Arbeitsmarkt Neues Personal für das Bremer Jobcenter

Neue Jobs für das Bremer Jobcenter: Dort sollen 70 neue Stellen entstehen. Warum die neuen Mitarbeiter so dringend notwendig sind, und was sie für ihre Kunden tun sollen.
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Neues Personal für das Bremer Jobcenter
Von Stefan Lakeband

Das Bremer Jobcenter will auch im kommenden Jahr sein Personal weiter aufstocken. Damit soll endlich der vom Gesetzgeber geforderte Betreuungsschlüssel erreicht werden. „Momentan sind wir noch unterbesetzt“, sagt Susanne Ahlers, Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen, am Dienstag. Insgesamt sollen mehr als 70 neue Stellen in der Behörde entstehen.

„Damit hätten wir zum ersten Mal eine vergleichbare Personalausstattung wie andere Jobcenter in Großstädten“, sagt Ahlers. Denn bislang habe es schlicht zu wenig Stellen gegeben, um den vom Gesetz geforderten Betreuungsschlüssel zu erreichen. Der sieht vor, dass auf einen Fallmanager 75 Arbeitslose unter 25 Jahren kommen. Die Realität im Bremer Jobcenter ist bislang aber anders. Hier kümmert sich ein Mitarbeiter um 90 Arbeitslose. Anfang des Jahres habe die Geschäftsführung des Jobcenters die zusätzlichen Stellen beantragt, die durch die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven und die Stadt Bremen als Träger der Einrichtung für 2017 bewilligt wurden. Schon in diesem Jahr wurden 41 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Geflüchtete ziehen Statistik nach oben

Auch wenn sich schon in diesem Jahr mehr Mitarbeiter um die Vermittlung von Arbeitslosen kümmern, so ist die Zahl derer, die Leistungen vom Jobcenter beziehen, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Vergangenen Monat waren es insgesamt 80.429, rund 1600 Menschen mehr als im Jahr zuvor. Das habe aber einen einfachen Grund, sagt Ahlers. Seit Anfang 2015 werden im Jobcenter Bremen rund 9000 Geflüchtete betreut. Das ziehe die Statistik nach oben. Rechne man die Geflüchteten aus der Statistik heraus, so wäre die Zahl der Leistungsempfänger sogar gesunken. „Denn auch wir merken, dass die Unternehmen händeringend Mitarbeiter suchen“, sagt die Geschäftsführerin.

Unverändert hoch blieb hingegen die Zahl der Langzeitbezieher. Das sind Menschen, die seit zwei oder mehr Jahren Leistungen vom Jobcenter erhalten. Das kann etwa Hartz IV sein, oder ein Zuschuss zum eigentlichen Verdienst. In den vergangenen Jahren seien etwa 36.000 Bremer in diese Kategorie gefallen. Daran zeigt sich eines der großen Problem, vor denen der Bremer Arbeitsmarkt steht: „Je länger jemand Leistungen bezieht, desto weniger Chancen hat er, auf den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren“, sagt Ahlers.

Projekt Langzeitarbeitslose

Auch deswegen werde im kommenden Jahr auch weiter das Projekt Lazlo unterstützt. Hier werden Langzeitarbeitslose mit Hemmnissen in geförderte Jobs vermittelt. Diese Hindernisse können etwa das Alter, mangelnde Sprachkenntnisse oder ein fehlender Berufsabschluss sein. Aber auch alleinerziehende, überschuldete oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen gehören zur Zielgruppe.

Initiativen gegen Langezeitarbeitslosigkeit gibt es auch in Niedersachsen. Seit Juli gibt es etwa das Landesprogramm zum Abbau von Langzeitzeitarbeitslosigkeit. Hier sollen arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose durch öffentlich geförderte Jobs wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Für die Jahre 2017 und 2018 stellt das Land Niedersachsen 20 Millionen Euro an Landesmitteln zur Verfügung.

Etat in Höhe von 55 Millionen Euro

Dem Jobcenter Bremen stehen für kommendes Jahr etwa 55 Millionen Euro an sogenannten Eingliederungstitel zur Verfügung. Das ist Geld für Maßnahmen, in denen Langzeitarbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen. Das können beispielsweise Bewerbungstrainings, Weiterbildungen oder sonstige Qualifikationen sein. Anfang des Jahres wurde die Behörde von der Bürgerschaft stark kritisiert, weil sie nicht ihr gesamtes Budget für 2016 aufgebraucht hat. Damals waren etwa 3,1 Millionen Euro übrig geblieben, die zurück an das Arbeitsministerium in Berlin zurücküberwiesen werden mussten. 2017 ist das anders. „Es ist weniger als ein Prozent unseres Etats ungenutzt“, sagt Ahlers.

Konkret geht es um 350.000 Euro von einem insgesamt 57,4 Millionen Euro hohen Budget. Auch für das kommende Jahr sei es wieder das Ziel, den gesamten Etat zu nutzen. 2018 fällt das Budget somit etwas geringer aus. Und ein Teil des Budgets müsste für Maßnahmen genutzt werden, die bereits 2017 begonnen hätten. Insgesamt seien 25 Millionen Euro bereits verplant, auch für steigende Kosten wie Infrastruktur und Personal. „Trotzdem werden wir alles finanzieren können, was sinnvoll und notwendig ist“, sagt Ahlers.

Zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge

Zufrieden ist die Geschäftsführerin mit der Neuordnung des Jobcenters. So wurde Ende 2016 die Zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge (ZAF) in der Utbremer Straße eröffnet. Hier werden alle Geflüchteten zentral vom Jobcenter betreut. „Das hat sich als sehr positiv herausgestellt“, sagt Ahlers. Die Mitarbeiter vor Ort seien besonders geschult und würde die eigenen Angebote für Geflüchtete, aber auch die anderer Organisationen kennen. Außerdem stünden in der ZAF verschiedene Dolmetscher bereit, die bei den Gesprächen zwischen Jobcentermitarbeitern und Geflüchteten helfen können.

Die Vermittlung ist laut Ahlers trotzdem nicht einfach: „Viele wollen arbeiten, kennen die Eigenheiten des deutschen Arbeitsmarktes aber nicht.“ So sei das duale Ausbildungssystem vielen unbekannt. Wie wichtig aber so eine Berufsausbildung ist, macht Ahlers an einer Zahl deutlich: 70 Prozent der Arbeitslosen in Bremen haben nämlich keine Berufsausbildung.

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