Bankenstandort Bremen Kommen und Gehen

Der Bankenstandort Bremen kommt nicht zur Ruhe: Auch 2017 war ein turbulentes Jahr. Die BLB stellt sich neu auf, durch den Zusammenschluss dreier Banken gibt es bald einen weiteren großen Spieler.
29.12.2017, 09:49
Lesedauer: 4 Min
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Kommen und Gehen
Von Maren Beneke

Bankenbeben. Jahr um Jahr ließe sich ein Text über die Bremer Finanzwirtschaft mit diesem Titel überschreiben. Auch 2017 kam der Standort kaum zur Ruhe, Nachrichten über Stellenabbau und Filialschließungen bei diversen Instituten machten immer mal wieder die Runde. Aber es waren vor allem zwei Entwicklungen, die den hiesigen Bankensektor geprägt haben: Während die Bremer Landesbank (BLB) zum 1. September voll mit ihrer Konzernmutter, der NordLB, fusionierte, formierte sich zeitgleich ein ganz neuer Spieler. Die Bremer Kreditbank (BKB) will nach dem Bankhaus Neelmeyer nun auch die Oldenburgische Landesbank (OLB) kaufen. Beide Entwicklungen, so unterschiedlich sie auch sind, haben eines gemein: Der Finanzwirtschaft gehen erneut viele Jobs verloren.

Die BLB steckt nach der Komplettübernahme bereits mitten im Jobabbauprogramm. Zwar steht schon seit einem Vierteljahr fest, dass in Bremen 310 der gut 800 und in Oldenburg 30 der nun noch 350 Stellen gestrichen werden sollen. Doch richtig los geht es erst jetzt: Vor allem über Abfindungs- und Teilzeitregelungen sollen bis 2020 genügend Mitarbeiter gefunden werden, die das Unternehmen freiwillig verlassen. Zudem werden nach Angaben der Bank voraussichtlich 95 BLB-Stellen in Bremen und Oldenburg an andere Standorte verlagert. Auf diese Weise sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

Konkreter kann und mag man bei der Bank zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht werden: „Da die Details nach wie vor in Erarbeitung und die Gespräche zu den freiwilligen Angeboten gerade erst angelaufen sind, lassen sich noch keine verlässlichen Angaben darüber machen, was bereits 2018 umgesetzt wird und was erst später“, sagt BLB-Regionalvorstand Christian Veit.

Fest steht aber schon jetzt: Die Neuorganisation hat auch vor der Chefetage nicht haltgemacht. Denn Vorstand und Aufsichtsrat sind mit der Vollfusion obsolet geworden. Die beiden Vorstände Björn Nullmeyer und Guido Brune kehrten dem Institut nach jahrzehntelanger Zugehörigkeit im Sommer den Rücken, Risikovorstand Andreas Hähndel wechselte nach Hannover. Veit, bis zur Vollfusion noch Vorstandsvorsitzender, führt als Regionalvorstand die Geschäfte und hat darüber hinaus das Verbundgeschäft der Hannoveraner mit mehr als 80 Sparkassen übernommen.

Die Bremer Landesbank war bereits 2016 wegen ihrer faulen Schiffskredite in Schieflage geraten. Weil das Institut das nötige Geld für die Risiken nicht mehr aus eigener Kraft stemmen konnte, verkauften das Land Bremen und der Niedersächsische Sparkassen- und Giroverband ihre BLB-Anteile an die NordLB. Es sei ganz sicher das schwierigste Jahr in der BLB-Geschichte gewesen, sagte BLB-Chef Christian Veit auf der Bilanzpressekonferenz im April.

Seit fast vier Monaten ist die BLB nun keine eigenständige Tochter mehr, sondern komplett mit der NordLB verschmolzen. Die Bremer Landesbank wird nur noch als Marke weitergeführt. Und auch das wurde offenbar an Weihnachten schon vergessen: In den Grüßen von Regionalvorstand Veit tauchte die BLB nur noch in der Mailadresse des Absenders auf. Auch Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) gab zuletzt kein eindeutiges Bekenntnis zur Zukunft der Marke: „Die BLB ist Teil des Konzerns. Dort wird man sich das gründlich überlegen“, sagte er vor gut einer Woche im Interview mit dem WESER-KURIER.

Von Bremen aus wird nun das Privat- und Firmenkundengeschäft im Nordwesten betreut. Außerdem ist die Hansestadt Kompetenzzentrum des Konzerns für den Geschäftsbereich Erneuerbare Energien. Die Schiffsfinanzierungen laufen mittlerweile über Hannover. Unterm Strich will das Institut durch den Zusammenschluss jährlich 80 Millionen Euro einsparen.

Eine Übernahme mit Stellenabbau als Folge hat es zuletzt auch an anderer Stelle gegeben. Nachdem die Bremer Kreditbank das Bankhaus Neelmeyer im April offiziell gekauft hatte, wurden bei der Privatbank etwa 70 Stellen und damit gut ein Drittel der Jobs gestrichen. Auch, weil das Geschäftsmodell von Neelmeyer nach dem Kauf neu ausgerichtet wurde: Mittelständische Firmenkunden und das standardisierte Privatkundengeschäft gehören nicht mehr zum Kern des Instituts. Ebenso muss sich das Bankhaus von Filialen trennen: Die Geschäftsstellen in Schwachhausen und Bremerhaven machen zum Jahresende dicht. Von diesen Veränderungen sind noch einmal ein gutes Dutzend Angestellte betroffen. Jetzt ist man auf einem guten Weg, sagt der BKB-Vorstandsvorsitzende Axel Bartsch. Er spricht von der „Perle Neelmeyer“, deren Fokus nun klar herausgearbeitet sei. „Alles, was wir uns von dem Bankhaus versprochen haben, ist eingetroffen.“

Im Juni verkündete die BKB dann die nächste Übernahme: Die Bank will auch die OLB kaufen. Damit entsteht ein Institut, das für Bremer Bankenverhältnisse nicht nur groß ist, sondern auch so ziemlich alle Geschäftsbereiche abdeckt. Bartsch gab die Richtung im Sommer klar vor: „Wir sind auf dem Weg zum Marktführer im Nordwesten.“ Ziel sei, ein dauerhaft stabiler Marktteilnehmer zu sein. Gut 300 Millionen Euro müssen die Eigentümer der BKB – das sind Teacher Retirement System of Texas, Apollo Global Management, Grovepoint Capital – der OLB-Besitzerin Allianz dafür auf den Tisch legen. Dem US-amerikanischen Hedgefonds Apollo wird indes auch nachgesagt, sich innerhalb einer Bietergemeinschaft nun auch für den Kauf der HSH Nordbank beworben zu haben. Steht BKB, OLB und Neelmeyer damit der nächste Zusammenschluss ins Haus? Dazu gibt es von Bartsch nach wie vor keinen Kommentar.

Der BKB-Chef hat zum Jahresende aber auch einen ganz anderen Fokus. Denn zunächst einmal müssen die Behörden zustimmen, dass sich sein Institut mit der OLB zusammenschließen kann. Zwar hatte Bartsch die Pläne bereits im Sommer vorgestellt. Doch zu einem abschließenden Urteil ist die Bankenaufsicht noch nicht gekommen. Der Vorstandsvorsitzende rechnet damit, dass sich die Prüfer bis Ende März entscheiden.

Schon jetzt kann sich die OLB aber auf Veränderungen einstellen. „Wenn der Verkauf abgeschlossen ist, werden wir uns die Strukturen gemeinsam anschauen“, hatte Bartsch angekündigt. Zusammengenommen kommen BKB, Neelmeyer und OLB auf eine Bilanzsumme von 17,5 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren die Institute an 166 Standorten vertreten und beschäftigten mehr als 2600 Mitarbeiter. „Natürlich sind wir damit absolut keine Großbank, aber wir sind auch kein Nischenplayer“, sagte Bartsch. Er hat 2018 die Aufgabe, drei völlig unterschiedliche Institute unter einem Dach zu vereinen: die BKB mit ihrem bundesweit orientierten Kreditansatz, Neelmeyer mit der Betreuung vermögender Kunden aus der Region und die OLB als breit aufgestelltes Institut.

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