Neue Sparkassen-Filiale Kredite beim Kaminfeuer

Immer mehr Bankgeschäfte werden sich in Zukunft im Internet abspielen. Wie die Sparkasse Bremen ihre Online-Kunden zurück in die Filialen holen will, zeigt sie mit ihrem neuen Konzept in der Neustadt.
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Kredite beim Kaminfeuer
Von Florian Schwiegershausen

Ein langer Tisch. Im Flachbildfernseher knistern die Flammen. Die Wände haben eine helle Holzoptik, darin eingelassen ist eine mit grauem Stoff bezogene Sitzecke, in jeder Ecke ein rotes Kissen. Das Licht leuchtet dezent aus braunen, kreisförmigen Lampen, die an einer abgehängten Decke befestigt sind. Das ist das neue Konzept in der ersten Stadtteilfiliale der Sparkasse in der Bremer Neustadt. Heimeliges Wohnzimmer statt steriler Kassenraumatmosphäre – so will die Sparkasse ab jetzt die Anwohner der Neustadt in ihre Filiale locken. Und die ersten von ihnen waren auch bei der Eröffnung am Dienstag dabei.

Wer die Filiale durch die automatische Schiebetür betreten hat, blickt geradeaus als erstes auf ein wandgroßes beleuchtetes Panoramafoto vom Leibnizplatz. An der Seite ist die Ecke mit Sofa, Spielsachen für Kinder und dem Kaminfeuer auf dem LED-TV. Direkt rechts daneben steht ein meterlanger Holztisch, an dem problemlos 20 Personen Platz nehmen können. Das soll auch erwünscht sein, den Kaffee gibt es dazu aus dem Automaten. Tagsüber dient er als gemütliche Wartezone. Aber zum Abend hin sollen die Anwohner aus der Neustadt hier auch zu Info-Veranstaltungen zusammenkommen. Auch Vereine und Unternehmen aus dem Stadtteil können die Räumlichkeiten für ihre Aktivitäten nutzen. Junge Unternehmensgründer können sich hier ebenso mit ihrer Geschäftsidee präsentieren.

Wohnzimmerkonzerte, Spieleabende und Bilderbuchkino

Auf diese Art und Weise will die Sparkasse den Kontakt zu ihren Stammkunden, aber auch zu neuen Kunden suchen und das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Sparkassen-Vertriebsvorstand Thomas Fürst erklärt das mit einem Beispiel: „Zum Thema energetisches Sanieren können der Schornsteinfeger und die Verbraucherzentrale hier informieren. Oder die Polizei berät, wie die Anwohner ihre Fenster einbruchsicherer machen können. Und für die Finanzierung sind wir dann da.“ Zu welchen Themen es Veranstaltungen geben wird, das werde die Sparkasse erst selbst lernen wollen. Eben das, was die Kunden wollen und sie interessiert.

Für Januar sind bereits Abende zu den Themen „nachhaltiges Anlagen“ und „Frauen & Geld“ geplant. Genauso stehen Wohnzimmerkonzerte, Spieleabende und Bilderbuchkino auf dem Programm. Der Raum soll also für Begegnungen dienen. Das Programm können die Besucher sowohl im Internet erfahren als auch in der Filiale. Dort ist es analog wie früher auf eine schwarze Kreidetafel geschrieben.

Unter den ersten Gästen war auch der zuständige Kontaktbeamte von der Polizei in der Neustadt. Doch nach Bankräubern auf frischer Tat braucht er hier nicht zu suchen. Denn hier gibt es weder Bargeld, noch Tresore. Das erhalten die Kunden in der herkömmlichen Zweigstelle einige hundert Meter weiter in der Pappelstraße – inklusive 3500 Schließfächern, die noch im Bau sind.

Die Beratung steht im Vordergrund

In der neuen Filiale wird es nur um Beratung gehen. Der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Tim Nesemann sagte: „Der Alltag der Finanzdienstleistungen wird sich in Zukunft im Internet abspielen. Wir wollen den Kunden helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Dabei werden wir auch Angebote von Wettbewerbern offerieren.“

Für die Beratung gibt es in der ersten Etage neun ebenso wohnlich eingerichtete Kabinen, in einer davon können die Kinder spielen, während sich die Eltern beraten lassen. Wie es zur Einrichtung der Filiale kam, verriet Marktbereichsleiter Dragan Miletkovic: „In mehreren Workshops konnten sowohl unsere Mitarbeiter als auch unsere Kunden ihre Ideen, Wünsche und Bedenken äußern. Das ist in die Gestaltung mit eingeflossen.“ Miletkovic hofft, dass in einem Jahr jeder Neustädter einmal hier vorbeigeschaut haben wird. In diese Wohnzimmerfiliale und die neue Zweigstelle hat die Sparkasse insgesamt knapp drei Millionen Euro investiert. Am neuen Standort werden laut Miletkovic 25 Mitarbeiter tätig sein, die von anderen Filialen kommen. Vertriebsvorstand Thomas Fürst ist sich sicher: „So eine Atmosphäre motiviert auch die Mitarbeiter."

Nächste Filiale in Vegesack

Es wird nicht die einzige Stadtteilfiliale bleiben. Im Herbst 2018 soll die nächste in Vegesack eröffnen. Und 2019 soll eine weitere im neuen Mühlenviertel in Horn entstehen. Wenn Vorstandschef Tim Nesemann diese Wohlfühlatmosphäre sieht, könnte er sich das so nicht auch für sein eigenes Büro vorstellen? Darauf antwortete der Banker pragmatisch: „In meinem Büro am Brill wird nichts mehr gemacht. Aber wenn wir dann das neue Gebäude bei der Uni haben, da sollen die Plätze zum Arbeiten so ähnlich gestaltet werden wie hier.“

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