Zusätzliche Jobs bei der HKK aus Bremen Rekordjahr für die Handelskrankenkasse

So viele neue Mitglieder in nur einem Jahr hat es noch nie gegeben bei der Handelskrankenkasse, die 1904 in Bremen gegründet wurde - dadurch knirschte es Anfang 2016 allerdings etwas.
17.06.2017, 09:45
Lesedauer: 3 Min
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Rekordjahr für die Handelskrankenkasse
Von Florian Schwiegershausen

Über das vergangene Geschäftsjahr kann sich die Bremer Handelskrankenkasse (HKK) mehr als freuen. Denn 2016 konnte das Unternehmen die Zahl ihrer Neumitglieder um mehr als 22 Prozent erhöhen. In absoluten Zahlen sind das 86 000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet. Das lag daran, dass andere Krankenkassen in Deutschland Anfang 2016 ihre Beiträge erhöht hatten, während die HKK unverändert beim gleichen Prozentsatz blieb, den der Arbeitnehmer zu zahlen hat. Dadurch wurde die Krankenkasse zu einer der günstigsten Deutschlands. Der Ansturm damals war so groß, dass Anträge zum Teil bis zu zwei Monate liegenblieben. Auf bis zu 2000 Neuanträgen an manchen Tagen war das Bremer Unternehmen damals nicht vorbereitet. Es bekam die Situation aber bis zur Jahresmitte wieder in den Griff – auch dadurch, dass 70 Mitarbeiter neu eingestellt wurden.

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Wovon die gesetzliche Krankenkasse dabei profitierte: Es sind eher jüngere und gesunde Menschen gewesen, die zum Bremer Unternehmen wechselten. Während das Durchschnittsalter der Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen bei 44,6 Jahren liegt, haben die HKK-Versicherten ein Durchschnittsalter von 40,6 Jahren. HKK-Vorstand Michael Lempe sagte: „Viele der Neumitglieder sind über Vergleichsportale im Internet auf uns gestoßen. Und viele davon leben gesünder und sind auch konsequenter bei der Umsetzung von Ratschlägen, um wieder gesund zu werden.“ 74 Prozent der Mitglieder sind Arbeitnehmer und Selbstständige. Auch dies ist ein sehr viel höherer Anteil gegenüber anderen Ersatzkassen, was sich ebenso positiv auf die Kosten auswirkt. Je gesünder die Mitglieder sind, desto niedriger sind die Ausgaben.

Seit Anfang 2017 kamen nochmals 30.000 Versicherte hinzu. Da eher wenige Kassen den Beitrag erhöht hatten, war entsprechend die Wechselwelle nicht so hoch wie im Vorjahr. Zum 1. Juni waren es 553.000 Versicherte und 420.000 Mitglieder. Unter Mitglieder sind diejenigen zu verstehen, die die Beiträge bezahlen. Bei Familien sind dann automatisch auch die Kinder mitversichert, die wiederum als „Versicherte“ in der Statistik auftauchen. Zum Jahresende peilt die HKK 570.000 Versicherte an.

Durch das vergangene Jahr erzielte die HKK einen Überschuss von mehr als 48 Millionen Euro. Dies fließt in die Rücklagen, um so die Beiträge auch künftig niedrig zu halten. Damit konnten die Rücklagen und Betriebsmittel auf knapp 300 Millionen Euro gesteigert werden. HKK-Vorstand Lempe sagte: „Diese Zahlen stehen für die nachhaltige Ausrichtung der HKK-Haushaltsplanung und ermöglichen auch in den nächsten Jahren eine ausgeprägte Beitragsstabilität.“

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Der Zusatzbeitrag, den der Arbeitnehmer zu zahlen hat, liegt derzeit bei 0,59 Prozent. Damit hält das Unternehmen, das 1904 in Bremen gegründet wurde, die Preisführerschaft in 13 der 16 Bundesländer. Nach eigenen Angaben spare ein HKK-Mitglied im Vergleich zu einer teuren Kasse bis zu 579 Euro. Abhängig vom Einkommen wären es bei durchschnittlich teuren Kasse bis zu 266 Euro.

So nahm die HKK im vergangenen Jahr knapp 1,2 Milliarden Euro ein. Das entspricht 1,7 Prozent je Versicherten mehr. Gleichzeitig sanken die Ausgaben pro Versicherten um 2,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. 95 Prozent davon wurden für die medizinische Versorgung aufgewendet. Wiederum ein Drittel davon wurde für Krankenhausaufenthalte der Versicherten verwendet. Durch eine gestiegene Zahl von Entbindungen im Verhältnis zur Zahl der Versicherten, stiegen in diesem Bereich die Ausgaben um 7,2 Prozent pro Versicherten.

Die HKK verfügt momentan über 27 Geschäftsstellen in Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Ergänzt wird dies durch bundesweit 2100 Servicepunkte, die sich in Agenturen der LVM Versicherung befinden. Gleichzeitig soll das Online-Angebot sukzessive ausgebaut werden. Außerdem ist für die Versicherten eine Smartphone-App in der Entwicklung. Wenn alles gut läuft, soll die App spätestens im kommenden Jahr zur Verfügung stehen.

Für den Bremer Arbeitsmarkt hatte die hohe Zahl an Neumitgliedern einen positiven Nebeneffekt: Im vergangenen Jahr schuf die HKK 75 neue Vollzeitstellen. Mit dieser positiven Mitarbeiterentwicklung will die HKK auch dieses Jahr weitermachen. Denn bis Jahresende sollen wieder 70 Mitarbeiter eingestellt werden – mit unbefristeten Verträgen.

Entsprechend reicht auch der Platz in den angestammten Gebäuden nicht aus. So mietete das Unternehmen eine Bürofläche über der Bremer Spielbank an der Schlachte an sowie beim Jugendgästehaus im Bremer Faulenviertel. Doch das reiche laut HKK-Vorstand Lempe nicht aus: „Wir suchen im Zentrum eine weitere Bürofläche in einer Größenordnung von 1800 Quadratmetern.“

Trotz all der positiven Zahlen gab es doch etwas Kritik: So sei der Risikostrukturausgleich (RSA) in seiner jetzigen Form unfair und verzerre den Wettbewerb. Hier müssen Krankenkassen mit einer „guten“ Risikostruktur Gelder in den Gesundheitsfonds einzahlen. Kassen mit „schlechter“ Risikostruktur erhalten Gelder. So häuften sich in den vergangenen Monaten die Berichte, dass manche Kasse ihre Mitglieder „kranker“ machte, als sie sind, um so höhere Summen aus dem Gesundheitsfonds zu erhalten.

Ob der Zusatzbeitrag, den der Arbeitnehmer zu zahlen hat, auch für 2018 so stabil bleibt, entscheidet der HKK-Verwaltungsrat im Dezember. Aber die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

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