Luftverkehr Gegen den Trend: Weniger Passagiere am Flughafen Bremen

Alle größeren Flughäfen in Deutschland konnten im vergangenen Jahr bei den Passagierzahlen zulegen - außer Bremen. Am Hans-Koschnik-Airport ist es bereits das dritte Minus in Folge.
09.01.2018, 17:40
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Gegen den Trend: Weniger Passagiere am Flughafen Bremen
Von Peter Hanuschke

Drei Millionen – so viel Passagiere will der Bremer Hans-Koschnick-Flughafen befördern. So lautete zumindest bislang immer das mittelfristige Ziel der Airport-Geschäftsführung. Von diesem Ziel entfernt sich der Flughafen allerdings immer weiter: Im vergangenen Jahr nutzten ihn 2,54 Millionen Passagiere. Das entspricht zwar fast dem Niveau von 2016 – da waren es 2,573 Millionen Passagiere –, aber die Entwicklung ist gegen den Branchentrend.

Denn bundesweit steigt das Passagieraufkommen. Laut Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) wurden von Januar bis November 2017 an deutschen Flughäfen knapp 219,2 Millionen Passagiere gezählt, was einem Plus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Nach dem Rekortjahr 2014 mit 2,77 Millionen Passagieren verzeichnet Bremen nun schon den dritten Rückgang in Folge.

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Hinter dem hohen Verkehrsaufkommen an deutschen Flughäfen insgesamt erkennt der ADV eine anhaltend hohe Nachfrage nach Luftverkehr, und zwar auf allen Teilmärkten. Die Wachstumsdynamik habe auf den internationalen Strecken zu Beginn der Winterflugplanperiode nochmal angezogen, so der Verband: „Wettbewerber versuchen, die Angebotslücken durch den Air-Berlin-Marktaustritt sofort zu besetzen.“ Wachstumsgaranten bleiben laut ADV die Karibik und krisenfreie touristische Ziele auf der Mittelstrecke. Dass die Winterflugplanperiode auch in Bremen positive Auswirkungen hat, zeigt sich am Monat November: Da nutzten insgesamt 169000 Passagiere Bremen als Abflug- und Ankunftsairport, was einem Plus von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.

Nach Angaben des ADV wuchs der innerdeutsche Verkehr im Zeitraum Januar bis November – die Jahreszahlen aller Flughäfen liegen dem ADV erst im Febraur vor – um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Europaverkehr nahm danach um 6,3 Prozent zu. Die Wachstumsrate im Interkontinentalverkehr lag mit 8,9 Prozent am höchsten. Dieses ein Segment wird vom mittelgroßen Bremer Flughafen überhaupt nicht bedient, weil der Flughafen dafür gar nicht ausgelegt ist.

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Der Passagier-Rückgang lasse sich zum Teil dadurch erklären, dass zwei Fluggesellschaften im vergangenen Jahr zum Nachteil von Bremen ihre Flugpläne umgestellt hätten, sagte Airport-Sprecherin Andrea Hartmann. So habe Ryanair für ein halbes Jahr die Flugverbindung nach London von zwölf auf sieben Mal die Woche und Turkish Airlines die Flüge in die Türkei von 14 auf zehn reduziert. Im Sommerflugplan wollen diese Airlines ihr Angebot aber wieder anheben. Insgesamt gab es 2017 am Bremer Flughafen 37233 Flugbewegungen – 2016 waren es 40687.

Einen Ausblick auf die Passagierentwicklung fürs laufende Jahr wollte die Sprecherin nicht geben. Solche Prognosen hatte in der Vergangenheit immer der Flughafenchef gemacht. Den gibt es aber derzeit nicht: Im November wurde Jürgen Bula, der den Flughafen seit 2009 leitete, vom Aufsichtsrat von seinem Aufgaben entbunden. Ausschlaggebend hierfür sei nicht der Vorfall im Juni gewesen, als Bula während Tarifverhandlungen Alkohol konsumierte, hieß es in der Begründung. Verschiedene Vorfälle am Airport hätten gezeigt, dass es zu schweren Störungen im Verhältnis zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern gekommen sei. Derzeit ist der Flughafenchef-Posten kommissarisch von Petra Höfers besetzt, die den Geschäftsbereich Personal-, Sozial- und Tarifwesen leitet. Der Aufsichtsrat hat eine Personalberatungsagentur damit beauftragt, einen neuen externen Geschäftsführer zu finden.

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Unter den zehn größten deutschen Flughäfen – Bremen liegt vor Leipzig auf Platz neun – war der Bremer Airport im vergangenen Jahr der einzige, der einen Passagierrückgang zu verzeichnen hatte. Zu den Flughäfen mit dem größten Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Januar bis November gehörten neben Leipzig (acht Prozent) und Nürnberg (21,1 Prozent) vor allem auch Bremens direkte Konkurrenzflughäfen Hamburg (16,39 Millionen Passagiere; 9,3 Prozent) und Hannover (5,52 Millionen, 8,6 Prozent).

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