Jahresbilanz: Oldenburgische Landesbank

Schiffsbeteiligungen für OLB wieder interessant

Waren Schiffsbeteiligungen zuletzt mit Schrottimmobilien gleichgesetzt, rücken sie bei der OLB langsam wieder in den Fokus. Warum die Zukunft der Bank jedoch nicht in den Händen des Vorstands liegt.
19.03.2018, 18:56
Lesedauer: 3 Min
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Schiffsbeteiligungen für OLB wieder interessant
Von Florian Schwiegershausen
Schiffsbeteiligungen für OLB wieder interessant

OLB-Vorsitzender Patrick Tessmann (l.) und BKB-Vorsitzender Axel Bartsch.

frei / OLB

Es waren die Schiffsbeteiligungen, die die Bremer Landesbank fast an den Rand des Ruins gebracht hatten. Auch anderen Banken mussten nach der Schiffskrise die Schäden begrenzen. Die Oldenburgische Landesbank (OLB) beobachtet allerdings den Markt angesichts steigender Frachtraten und schließt zum Jahresende ein stärkeres Engagement nicht aus. Das sagte OLB-Vorstandschef Patrick Tessmann am Montag bei der Bilanzpressekonferenz in Oldenburg. "Momentan haben wir etwa 100 Schiffe in unserem Portfolio.

Containerschiffe waren aber nie dabei", sagte der Vorstandsvorsitzende. Es seien eher kleinere Schiffe, inklusive Fischkutter. Insgesamt 31,3 Millionen Euro dienten der Bank im vergangenen Jahr der Risikovorsorge, davon 10,4 Millionen Euro für das Abbauportfolio Schiffe. Dank der günstigen Rahmenbedingungen sei dies aber ein geringerer Vorsorgebedarf als zuvor gewesen.

Im Hinblick auf die ordentliche Hauptversammlung im Mai präsentierte die Bank, die im Weser-Ems-Gebiet fest verwurzelt ist, solide Geschäftszahlen. Das Betriebsergebnis lag zum Jahresende bei 48,3 Millionen Euro – ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Kreditvolumen konnte die OLB um knapp drei Prozent auf 10,8 Milliarden Euro ausbauen. Allein das Neugeschäft belief sich auf 1,7 Milliarden Euro.

Allerletzte Hauptversammlung

Dass der Vorsteuergewinn mit 50,4 Millionen Euro gut vier Millionen Euro niedriger ausfiel als im Vorjahr, begründete die Bank mit Sondereffekten und verwies auf entsprechende Prognosen vom Vorjahr. Der Jahresüberschuss fiel auf 28,3 Millionen Euro gegenüber 35 Millionen Euro im Vorjahr. Jedes zehnte Windrad in Niedersachsen wurde durch die OLB finanziert. Ebenso dient die Bank als Finanzierer in der Landwirtschaft.

Der Vorstand schlägt eine Dividende in Höhe von 25 Cent pro Aktie vor, wie auch schon im Vorjahr. Die kommende Hauptversammlung im Mai wird wohl die letzte in der Geschichte der Bank sein. Denn der neue Besitzer, die Bremer Kreditbank (BKB), zu der auch das Bankhaus Neelmeyer gehört, hat jetzt schon mehr als 95 Prozent aller Aktien. Damit hat die BKB das Recht, per "Squeeze-Out" die restlichen Anteile der Minderheitsaktionäre gegen eine entsprechende Abfindung zu übernehmen.

Auf der Hauptversammlung wird sich auch der neue Aufsichtsrat unter Vorsitz von BKB-Vorstand Axel Bartsch präsentieren, der vergangenen Freitag gewählt wurde. Inwiefern die Übernahme einen weiteren Stellenabbau bei der OLB bedeutet, mag momentan keiner konkret sagen. Tessmann erläuterte: "Wir haben jetzt erst mal eine Projektgruppe mit Vertretern der BKB, des Bankhauses Neelmeyer und der OLB. Dort werden wir besprechen, auf welchen Feldern eine Kooperation möglich ist." Überschneidungen in den Geschäftsgebieten gebe es ja so gut wie gar nicht.

Derzeit hat die OLB 2071 Mitarbeiter, darunter 150 Azubis. Das Zukunftsprogramm OLB 2019 hat auch ohne den Verkauf bis Jahresende den Abbau von 250 weiteren Vollzeitstellen vorgesehen. Im vergangenen Jahr haben 82 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. "Sozialverträglich", wie der Vorstand betonte.

Digitalisierung schreitet voran

Und wie sieht die Zukunft des OLB-Vorstands aus? Dazu wollte sich keiner äußern. Zumindest hat der frühere Mehrheitsaktionär, die Allianz, für den Verkauf an die BKB den OLB-Vorstand mit 1,5 Millionen Euro bedacht. Tessmann erläuterte: "Dieses Geld erhält die Vorstandsmitglieder nicht in gleichen Teilen, sondern abhängig von der Betriebszugehörigkeit." Es solle auch dazu dienen, dass der Vorstand nach der Übernahme der OLB erhalten bleibe.

Klar ist, dass die OLB weiter wachsen will und schließt ein stärkeres Engagement außerhalb ihres angestammten Geschäftsgebiets nicht aus. "Durch unsere Expertise im landwirtschaftlichen Bereich sind wir ja schon jetzt in einigen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns aktiv", ergänzte OLB-Vorstandsmitglied Hilger Koenig.

Derzeit hat die OLB 430 000 Kunden. 200 000 davon tätigen ihre Bankgeschäfte online. Im Zuge der Digitalisierung will die OLB die papierlosen Bankgeschäfte weiter ausbauen. Damit und mit sinkender Mitarbeiterzahl bedeutet das aber auch, dass von den 144 Filialen mit persönlicher Beratung weitere in reine SB-Filialen umgebaut werden. Davon hat die OLB nun 55 Stück. Bis Jahresende rechnet der Vorstand mit einem weiteren Rückgang des Vorsteuerergebnisses und begründet dies mit Einmaleffekten. Wer dann 2019 die Zahlen präsentieren wird, wird sich zeigen.

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