Bremer Unternehmen auf der Kölner Möbelmesse

Möbel made in Bremen

Wenn ab diesem Montag die Aussteller auf der Internationalen Möbelmesse IMM in Köln die neuesten Trends zeigen, sind auch vier Bremer Unternehmen mit dabei. Was sie sie sich von der Präsenz dort erhoffen.
13.01.2019, 10:01
Lesedauer: 4 Min
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Möbel made in Bremen
Von Olga Gala
Möbel made in Bremen

Für die Geschäftsführer von Raumplus, Uta Carsten und Uta Bergmann, hat die Präsenz auf der Kölner Möbelmesse IMM schon Tradition und bringt Impulse für den Export.

Christina Kuhaupt

Schubladen, Kleiderstangen und hochwertige Regale auf 16 Quadratmeter: „Der begehbare Kleiderschrank ist immer angesagt“, sagt Uta Bergmann, Geschäftsführerin von Raumplus. Der Möbelhersteller verkauft seit mehr als 30 Jahren in Bremen hergestellte individuelle Lösungen für Wohn- und Schlafräume. In den letzten Jahren liegen zwar vor allem dunkle Farben im Trend, doch die Kunden entscheiden sich trotzdem meist für weiße Möbel. „Die Leute kaufen alles, was neutral ist“, sagt Geschäftsführer Carsten Bergmann. „Unsere Bestseller sind vorwiegend aus Glas oder weiß“, ergänzt Uta Bergmann. Das liege an der Langlebigkeit der Produkte.

Während die Verbraucher bei günstigeren Möbelstücken eher den Trends folgen und auch mal dunkle Farben oder ungewöhnlichere Materialien ausprobieren, sei es bei Raumplus anders. Jeder Schrank, jedes Regal werde individuell für den Kunden gefertigt, entsprechend kostspielig sind die Objekte. Meist entscheiden sich die Käufer für eine Raumlösung und behalten diese für die nächsten zwanzig oder dreißig Jahre. Daher müssten auch die Designs zeitlos sein. „Wir bieten immer wieder ein Highlight an, aber am Ende ist es ein konservatives Produkt“, sagt Carsten Bergmann.

Export belebt das Geschäft

Eines dieser Highlights wird ab diesem Montag auf der Internationalen Möbelmesse IMM in Köln vorgestellt – eine Gleittür, in die ein Fernseher eingelassen ist. Wird für die Tür dunkles Glas verwendet, soll das TV-Gerät im ausgeschalteten Zustand quasi unsichtbar werden. Auf der Fachmesse präsentieren sich Hersteller, Vertriebspartner und Händler aus aller Welt, rund 150 000 Besucher werden erwartet. Für Raumplus ist die Messe seit 20 Jahren ein Pflichttermin. Das liege auch an der internationalen Ausrichtung der IMM. Raumplus, die es seit 1986 gibt, ist nämlich mittlerweile in 70 Ländern vertreten und beschäftigt 135 Mitarbeiter. Produziert wird in Bremen, die Tischlerei steht in Wildeshausen, doch der Export macht rund 60 Prozent des Umsatzes von 21 Millionen Euro aus. Besonders der asiatische Markt boome, sagt Carsten Bergmann. Ware „made in Germany“ sei ein wichtiges Statussymbol.

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So geht es derzeit vielen Unternehmen der deutschen Möbelbranche. Nur dank der gut laufenden Geschäfte im Export konnten die Umsätze im vergangenen Jahr nach ersten Prognosen wohl um rund ein Prozent auf 18 Milliarden Euro steigen. Dabei sei die Exportquote von Januar bis Oktober auf einen neuen Rekordwert bestiegen, der bei knapp 33 Prozent liege, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, Jan Kurth. Auf dem deutschen Markt sind 2018 die Umsätze hingegen um zwei Prozent auf knapp 33 Milliarden Euro gesunken.

Einzig im Bereich Küche und Büro ging der Umsatz nach oben. Vor allem durch das heiße Sommerwetter sei der Handel 2018 „schwer gebeutelt“ gewesen, sagt Thomas Grothkopp vom Handelsverband Möbel und Küchen im Vorfeld der Kölner Möbelmesse. Hintergrund des schlechten Geschäfts seien aber auch weiter gestiegene Preise für Immobilien und Mieten vor allem in den Großstädten, so dass das Geld für die Neuanschaffung von Möbeln oftmals nicht mehr zur Verfügung stehe. Gleichzeitig habe sich durch den schon seit Jahren tobenden Preiskampf in der Möbelbranche die Werbung mit Superlativen abgenutzt. Grothkopp sagt: „Es ist gleichgültig, ob mit Rabatten, angeblich gesparter Mehrwertsteuer oder mit Prämien gelockt wird.“

Die Suche nach dem Schrank als Einkaufserlebnis

Auch Raumplus spürt die Veränderungen am Möbelmarkt – viele Händler klagen um schwindende Kundschaft, sagt Uta Bergmann. Das eigene Unternehmen habe da Glück und spüre die Probleme am Markt weniger. „Wir sind in einem Segment tätig, in dem wir nicht mit Rabattaktionen arbeiten“, sagt Carsten Bergmann. „Das ist eine Spirale, die kann nur nach unten gehen.“ Nichtsdestotrotz sei es wichtig, den Händlern und letzten Endes auch den Kunden immer wieder neue Anwendungen zu bieten. So verbaue Raumplus beispielsweise mittlerweile in seine Gleittüren Bremsen, die die Türen automatisch stoppen.

Ursprünglich aus dem Küchensegment kommend, sei diese Neuerung mittlerweile im Schlafzimmer angekommen. Die Kunden wünschen sich Innovation und ein Einkaufserlebnis. Deshalb sei es wichtig, dass die Händler vor allem auf kompetente Beratung vor Ort setzen, sagt Uta Bergmann. Denn auch im kommenden Jahr steht die Branche vor Herausforderungen. Der seit längerem zu beobachtende Konzentrationsprozess mit dem Wachstum vor allem großer Möbelhändler gehe weiter, sagt Grothkopp. Dabei habe sich der Zuwachs an Verkaufsflächen im vergangenen Jahr jedoch abgeschwächt. „Es wird weniger neu gebaut, es werden häufiger bestehende Standorte und Flächen übernommen“, sagt Grothkopp. Für das laufende Jahr hoffe der Handel jedoch wieder auf wachsende Umsätze.

"Wir machen hochwertige und teure mobile Möbel"

Wachsende Umsätze erhoffen neben Raumplus auch andere Bremer Möbelunternehmen, die sich ebenfalls in Köln auf der IMM präsentieren. Der seit fast 40 Jahren bestehende Bremer Leuchtenhersteller Tecnolumen hat sich auf den Bauhausstil spezialisiert und ist nach langer Zeit dieses Jahr wieder auf der auf der IMM vertreten. „Das Thema 100-jähriges Bauhausjubiläum wird sehr stark bespielt, da müssen wir uns auch sichtbarer machen“, erklärt Geschäftsführer Carsten Hotzan die Beweggründe, sich nach fast sieben Jahren wieder auf einer Messe zu präsentieren.

Die Firma zeigt vor allem Bauhaus-Leuchten und entsprechende Accessoires, aber auch andere Modelle. Vertreten ist selbstverständlich auch die Wilhelm-Wagenfeld-Leuchte, für die Tecnolumen die exklusive Herstellungslizenz hat. Produziert wird das Designobjekt, wie fast das gesamte Sortiment, von Tecnolumen direkt in Bremen. Auch der Hersteller mobiler Küchen und Kickertische Flix produziert in Bremen. Die Kunden und Vertriebspartner kommen jedoch aus aller Welt. „Wir machen hochwertige und teure mobile Möbel“, sagt Geschäftsführer Matthias Biehler.

Diese Produkte verstehe man am besten, wenn man sie sehe. Wer sich vor Ort von den Vorteilen einer mobilen Küche überzeugen könne, nehme das Produkt eher in sein Sortiment auf. Seit 2001 ist Flix auf der Möbelmesse vertreten, dieses Jahr im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden Partnermesse Living Kitchen. Ebenfalls auf der Living Kitchen präsentiert sich der Bremer Vertrieb für Küchengeräte Cool Giants. Dieser hat sich auf Elektrogeräte spezialisiert.

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