Versprochene Versetzungen bleiben aus

Lufthansa entlässt Bodenpersonal in Bremen

Der Sparkurs der Lufthansa trifft auch Beschäftigte am Bremer Flughafen. Betroffene Mitarbeiter sollten erst an andere Standorte wechseln können – nun wird ihnen doch gekündigt.
03.07.2020, 05:01
Lesedauer: 4 Min
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Lufthansa entlässt Bodenpersonal in Bremen
Von Stefan Lakeband
Lufthansa entlässt Bodenpersonal in Bremen

Schon in den vergangene Jahren hat die Lufthansa ein Teil des Bodenpersonals ausgegliedert.

Christina Kuhaupt

Geschäftsreisende und Urlauber werden von dieser Änderung wohl kaum etwas mitbekommen, für die Betroffenen ist es hingegen ein dramatischer Einschnitt: Die Lufthansa trennt sich in Bremen von ihrem Bodenpersonal. Gehen müssen 25 Beschäftigte, die sich um die Fluggastabfertigung kümmern, also Passagieren beim Check-in helfen, bei der Gepäckaufgabe und beim Boarding. Diese Dienstleistungen will die Airline künftig komplett an ein anderes Unternehmen auslagern.

Dass es Veränderungen geben soll, ist nicht neu. Schon 2015 hatte der Konzern beschlossen, ihre sogenannten dezentralen Stationen zu schließen. Neben dem Standort am Bremer Flughafen gehören auch die an den Airports Hannover, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Berlin, Nürnberg und Stuttgart dazu. Der Grund für diesen Schritt: Die Lufthansa will sparen. Viele der Angestellten sind seit langer Zeit bei der Airline und haben gut dotierte Verträge. Durch die Vergabe an Fremdfirmen sollen die Kosten drastisch sinken.

Kündigungen schon seit Jahren

In den vergangenen Jahren wurde bereits kontinuierlich Personal abgebaut. Frei gewordene Stellen, etwa durch freiwillige Kündigungen oder Renteneintritte, wurden nicht durch zur Airline gehörendes Personal ersetzt, sondern durch Mitarbeiter einer Fremdfirma – die zu deutlich schlechteren Konditionen angestellt sind.

Den verbleibenden Angestellten wollte die Fluggesellschaft eine Alternative anbieten. „Für die dort Beschäftigten gab es seit 2016 Möglichkeiten eines Wechsels an die sogenannten Hub-Stationen der Lufthansa AG in Frankfurt und München“, teilt eine Sprecherin des Konzerns am Donnerstag dem WESER-KURIER mit. Auch die 25 noch verbleibenden Mitarbeiter gingen davon aus, dass sie nach der Schließung ihrer Arbeitsstätte eine neue Stelle in Frankfurt oder München bekommen. So hatte es ihnen die Lufthansa zugesichert. „Dieses Versprechen wurde gebrochen“, erzählt nun einer der betroffenen Beschäftigten, der anonym bleiben möchte. Mitte Juni hätten er und seine Kollegen erfahren, dass sie im September ihre Kündigung erhalten sollen; Ende Mai kommenden Jahres sollen sie ihre Stelle verlieren. Die Lufthansa bestätigt das. „Diese Wechselmöglichkeit wird wegen der Corona-Krise nun nicht mehr angeboten, da auch an unseren Hub-Stationen große Überkapazitäten bestehen“, sagt die Sprecherin.

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Für die Angestellten kommt das unerwartet. Vor dieser Entscheidung seien keinerlei Gespräche mit ihnen geführt worden. Den Beschäftigten sei natürlich klar, dass der Konzern sparen müsse. „Wir wären daher zu Eingeständnissen bereit gewesen“, sagt der Bremer Mitarbeiter, etwa in Form von verkürzter Arbeitszeit und einem freiwilligen Gehaltsverzicht. Er glaubt, dass die Lufthansa die Corona-Krise nun nutze, um sich von „Altlasten“ zu trennen. Viele der Betroffenen seien 50 Jahre und älter und seit etlichen Jahrzehnten beim Konzern. Sie seien es nun auch, die sich besonders sorgten, in ihrem Alter noch einmal eine neue Stelle zu finden.

Bundesweit trifft dieser radikale Schritt zum Sparen rund 340 Mitarbeiter. Am Flughafen Hannover sind es 15 Lufthansa-Mitarbeiter, denen gekündigt werden soll. „Das ist ein harter Schlag. Der Arbeitgeber muss seine soziale Verantwortung wahrnehmen“, sagte Verdi-Verkehrssekretär Marian Drews der „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. Die Lufthansa könne etwa nach anderen Stellen für die Betroffenen Ausschau halten.

Bremer Mitarbeiter wollen sich an Politik wenden

Wie auch schon die Beschäftigten anderer Lufthansa-Stationen wollen sich auch die Bremer Mitarbeiter nun mit einem Brief an die Politik wenden. In den nächsten Tagen soll Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dieses Schreiben erhalten, aber auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Sie erhoffen sich dadurch Aufmerksamkeit und Hilfe. Denn Ende Juni hatten die Aktionäre der angeschlagenen Fluggesellschaft einer Beteiligung des Staates zugestimmt. Im Gegenzug hilft der Bund der Airline mit neun Milliarden Euro. Dieses massive Hilfspaket ist zwar nicht mit einem Beschäftigungsschutz verbunden, Kündigungen wollen nach eigenen Angaben aber sowohl Unternehmen als auch Staat vermeiden.

In dem Schreiben an die Politiker schildern die Mitarbeiter ihre Situation, aber auch Wünsche. So heißt es dort unter anderem „Wir sind alle gleichwertige Mitarbeiter der Deutschen Lufthansa AG“ und „Die finanzielle Unterstützung seitens des Staates sollte auch dazu genutzt werden, Arbeitsplätze zu erhalten.“

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Aktuell verhandelt die Lufthansa noch mit der Vereinigung Cockpit über den Sparbeitrag der Piloten und mit Verdi über die Zukunft des Bodenpersonals. Vor wenigen Tagen hatten sich bereits die Flugbegleitergewerkschaft UFO und der Konzern auf ein Sparpaket verständigt. Es umfasst Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro bis Ende 2023 sowie einen vierjährigen Kündigungsschutz für das Kabinenpersonal.

Klar ist, dass die Folgen der Corona-Krise die Lufthansa noch lange beschäftigten werden. Bis Ende Oktober will die Airline die Hälfte ihrer 760 Flugzeuge wieder in die Luft bringen. Vorstand Carsten Spohr hat angekündigt, die Flotte mittelfristig um rund 100 Maschinen zu verkleinern. Der bereits angeschobene Verkauf der Catering-Tochter LSG Sky Chefs mit rund 35.000 Beschäftigten ist ins Stocken geraten. Beim Tochterunternehmen Lufthansa Technik wird zudem schon seit längerer Zeit über eine Abspaltung oder einen Teil-Börsengang spekuliert. Der weltgrößte Wartungsbetrieb für zivile Verkehrsflugzeuge mit rund 26.000 Beschäftigten und knapp sieben Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr hatte laut Analysten einen Wert von 7,5 Milliarden Euro vor Corona. Jetzt komme das Unternehmen noch auf eine Bewertung von drei bis fünf Milliarden Euro.

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