Werder trifft Wirtschaft Wenn das Mikro läuft: Neuer Bremer Podcast mit Marco Bode

Werder trifft Wirtschaft, das Deutsche Milchkontor begegnet Sport: Marco Bode und Oliver Bartelt sprechen in ihrem Podcast „Denkfutter“ über Fußball, Unternehmen und König Otto.
12.12.2020, 05:00
Lesedauer: 8 Min
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Wenn das Mikro läuft: Neuer Bremer Podcast mit Marco Bode
Von Lisa Schröder

Gerade ist Ihr Podcast gestartet. „Denkfutter“ soll ein Austausch über Erfolg im Fußball und in Unternehmen sein. Welches Erfolgsrezept aus dem Sport sollten Führungskräfte und Chefs unbedingt kennen?

Marco Bode: Es gibt nicht das eine goldene Prinzip, das man nur übernehmen muss. Deswegen kommen wir im Podcast auch nicht mit einer Folge aus. Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Wenn wir unabhängig voneinander zehn Erfolgsfaktoren aufschreiben würden, Oliver für Unternehmen und ich für Fußballklubs, hätten wir vermutlich acht Übereinstimmungen auf dem Zettel. Ganz wichtig ist der Gedanke der Zusammenarbeit. Im Fußball steht das Team per se im Mittelpunkt. Und es gibt hier wie dort Fragen auf individueller und auf kollektiver Ebene zu klären: Warum habe ich diesen Beruf? Ist das etwas, das mich begeistert? Wie gehen wir miteinander um? Was gibt es für Werte?

Oliver Bartelt: Tatsächlich verändert sich der Teamgedanke rasant. Da sehe ich große Parallelen zum Fußball. Es gibt nicht mehr den autoritären Trainer an der Seitenlinie, und auch in den Unternehmen hat sich das hierarchische Gefüge geändert. Es gibt nicht mehr Chef und Mitarbeiter, Auftrag und Umsetzung. Heute wird zusammengearbeitet. Und wie es im Fußball keine elf Alleskönner gibt, müssen in den Unternehmen genauso Mannschaften gebaut werden. Das ist anspruchsvoll. Wir richten das DMK gerade neu aus. Es gibt Menschen, die in einer anderen Welt groß geworden sind, und ihnen müssen wir erklären, warum es Veränderung braucht.

Warum haben Sie für Ihren Austausch das Format Podcast gewählt?

Bartelt: Ich glaube, das ist ein Format, das gerade an Relevanz stark zunimmt. Podcasts haben den enormen Vorteil, dass man sie nebenbei hören kann. Der Podcast ist unabhängig von Raum und Zeit.

Bode: Ich finde alles, was mit Audio zu tun hat, sehr attraktiv. Ich habe eine Weile Bücher fast nicht mehr gelesen, sondern nur noch Hörbücher gehört. Aus praktischer Sicht ist die Produktion eines Podcasts weniger aufwendig als ein Film. Ich meine, Olli und ich sehen toll aus, aber es würde nicht viel hinzuaddieren, dass man uns im Gespräch sieht.

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Wir treffen uns in einer Videokonferenz. Wie kommen Sie für den Podcast zusammen?

Bode: Wir haben bei der Produktionsfirma Nordisch in Hamburg zusammengesessen und werden das für die nächste Folge wiederholen. Zoom und Teams funktionieren für Absprachen, aber nicht für diese Art des Podcasts.

Bartelt: Der Podcast ist ja ein mehr oder weniger in Echtzeit verfolgtes Gespräch. Wir sitzen zusammen und sprechen über ein Thema. Das macht den Reiz dieses Formats aus, dass ich als Zuhörer gedanklich mit am Tisch sitze.

Fußballer können Quark spielen, eine Partie kann allererste Sahne sein. Doch erklären Sie: Wie passen die zwei Welten DMK und Werder eigentlich zusammen?

Bartelt: Die Konstellation Werder und DMK ergibt sich durch unsere Funktionen. Das steht aber im Podcast nicht im Vordergrund. Die großen Spielertransfers wird man dort nicht erwarten können. Marco, außer, du hast was vor? (lacht)

Bode: (lacht) Vielleicht, wenn die Zahlen des Podcasts nicht zufriedenstellend sind...

Im Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz gibt es die Rubrik „Die großen Fünf“. Nun könnte ich gemein nach den großen Werdertrainern fragen. Uns interessiert mehr: Was sind die großen Gemeinsamkeiten zwischen Sport und Unternehmen?

Bode: Zu den Trainern: Wir haben bei Werder natürlich die großen Zwei mit Otto und Thomas. Zusammen haben sie über 25 Jahre für Werder gearbeitet. Und ich hoffe, dass wir am Ende sagen werden, Florian ist auch ein großer Trainer für Werder. Wenn ich mich bei den Gemeinsamkeiten spontan fokussieren müsste, denke ich an die Sprache des Fußballs, die im Unternehmen sehr gut geeignet ist, um Idee zu vermitteln. Wenn der Chef von Mercedes von der Mannschaft spricht, weiß jeder, er meint seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wenn er sagt, nächstes Jahr wollen wir in die Champions League, will er alle anderen überholen. Entscheidend ist zudem Führung, die Einstellung und Motivation.

Bartelt: Ich möchte noch das Thema Emotionen ergänzen. Für Lebensmittelhersteller ist es auch eine emotionale Geschichte, wenn die von der Mannschaft hergestellten Produkte anschließend im Supermarktregal stehen. Da entwickelt sich ein gewisser Stolz darauf und es steckt viel Herzblut drin. Und außerdem ist das Mindset eine Gemeinsamkeit. Es gibt sowohl im Sport als auch in Unternehmen schwierige Situationen, die nahezu aussichtslos erscheinen. Und die Frage ist: Wie motiviere ich da zu Höchstleistungen?

Wobei man sagen muss: Der Fußball schafft starke Gefühle: Verzweiflung, Trauer und dann wieder Begeisterung. Auf Produkte schreibt keiner Hymnen.

Bartelt: Das stimmt, aber man muss manche Dinge überhöht betrachten. Unternehmen können sich das stärker vom Sport abgucken als umgekehrt. Wenn ein neues Produkt rauskommt, können die Mitarbeiter auch Stolz oder Trauer erleben.

Champions League und Meisterschale – wie definieren Sie Erfolg?

Bartelt: Der Zweck eines Unternehmens ist natürlich auch finanzieller Erfolg. Der funktioniert aber nur, wenn auf anderer Ebene Erfolge erreicht werden. In unserem Fall dauert der Umbau des Unternehmens aufgrund unserer Größe Jahre. Da muss man sich Etappenziele setzen in Bezug auf die Mannschaft, das Sortiment oder die Märkte.

Bode: Wir müssen ehrlicherweise feststellen, dass für einen Klub wie Werder Meisterschaften und Champions-League-Teilnahmen relativ weit weg sind. Ich glaube, wirtschaftlicher Erfolg ist für ein Unternehmen ein zentrales Ziel und sportlicher Erfolg für den Fußballklub. Aber es gibt daneben weiche Ziele – wie die Haltung zur Gesellschaft. Jedes Unternehmen sollte sich ein Stück weit fragen: Was tue ich für die Gesellschaft? Fußballklubs vielleicht noch mehr, weil wir die Menschen emotional stark erreichen. Wir tragen gegenüber unseren Talenten, Fans und Mitarbeitern immer eine Verantwortung. Das versuchen wir bei Werder seit vielen Jahren zu leben.

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In der ersten Folge erklären Sie, dass der Kabine im Fußball eine wichtige Funktion zukommt – ein heiliger Ort. Die meisten Konferenzräume, Zimmerpflanze, Tisch, Stühle, umgibt wenig Sakrales. Können Unternehmen sich da was abgucken?

Bartelt: Ich glaube, diese Kabine muss man sich sogar bauen. Nicht als gesamtes Unternehmen, aber in den Teams. Selbst in dieser Zeit. Wir merken gerade seit ein paar Monaten stark die räumliche Distanz im Homeoffice. Eine Kollegin hat neulich gesagt, dass man sich aber an einigen Stellen viel nähergekommen ist. Plötzlich läuft bei der Videokonferenz der Hund oder das Kind durchs Bild. Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für Führungskräfte, die Nähe aufrechtzuerhalten und einen Raum für das Team zu bauen, obwohl ich ihn physisch gerade nicht habe. Es geht um einen gedanklichen Raum. In einzelnen Unternehmen gibt es Oasen fürs Wohlbefinden mit Kicker und und und. Das funktioniert vermutlich kurzfristig, aber das allein reicht nicht aus, um ein Team funktionierend zusammenzuschweißen.

Bode: Ich glaube schon, dass solche Räume langfristig Sinn machen können, wenn sie nicht nur auf Kicker oder Dartscheibe begrenzt sind. Schau mal, wie insbesondere in Amerika Unternehmenszentralen inzwischen gebaut werden. Da ist der Ansatz, ganz viel Begegnung zu schaffen und durch Räume Kommunikation zu erzeugen. Früher war die Kabine ein Ort zum Umziehen, und dann ist man rausgegangen zum Training. Heute ist die Kabine viel mehr. Auch wir schaffen Oasen, also Räume, in denen die Spieler miteinander reden, essen und Zeit verbringen können. Im Übrigen auch für die Familien bei den Spielen im Stadion, damit sie sich dort wohlfühlen und austauschen können. Das ist wichtig.

Bartelt: Da sind wir einer Meinung. Es reicht nur nicht, den Kicker aufzustellen. Du musst die Begegnung auch inspirieren und begleiten – wie der Trainer in der Kabine.

Bode: Absolut.

Die Führung von Mitarbeitern ist wahrscheinlich die größte Herausforderung in Unternehmen. Wird darauf genug Wert gelegt, Führungskräften dafür was an die Hand zu geben?

Bartelt: In der Vergangenheit ist der Chef geworden, der das meiste Fachwissen hatte. Und damit hat man eigentlich den besten Player aus dem Team rausgenommen. Das ist heute anders. Die Aufgabe einer Führungskraft ist viel mehr, das Zusammenspiel des Teams zu orchestrieren. Das hat einen hohen Stellenwert. Ich bin nicht der Vormacher, sondern muss mich hinterfragen und darf nicht den Ansatz zu fahren: Am Ende entscheide ich, weil ich es allein weiß. Zur Aufgabe einer Führungskraft gehört heute, Bestehendes zu hinterfragen, immer auch für „Irritation“ zu sorgen, damit Neues entstehen kann. Der Typus Mitarbeiter hat sich eben auch verändert. Azubis kommen mit einem ganz anderen Selbstverständnis ins Unternehmen. Wenn ich da mit einer Ansage von oben käme, würde ich die Ideen des jungen Menschen im Keim ersticken. Das wird keine Veränderung bringen.

Bode: Im Prinzip war Ihre These, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen, zu allen Zeiten richtig. Nur wird sie heute so von Führungskräften akzeptiert. Trotzdem sind viele Unternehmen da noch in einem Anpassungsprozess. Mein Trainer Otto Rehhagel hat schon gesagt, dass das Wichtigste als Trainer ist, mit den Menschen umzugehen. Das war in den 80ern und 90ern. Für Florian Kohfeldt gilt das genauso, nur hat er vielleicht etwas andere Methoden als Otto. Im Prinzip sind die beiden sich teils sehr ähnlich.

Otto Rehhagel zitieren Sie im Podcast mit seinem Motto „Jeder kann sagen, was ich will“. Dieser Führungsstil bekäme auf dem Spielfeld und am Schreibtisch aber heute Probleme.

Bode: Das war ja mit einem Augenzwinkern gemeint. Otto war schon dominant und cholerisch, solange das Spiel lief. Aber danach hat er uns alle wieder in den Arm genommen und diejenigen, die er während des Spiels entlassen hat, alle wieder eingestellt. Er hat uns Spieler auch gesiezt, was damals ungewöhnlich war – ein sehr respektvoller Umgang. Von daher war Otto, er würde es selbst wahrscheinlich so sagen, ein sehr menschlicher Diktator. (lacht)

Das Gespräch führte Lisa Boekhoff.

Info

Zur Person

Marco Bode (51) ist Aufsichtsratschef von Werder Bremen. Als Spieler gewann er die deutsche Meisterschaft, die Europameisterschaft, den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger.

Oliver Bartelt (45) ist seit 2017 Kommunikationschef des Deutschen Milchkontors. Insgesamt ist er seit 20 Jahren in der Kommunikation bei Lebensmittelherstellern tätig – vor dem DMK bei Beck’s.

Info

Zur Sache

Podcast nicht nur für Chefs

Der Podcast „Denkfutter“ richtet sich nicht allein an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DMK, Fußballfans oder Chefs und Führungskräfte, sondern an alle, die Denkanstöße zu den Themen suchen. Aufgezeichnet wird der Podcast bei der Produktionsfirma Nordisch in Hamburg. Die Folgen laufen bei Spotify, Google Podcasts, Amazon oder Apple Music. Nach der Premiere „Aufwärmen“ geht es in der nächsten Folge, die am 22. Dezember erscheint, um Teams. Hörer können Fragen und Anregungen über denkfutter@dmk.de einwerfen.

Das Deutsche Milchkontor und Werder Bremen arbeiten schon länger zusammen. Im Zuge der neuen Ausrichtung des Unternehmens holte sich das DMK immer wieder Experten ins Haus, um Impulse an die Mitarbeiter zu geben. Marco Bode war ebenfalls schon zu Gast und schreibt auch eine Kolumne für das Magazin des DMK. Die Idee zum Podcast kam den beiden, um den Austausch auch während Corona fortsetzen zu können.

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