Werft hofft Restchance für Lürssen bei Rüstungsauftrag

Weil der Haushaltsausschuss des Bundestages vier Milliarden für Mehrzweckkampfschiffe bewilligen muss, kann das Kosnsortium aus der Bremer Werft und Thyssen-Krupp Marine Systems weiter hoffen.
02.03.2018, 15:40
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Restchance für Lürssen bei Rüstungsauftrag
Von Jan-Felix Jasch

Die Nachricht kam überraschend. Am Donnerstag erreichte ein Brief des Bundesverteidigungsministeriums das Konsortium aus Lürssen und Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS). In dem Schreiben teilte das Ministerium auf 56 Seiten mit, warum es den Unternehmen nicht zutraue, das Marinekampfschiff 180 zu bauen.

Mit vier Milliarden Euro lag das Angebot des Konsortiums über den von der Bundeswehr eingeplanten dreieinhalb Milliarden. Doch das ist offenbar nicht der einzige Grund für das Aus des Zusammenschlusses. Das "Handelsblatt" berichtet, dass in dem Schreiben die Rede von Defiziten der Werften-Partner bei der IT-Sicherheit bestehe. Allerdings sind auch tieferliegende Gründe nicht ausgeschlossen.

Das Konsortium bestätigte auf Nachfrage nur, dass der Ausschluss richtig sei, man jedoch nach wie vor von dem Angebot überzeugt sei und die Begründung für das Aus im Vergabeprozess sorgfältig prüfen wolle. Vor allem der Zeitpunkt wirft Fragen auf: Die Absage an die Werften kommt in einer Zeit, in der die neue Bundesregierung noch nicht im Amt ist.

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Die neue Koalition aus SPD und Union hätte eine solche Entscheidung wohl nicht akzeptiert, heißt es doch Koalitionsvertrag, dass "der Bau von Überwasserschiffen eine Schlüsseltechnologie werden soll." Ähnlich formuliert es auch der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs: „Ich halte die Konsolidierung des deutschen Überwasserschiffbaus für zielführend."

Kahrs ist zum einen stellvertretendes Mitglied des Verteidigungsausschusses des Bundestag und zum anderen ist er Obmann des Haushaltsausschusses. Dieser Ausschuss muss die Gelder für das Rüstungsprojekt final bewilligen und somit könnte es eine Restchance für das deutsche Konsortium geben.

Kahrs sagt weiter: "Ich bezweifle, dass bei einer Konsolidierung in Deutschland die Niederlande ein integraler Bestandteil sein können.“ Damit spielt er auf die verbleibenden zwei Bewerber um den Auftrag an: Die niederländische Damen Shipyards und die German Naval Yards, die dem französisch-libanesischen Geschäftsmann Iskandar Safa gehört.

Krisentreffen Mitte März

Der Bezirksleiter der IG Metall Küste Meinhard Geiken forderte am Freitag, das "Vergabeverfahren auf neue Füße zu stellen", um den Überwasserschiffbau als Schlüsseltechnologie zu erhalten. Das Verteidigungsministerium nehme das Aus des deutschen Marineschiffbaus billigend in Kauf. Es könnte in der Tat weitreichende Folgen für die Werften haben.

Zwar hatte Thyssen-Krupp Marine Systems angekündigt, die Entscheidung über eine Schließung des Standortes Emden mit 220 Mitarbeitern bis zum 31. Dezember 2020 auszusetzen, durch den Verlust des Auftrages ist die Marktführerschaft aber in Gefahr. Das Unternehmen verweist auf die bestehende Regelung und will daran festhalten.

Die Betriebsräte der Werften und ihrer Zulieferer kommen am 14. März zu einen Krisentreffen zusammen. Es seien dringend Gespräche mit der Verteidigungsministerin und dem neuen Wirtschaftsminister nötig, sobald die neue Bundesregierung stehe. Das Verteidigungsministerium äußerte sich bisher nicht zu der Entscheidung.

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