauswahl – saisonal bedingt, aber auch abhängig von den Kundenwünschen“, erläutert die Mediamarkt-Sprecherin.

Was vermehrt nachgefragt wird, sind Kaffeevollautomaten und Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen. Daher will Mediamarkt hier die Produktpalette erweitern. Statt beispielsweise eine Kamera zu kaufen, kann der Kunde das Gerät für etwa 13 Prozent des Neupreises pro Monat mieten. Bei längeren Mietzeiten gibt es Nachlässe.

WESER-KURIER-Mitarbeiter Andreas Schwarz hat das bereits vor einem Jahr angetestet. Er wollte damals für eine Reise in den Iran eine gute Kamera dabei haben. Wäre sie ihm gestohlen worden, hätte der Mediamarkt-Partner Grover die Hälfte des Schadens übernommen.

Angebot läuft gut

Für die andere Hälfte hatte Schwarz die Haftpflichtversicherung aufgestockt – eine spezielle Reiseversicherung würde es auch tun. Weil sich Schwarz zuletzt eine neue Kamera kaufen wollte, nutzte er den Mietservice um verschiedene Geräte in der Praxis zu testen. „Ich bin damit zufrieden, auch was die Versandmodalitäten angeht“, sagt Schwarz.

Damit entspricht Schwarz dem Durchschnittskunden, der den Service nutzt, so die Mediamarkt-Sprecherin: „Das sind vor allem Kunden, die immer die neuesten Techniktrends haben möchten oder ein Produkt nur für einen bestimmten Zeitraum oder Zweck benötigen.“ In fünf Mediamärkten in Berlin gibt es das Angebot sogar testhalber direkt vor Ort. Es laufe gut und solle fortgeführt werden.

Wer ebenso seit einem Jahr mit Mietartikeln im Geschäft ist, ist Versender Otto mit „Otto Now“. Die beliebtesten Mietprodukte waren hier bisher Fernseher, Smartphones und Kaffeevollautomaten. Aber gleich danach kamen die Waschmaschinen.

Scheu vor dem hohen Neupreis

Und auch die guten Vorsätze schlagen sich im Mietangebot nieder: „Sport- und Fitnessgeräte wie beispielsweise Laufbänder sind extrem saisonale Produkte. Während diese gerade zum Jahreswechsel gemietet wurden, liefen sie im weiteren Verlauf des Jahres eher durchschnittlich“, so Sprecher Nick Marten. Die Kameradrohne mieten dagegen wohl viele Kunden, um sie erstmal auszuprobieren, die den hohen Neupreis aber scheuen.

Bei Otto Now müssen die Kunden das Gerät für mindestens drei Monate mieten. Je länger die Mietzeit wird, desto günstiger ist auch die Monatsmiete. Grundsätzlich gilt: Wenn ein gemietetes Produkt bei sachgemäßer Nutzung plötzlich defekt ist, übernimmt Otto Now die Reparatur oder den Austausch. Für den Fall, dass der Kunde den Defekt verursacht hat, haftet grundsätzlich der Kunde selbst. Marten stellt allerdings fest: „Immer mehr Haftpflichtversicherungen decken Schäden an gemieteten Produkten ab." Wichtig ist, dass die Versicherungspolice "Leihobjekte" mit einschließt.

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