Zukunft von Bula ungewiss

Kritik am Bremer Flughafen-Chef wächst

Am Flughafen Bremen kriselt es weiter: Der langjährige Leiter Finanzen verlässt das Unternehmen. Am Donnerstag berät der Aufsichtsrat über die Zukunft von Airport-Chef Jürgen Bula.
09.11.2017, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Kritik am Bremer Flughafen-Chef wächst
Von Peter Hanuschke
Kritik am Bremer Flughafen-Chef wächst

Der langjährige Finanzchef des Bremer Flughafens hat in der vergangenen Woche gekündigt - offenbar nach einem Konflikt mit Flughafen-Chef Jürgen Bula.

Karsten Klama

Die Führungskrise beim Flughafen Bremen spitzt sich zu: Nach der Rüge des Senats für Unternehmenschef Jürgen Bula ist beim Airport seit vergangenen Freitag die Stelle des Geschäftsbereichsleiter Finanzen/IT vakant. Nach Informationen des WESER-KURIER hatte Bula seinem Mitarbeiter zuvor die Prokura entzogen. Daraufhin kündigte der langjährige Finanzchef.

An diesem Donnerstag beschäftigt sich das Kontrollgremium des Flughafens mit den Vorwürfen gegen Airport-Chef Jürgen Bula. Der Aufsichtsrat der Flughafen GmbH kommt am Abend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Im vergangenen Monat war bekannt geworden, dass Bula bei wichtigen Tarifverhandlungen im Sommer angetrunken gewesen sein soll. Finanzstaatsrat Hans-Henning Lühr musste ihn von der Verhandlungsführung entbinden; der Aufsichtsratsvorsitzende Ekkehart Siering, Staatsrat beim Senator für Wirtschaft, mahnte Bula deswegen ab.

Betriebsrat fordert Absetzung von Bula

Das Aufsichtsratsmitglied Onno Dannenberg wertete die Kündigung des Finanzchefs als weiteren Beleg dafür, dass die Geschäftsführung nicht mehr im Sinne des Flughafens ausgeübt werde. Dannenberg, der für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Kontrollgremium der Flughafen GmbH sitzt, bleibt bei seiner Forderung: Bula solle von der Funktion des Flughafengeschäftsführers entbunden werden. Diese Forderung hatte Dannenberg bereits vor zwei Wochen gestellt. Gleiches tat der Betriebsrat des Flughafens.

Bislang sei nichts passiert, kritisierte Dannenberg. „Die Vertreter der Flughafen-Gesellschafter haben nicht reagiert - das ist absolut unbefriedigend.“ Dass nun auch noch der Chef der Finanzabteilung seinen Job hingeworfen habe, stehe im direkten Zusammenhang mit der Personalie Bula. Es zeige sich ein weiteres Mal, dass der Flughafenchef nicht mehr im Sinne einer positiven Zukunft des Airports handele und deshalb nicht mehr tragbar sei.

Jahresgehalt von 275.000 Euro

Offenbar machte Bula den Chef seiner Finanzabteilung dafür verantwortlich, dass der Bewirtungsbon der besagten Tarifverhandlungsnacht den Medien zugespielt wurde. Wie Radio Bremen berichtete, tauchten auf der Rechnung über insgesamt 263,80 Euro auch 16 harte alkoholische Getränke auf – alleine 14 Gin –, die nach Aussage von Teilnehmern der Verhandlungen alleine Bula getrunken haben soll. Bula selbst sagte dem Sender, er habe „zwei Getränke“ zu sich genommen, „möglicherweise ein Mixgetränk“.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls entschuldigte sich der Flughafenchef für sein Verhalten im Juni: Er habe einen Fehler gemacht, „der mir nicht hätte passieren dürfen. Mein Verhalten während der Tarifverhandlungen war ohne Frage unangemessen", sagte er. Es tue ihm außerordentlich leid, „die Erwartungen, die Kraft meines Amtes in mich gesetzt werden, in diesem Zusammenhang enttäuscht zu haben“.

Der 55-jährige hatte seinen Posten 2009 angetreten. Sein Vertrag läuft noch bis 2019. Laut Beteiligungsbericht der Freien Hansestadt Bremen erhielt Bula 2015 ein Jahresgehalt von 275.000 Euro. Er ist außerdem Mitglied des Präsidiums der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) und dort stellvertretender Vorsitzender.

Wirtschaft - Interview mit Flughafen Chef Jürgen Bula

Flughafen-Chef Jürgen Bula ist seit 2009 im Amt.

Foto: Frank Thomas Koch

Wirtschaftsressort hält sich bedeckt

Der Flughafen Bremen wollte am Mittwoch zur Kündigung des Finanzchefs nicht Stellung nehmen. Auch Tim Cordßen, Sprecher des zuständigen Wirtschaftsressorts, sagte auf Nachfrage des WESER-KURIER: „Wir sehen keine Veranlassung, über interne personelle Angelegenheiten des Flughafens zu informieren beziehungsweise sie zu kommentieren.“ Unabhängig davon verwies Cordßen auf die außerordentliche Aufsichtsratssitzung, die für alle Mitglieder des Kontrollgremiums der richtige Ort sei und ihnen die Möglichkeit gebe, sich untereinander auszutauschen.

Bislang hat sich das Haus von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) auf den Standpunkt gestellt, das der Vorfall während der Tarifverhandlungen im Sommer durch die Abmahnung abgehakt ist. Zuständig ist das Wirtschaftsressort für den Flughafen, weil sich der Bremer Airport zu 100 Prozent im Eigentum des Landes befindet.

Ob und inwieweit an diesem Donnerstag während der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung, die die Vertreter der Arbeitnehmerseite beantragt hatten, über die Zukunft von Bula entschieden wird, blieb unklar. In der Personalie Bula seien dem Aufsichtsrat mehr oder weniger die Hände gebunden, sagte Dannenberg: Die Berufung beziehungsweise Abberufung des Geschäftsführers sei primär Aufgabe der Gesellschafterversammlung. Insofern seien nun vor allem die Anteilseigner in der Pflicht.

Dannenberg erinnert an Vorbildfunktion

Der Gewerkschafter erinnerte noch einmal daran, dass allein der Vorfall aus dem Juni zeige, dass der Geschäftsführer seine Vorbildfunktion nicht wahrnehme. „Würde ein Mitarbeiter im Dienst Alkohol trinken, hätte das unmittelbar eine fristlose Kündigung zur Folge.“ Das Gleiche gelte für ein Verbot, sich Alkoholkonsum von der Firma bezahlen zu lassen.

Die wirtschaftliche Situation des Airports Bremen ist im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen einigermaßen gut - auch wenn er voraussichtlich in diesem Jahr den dritten Passagierrückgang in Folge zu verzeichnen haben wird. Er gehört aber trotzdem zu den ganz wenigen deutschen Flughäfen, die ohne Subventionen auskommen. 2014 war mit 2,77 Millionen Passagieren das Rekordjahr. Im vergangenen Jahr waren es dann nur noch 2,57 Millionen. Im Jahr 2015 hatte die Anzahl der Passagiere bei 2,66 Millionen gelegen.

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