Bilanzzahlen Manipulationsverdacht am Bremer Flughafen

Wirtschaftsprüfer haben in der Bilanz brisante Details entdeckt. Der frühere Geschäftsführer Jürgen Bula muss weitere Konsequenzen fürchten. Am Donnerstag berät der Aufsichtsrat über den Fall.
01.03.2018, 06:00
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Manipulationsverdacht am Bremer Flughafen
Von Peter Hanuschke

Im November fand die letzte Sondersitzung des Aufsichtsrats der Flughafen Bremen GmbH statt – damals wurde Jürgen Bula mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Airport-Geschäftsführer abberufen. Seitdem ist er freigestellt, doch die Geschichte ist damit nicht beendet. An diesem Donnerstag kommt der Aufsichtsrat erneut zu einer Sondersitzung zusammen: Wieder geht es um Bula. Im Mittelpunkt stehen die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die im Auftrag des Aufsichtsrats die in der Vergangenheit präsentierten Flughafen-Bilanzzahlen durchleuchtet hat.

Der Prüfbericht enthält nach Informationen des WESER-KURIER brisante Details: Aus dem Umfeld der Kontrolleure heißt es, dass Manipulationen entdeckt wurden, die sich rückwirkend auf Bulas Beschäftigungsverhältnis auswirken. Zudem ist die Rede davon, dass sich auch die Staatsanwaltschaft für die Vorgänge interessieren könnte. Bilanzmanipulation ist eine Straftat, die mit mehrjähriger Haft geahndet werden kann.

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Bula leitete den Flughafen Bremen seit 2009. Sein Vertrag läuft erst 2019 aus. Er wurde nur freigestellt und nicht entlassen, was bedeutet, dass die Hansestadt als Flughafeneignerin sein Gehalt bislang weiter zahlte. 2015 belief sich Bulas Jahresgehalt laut Beteiligungsbericht auf 275.000 Euro.

Die Abberufung des Managers im vergangenen November hatte der Aufsichtsrat mit verschiedenen Vorfällen am Airport begründet, die schwere Störungen im Verhältnis zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern gezeigt hätten. Zudem sei das Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat erschüttert und dadurch eine verlässliche, aufgabengerechte und kooperative Zusammenarbeit nicht mehr möglich gewesen.

Für die Freistellung sei nicht der Vorfall im Juni ausschlaggebend gewesen, als Bula während Tarifverhandlungen größere Mengen Alkohol konsumierte, hieß es in der Begründung. Dafür wurde er abgemahnt, wie sich erst Monate später herausstellte, als die Ereignisse aus besagter Nacht öffentlich wurden.

Auch in der momentanen Situation handlungsfähig

Nach der Freistellung Bulas wird der Flughafen kommissarisch von Petra Höfers geleitet. Die Juristin ist seit 2015 im Unternehmen und kümmert sich als Mitglied der Geschäftsleitung um die Bereiche Personal-, Sozial- und Tarifwesen. Parallel wurde eine Personalberatungsagentur damit beauftragt, einen geeigneten Kandidaten für die Bula-Nachfolge zu finden.

Wann der Posten wieder besetzt werden kann, ist noch offen. Geht es nach Ekkehart Siering, ist das am 1. Juli oder spätestens am 1. August der Fall - das ist zumindest der Wunschtermin des Aufsichtsratsvorsitzenden, wie der Staatsrat kürzlich im Interview mit dem WESER-KURIER sagte. Aber auch in der momentanen Situation sei man aber handlungsfähig.

Dennoch sei es wichtig, diesen Posten wieder zu besetzen, weil gerade der Kontakt zu den verschiedenen Airlines auf verschiedenen Ebenen stattfinde, so Siering, der auch Staatsrat im Wirtschaftsressort ist. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll insbesondere beim Invesitionsprogramm des Flughafens fündig geworden sein.

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Die letzte große Investition war die Neugestaltung des Sicherheits-, Erlebnis- und Abflugbereichs des Flughafens. Unter dem Titel „Smart Departure“ hatte der Flughafen Bremen im April 2016 mit den Umbaumaßnahmen begonnen. Es ging dabei auch um die Modernisierung der Gebäudetechnik. Der gesamte Umbau soll Ende 2018 komplett fertig sein. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf zehn Millionen Euro. Diesen Betrag könne der Flughafen komplett aus eigener Tasche und ohne öffentliche Zuschüsse aus Steuergeldern finanzieren, hieß es damals.

Bislang hatte sich der Flughafen selbst dafür gerühmt, dass er ohne öffentliche Subventionen auskommen könne. Beobachter spekulieren nun darüber, ob sich die Lage angesichts des Berichts der Wirtschaftsprüfer nun anders darstellt. Seit Jahren gehört Bremen zu den zehn größten deutschen Flughäfen – im vergangenen Jahr belegte der Airport Platz neun. Allerdings musste er 2017 als einziger Flughafen in dieser Kategorie einen Passagierrückgang hinnehmen.

Prognosen in diesem Markt sind schwierig

Im vergangenen Jahr nutzten 2,54 Millionen Passagiere den Hans-Koschnik-Airport. Das entsprach zwar fast dem Niveau von 2016 – da waren es 2,573 Millionen Passagiere –, aber die Entwicklung ist gegen den Branchentrend. Denn bundesweit stieg das Passagieraufkommen. Laut Flughafenverband ADV wurden von Januar bis November 2017 an deutschen Flughäfen knapp 219,2 Millionen Passagiere gezählt, was einem Plus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.

Der Passagierrückgang am Bremer Flughafen war der dritte in Folge. 2014 war das bisherige Rekordjahr: 2,77 Millionen Passagiere nutzten den Airport. Bislang war das Ziel der Geschäftsführung immer, die Drei-Millionen-Marke zu knacken. Daran will auch Siering festhalten: Wobei man dafür einige Jahre benötige, so der Aufsichtsratschef kürzlich.

Zunächst müsse es nach drei Jahren Passagierrückgang wieder in Richtung Wachstum gehen. Er sei zuversichtlich, dass das bereits in diesem und im nächsten Jahr der Fall sein werde - auch wenn es schwierig sei, in diesem Markt Prognosen abzugeben. Es müsse ja nur ein wichtiges Urlaubsland wegbrechen, und die Prognose könne hinfällig werden–.

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