Wie Hermes und andere für Weihnachten planen Mehr Platz für mehr Pakete

Deutschlands Paketdienstleister bauen aus, um nicht an ihre Grenzen zu stoßen. So hat Hermes in Weyhe gerade erst ein neues Verteilzentrum in Betrieb genommen. Die Zusteller erwarten dieses Jahr neue Rekorde.
09.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Falk Zielke

Das Weihnachtsgeschäft hat für die Paketdienstleister längst begonnen. Dabei werden die Zusteller von Hermes in dieser Saison neue Wege gehen. Denn im Oktober ist in Weyhe das neue Verteilzentrum in Betrieb gegangen. Hier sortieren 64 Mitarbeiter bis zu 40.000 Pakete am Tag. Solche Kapazitäten waren im alten Verteilzentrum in Delmenhorst nicht möglich. 19 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert. Entwickelt und gebaut wurde das Gebäude vom Bremer Unternehmen Peper & Söhne und dem Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck, das auch einen Standort in Bremen hat.

Marco Schlüter, Chef-Operator bei Hermes, sieht Weyhe als idealen Standort für die Zustellungen nach Bremen, Diepholz, Oldenburg und Verden: „Der kurze Weg in die Bremer Innenstadt und die sehr gute Anbindung an die A1 und B6 ermöglichen eine optimale Belieferung.“ Das Unternehmen sei mit der hochmodernen Logistikanlage bestens für die Zukunft aufgestellt – die in diesem Jahr erwartete Rekordzahl an Sendungen wird im kommenden Jahr womöglich nochmals getoppt.

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Mit der Investition will das Unternehmen auch auf mehr Nachhaltigkeit setzen, wie Schlüter erläutert: „Die benachbarte Biogas-Anlage versorgt uns beispielsweise mit der nötigen Heizwärme, und wir planen ab Anfang 2021 großflächig die Zustellung über E-Transporter.“ Deshalb gibt es dort zunächst zehn E-Ladesäulen. Die Infrastruktur macht es aber möglich, dass daraus später noch 20 werden können.

Auch deshalb habe alles für Weyhe gesprochen, weil es eine ideale Distanz sei, um mit einem E-Transporter in die Bremer Innenstadt und zurückzufahren. Hermes würde es daher begrüßen, wenn die Zahl der Ladesäulen im Bremer Stadtgebiet aufgestockt würde. „Denn dann können unsere Paketzusteller an einer Ladesäule Mittagspause machen und in dieser Zeit die Batterie nachladen.“

Spitzenmengen in den ersten beiden Dezemberwochen

Hermes setzt alles daran, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man in puncto Umweltschutz seine Hausaufgaben gemacht hat. Das Unternehmen müsse aber auch in die Infrastruktur investieren, denn weniger Pakete werden es in Zukunft sicherlich nicht. So geht Hermes-Geschäftsführer Olaf Schabirisky vom „mengenstärksten Weihnachten aller Zeiten“ aus und rechnet von Oktober bis Dezember mit rund 120 Millionen Sendungen. „Damit stellen wir pro Woche gut zehn Millionen Pakete zu, in manchen Wochen sogar zwölf Millionen.“ Dafür habe Hermes in 3900 zusätzliche Fahrzeuge investiert sowie 3500 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Mit Spitzenmengen rechnet der Paketdienstleister vor allem in den ersten beiden Dezemberwochen.

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Der Mitbewerber DHL Express erwartet für die kommende Weihnachtssaison 50 Prozent mehr Sendungen als noch vor einem Jahr. Bereits im Laufe des Jahres habe das Volumen durch Bestellungen aus dem Internet infolge der Corona-Pandemie um 35 Prozent zugenommen. Eigentlich fahre man inzwischen das ganze Jahr auf einem Niveau, das bisher normalerweise nur zur Vorweihnachtszeit erreicht worden sei.

„Wir erwarten vor Weihnachten elf Millionen Pakete pro Tag“, sagt Hans-Christian Mennenga von der Deutsche Post DHL Group. Das wären in der Tat so viele Sendungen wie noch nie. „Wir fahren unter Volllast“, beschreibt Mennenga die Situation. DHL hatte im vergangenen Jahr seine neue Sortieranlage im Bremer Güterverkehrszentrum in Betrieb genommen. Dort können pro Stunde 36 000 Sendungen verarbeitet werden.

Doppelt so viele Sendungen

Auch die Wettbewerber erwarten, dass das Aufkommen der Sendungen in diesem Jahr vor Weihnachten auf Rekordniveau steigen wird. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK), der unter anderem die Paketdienste DPD, GLS, GO!, Hermes und UPS vertritt, rechnet im November und Dezember im Vergleich zu 2019 mit einer coronabedingten Verdoppelung der üblichen Zuwächse bei den Paketsendungen.

Der DHL-Sprecher gibt Tipps, wie Kunden zum reibungslosen Ablauf beitragen können: „Man muss ja nicht immer die große Filiale nutzen, sondern kann auch in einen kleinen Paketshop gehen.“ Zudem stünden die Packstationen für den Versand von Sendungen bereit. Auch wer ein Paket empfängt, könne den Paketdiensten helfen, heißt es beim BIEK: „Indem die Empfänger ihre Sendungen an Paketshops, Paketstationen oder auch Nachbarn umleiten oder eine Ablagegenehmigung für ihren Wunschort erteilen, kann die Erstzustellquote weiter gesteigert werden“, erklärt ein Sprecher.

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Wegen des hohen Paketaufkommens, aber auch aufgrund von Verkehrsaufkommen und Wetterlage, kann laut BIEK vor Weihnachen die Regellaufzeit bei Standardsendungen von ein bis zwei Werktagen womöglich nicht immer eingehalten werden.

DHL hat daher die Fristen für die Aufgabe der Sendungen in diesem Jahr vorverlegt: Für Päckchen und Pakete im Inland gilt in allen Filialen und Packstationen deutschlandweit der 19. Dezember, 12 Uhr, als letzter Termin. Für Briefe und Postkarten ist es der 22. Dezember. Pakete in die Nachbarländer sollten bis 14. Dezember abgegeben werden. Für Sendungen in sonstige europäische Länder ist der Stichtag der 10. Dezember. Bei Hermes sollten private Pakete bis 21. Dezember abgegeben werden, damit sie noch vor dem Fest ankommen. Stichtag für internationale Sendungen ist der 15. Dezember. DPD nimmt Weihnachtspakete bis 22. Dezember an.

Und damit zu Weihnachten ein üblicher Brauch auch kontaktlos funktioniert: Bei einigen Paketfirmen ist es inzwischen möglich, den Zustellern über die App des Unternehmens ein Trinkgeld zu zahlen.

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