Modehäuser überbieten sich mit Angeboten Rabattschlacht in Bremer Innenstadt

Früher begann der Winterschlussverkauf allenfalls im Januar, heute klingeln schon vor Weihnachten die Rabattglöckchen. Der Preiskampf ist die Folge einer ganzen Branchenentwicklung.
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Rabattschlacht in Bremer Innenstadt
Von Carolin Henkenberens

Durch den harten Preiskampf in der Modebranche, reduzieren immer mehr Händler immer früher ihre Ware. Auch in der Bremer Innenstadt locken viele Angebote.

Pre-Sale, Christmas Sale, Private Sale: Es ist wieder Goldgräberstimmung in den Innenstädten. Überall prangen rote Werbetafeln mit Prozentzeichen. Immer mehr Händler reduzieren immer früher ihre Winterware. Niemand muss seine Winterjacke noch zum Normalpreis kaufen, so scheint es. Vorbei sind die Zeiten, in denen es günstige Wintermode nur nach Weihnachten gab.

„Gerade in diesem Jahr sind die Händler mit ihren Rabatten sehr früh dran“, sagt Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. „Sobald einer anfängt, müssen die anderen mitziehen.“ Der Handelsverband Textil BTE empfehle seinen Mitgliedern deshalb immer noch, sich an die üblichen Zeiten des Winterschlussverkaufs zu halten.

Sale war sonst im Januar

Dieser fand bis zur Aufhebung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb jeweils in der letzten Januar- und der ersten Februarwoche statt. Die Empfehlung, sich weiter daran zu halten, soll vor allem den inhabergeführten Läden zugutekommen.

Doch in der Mode-Branche herrscht momentan ein harter Preiskampf. Die Folgen sind in der Bremer Innenstadt nicht zu übersehen: Bei Wormland, C&A, Esprit und Karstadt Sports läuten die vorweihnachtlichen Rabattglöckchen. Auch inhabergeführte Läden wie Roland Fashion in der Sögestraße, das Pelz- und Ledergeschäft Graupner und der Ausstatter L‘uomo (beide in der Knochenhauerstraße) bieten bereits Anfang Dezember ordentliche Rabatte an.

Peek & Cloppenburg lockt mit einem Prospekt namens „Magic Sale“, in dem eine Winterjacke schon für 130 statt für 170 Euro zu haben ist. Bis Anfang Februar müsse Platz sein für die Frühjahrskollektionen, sagt Sprecherin Katja Hünnekens auf Nachfrage.

Bis Ende Dezember muss die Ware verkauft sein

Bei C&A warten seit Ende November „fröhliche Angebote“. Besonders früh sei das nicht, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes. Es gelte, bis Ende Dezember die Winterware abzuverkaufen, da die Shoppinglaune im Januar traditionell weniger hoch sei. Selbst C&A – der vom Umsatz gesehen drittgrößte Textileinzelhändler Deutschlands nach der Otto Group und H&M – muss sich laut Rolfes dem Einfluss des Online-Handels anpassen.

So wurden zum Beispiel in diesem Jahr erstmals Rabatte zum „Black Friday“ angeboten. Jene Aktion, die aus den USA nach Deutschland geschwappt ist und am Freitag vor dem amerikanischen Thanksgiving-Fest stattfindet.

Das Modelabel Marc O‘Polo, das auch Filialen in Bremen betreibt, lockte kürzlich sogar mit einem „Pre-Sale“, einem Vor-Schlussverkauf. 20 Prozent Preisnachlass erhielten die Kunden. Einzelne Produktgruppen, die sonst nicht so gut funktionierten, sollten über den Sonderverkauf beworben werden, sagt eine Sprecherin von Marc O‘Polo.

Krisenjahr 2016

Die Modehäuser können nicht zimperlich sein in diesem Krisenjahr 2016, in dem eine Hiobsbotschaft die nächste jagte. Der deutsche Ableger von American Apparel meldet Insolvenz an, Tom Tailor schließt etwa 300 Läden, Gerry Weber ebenfalls rund 100. „Die Gründe für den immer früheren Schlussverkauf liegen in der Branchenentwicklung“, weiß König vom Handelsverband. Der Wettbewerb durch Onlineversandhäuser und billige Modeketten ist hart.

Die Intervalle zwischen den Rabattaktionen werden deshalb immer kürzer. Vom Summer-Sale zum Herbst-Sale zum Black-Friday und Cyber-Monday. „In der Modebranche gibt es praktisch das ganze Jahr über Rabatte. Das ist eine ungesunde Spirale“, warnt König. Die Gefahr sei, dass letztlich nur noch über Rabatte überhaupt Umsatz erzielt werde.

„Das darf nicht so weitergehen“, sagt auch Jochem Hauser, Geschäftsführer des Bremer Modehändlers Roland Fashion. Wenn schon Ende November 20 Prozent auf das gesamte Sortiment angeboten werde, sei das tödlich. Roland Fashion als inhabergeführter Laden spürt den Druck durch große Ketten, sagt er. Bislang biete Roland jedoch nur tageweise Preisnachlässe auf bestimmte Warengruppen an.

Bio- und Fair-Trade-Mode

Allerdings: „Es gibt immer wieder Player, die sich eine Nische suchen“, sagt Handelsexperte König. „Fair produzierte Textilien sind stark im Wachsen.“ Zum Beispiel die Bio- und Fair-Trade-Modemarke „Armed Angels“ aus Köln. Die Kleidung gibt es in Bremen zum Beispiel im Fairtragen-Laden im Ostertorsteinweg.

Über das Weihnachtsgeschäft allgemein kann König nicht klagen: „Es läuft ganz gut.“ Das trockene, nicht zu kalte Wetter sei vor allem in der zweiten Adventswoche ideal zum Einkaufen gewesen. In diesem Jahr wird ein Rekordumsatz von 90 Milliarden Euro im deutschen Weihnachtsgeschäft erwartet.

Allerdings bewerteten größere Händler mit einem Jahresumsatz von mehr als zwei Millionen Euro in einer Umfrage des Deutschen Handelsverbands den Geschäftsverlauf deutlich besser als kleine.

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