Last-Minute-Schnäppchen Schnell weg, bevor die anderen Ferien haben

An diesem Donnerstag beginnen die Sommerferien in Bremen und Niedersachsen. Viele Menschen verreisen. Wer noch keine Pläne gemacht hat, kann trotzdem noch auf Last-Minute-Schnäppchen hoffen.
19.06.2017, 19:53
Lesedauer: 4 Min
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Schnell weg, bevor die anderen Ferien haben
Von Florian Schwiegershausen

Wenn am Donnerstag in Bremen und Niedersachsen die Sommerferien beginnen, heben an dem Tag vom Neuenlander Feld gleich fünf Flieger nach Mallorca ab sowie vier Maschinen nach Griechenland. Das spiegelt auch die derzeitige Beliebtheitsskala wider. Denn Spanien und Griechenland gehören in diesem Sommer zu den beliebtesten Reisezielen im Ausland, wie diverse Reiseveranstalter übereinstimmend sagen. Entsprechend voll wird es dort. Glücklich können sich also diejenigen schätzen, die einen Platz haben im Flieger. Doch wie ist es mit Last-Minute? Inwiefern lohnt sich heutzutage noch eine solche Reise auf den letzten Drücker?

„Grundsätzlich gibt es noch Angebote für alle Länder“, sagt Tui-Sprecherin Susanne Stünckel. „Allerdings wird es mit den Hotels in der ersten Reihe direkt am Strand schwierig, das gilt auch für Familienhotels.“ Ein kurzer Blick in die Angebote von Last-Minute-Anbieter L‘Tur zeigt, es gibt sogar noch Angebote für Mallorca. Eine Woche an der Playa de Palma in einem Vier-Sterne-Hotel gibt es für 708 Euro pro Person. Der Abflug wäre am 14. Juli von Münster/Osnabrück aus. Das klingt jetzt allerdings nicht unbedingt nach einem Schnäppchen. Die gebe es logischerweise vor allem für die Länder, die in diesem Jahr nicht in der Gunst der Urlauber liegen, meint die Tui-Sprecherin: „Das ist beispielsweise die Türkei.“ An der türkischen Riviera gibt es eine Woche in einem gehobenen Hotel mit All-inclusive-Verpflegung im Doppelzimmer für etwa 400 Euro pro Person. Die Terroranschläge in der Türkei sowie Vorbehalte gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan veranlassen die Touristen, lieber in Spanien und Griechenland zu buchen.

Weiterhin Zulauf auf Mallorca

Mallorca wiederum habe weiterhin auf hohem Niveau Zulauf – jedoch nicht in dem Maße wie noch vor einigen Jahren. Dagegen sind laut der Tui-Sprecherin die Kanarischen Inseln auch jetzt im Sommer gefragt, ebenso wie das spanische Festland. Für das Festland gibt es eine Woche an der Costa del Sol in Fuengirola im Vier-Sterne-Hotel im Doppelzimmer für 566 Euro pro Person mit Abflug ab Hannover. Dass Last minute nicht automatisch billiger heißt, darauf weist auch die Sprecherin vom Deutschen Reiseverband (DRV), Ellen Madeker, hin: „Last minute bedeutet nicht unbedingt, dass die Reise günstiger ist. Gerade, wer Monate vor der Reise den Frühbucherrabatt in Anspruch nimmt, kommt oft günstiger weg.“ Der Begriff Last minute sei nun mal nicht wörtlich zu nehmen. „Heute versteht man darunter Angebote, bei denen die Buchung zwei bis vier Wochen vor der Abreise erfolgt.“

Und noch einen weiteren Aspekt erläutert Madeker: „Last minute bedeutete vor allem in den 90er-Jahren, dass Urlauber von nicht verkauften Überkapazitäten bei Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften profitiert haben. Da kam es häufiger vor, dass man mit gepacktem Koffer, aber ohne konkretes Ziel einfach zum Flughafen fuhr, um wenige Stunden später in den nächsten verfügbaren Flieger zu steigen.“ Heute richteten die Reiseveranstalter den Kauf ihrer Kontingente stärker nach der erwarteten Nachfrage aus. Daher rät die DRV-Sprecherin: „In der Hauptreisezeit ist es nicht empfehlenswert, spontan auf noch verfügbare Angebote für sehr stark nachgefragte Urlaubsziele – etwa am Mittelmeer – zu hoffen. Denn gerade der Sommer ist meist gut gebucht, da sind unmittelbar verfügbare und dazu noch günstige Reisen rar.“

Ausweichen kann sinnvoll sein

Je mehr Schüler Sommerferien haben, desto mehr Familien sind unterwegs. Wer also noch spontan in den Urlaub fliegen will, sollte dies bis zum 14. Juli getan haben. Denn dann starten die großen Ferien in Nordrhein-Westfalen, Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland. Umgekehrt rät Tui-Sprecherin Susanne Stünckel: „Es ist zwar als Bremer bequem, von Bremen aus in den Urlaub zu fliegen. Aber wer auf den Flughafen in einem Bundesland ausweicht, in dem noch keine Sommerferien sind, der kann so auch noch etwas sparen.“

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Außerdem haben viele Reiseveranstalter die Zugfahrt zum Flug bereits im Preis mit drin. Wer allerdings nur eine Woche verreist, sollte sich gut überlegen, ob es bei Abflügen beispielsweise von München nicht lohnender wäre, die Zeit am Reiseziel zu verbringen, als für den Abflug im Zug von Bremen nach Bayern zu fahren. Schnäppchen unter Last-minute-Angeboten gibt es laut der Tui-Sprecherin eher in der Nebensaison, wenn dann auch in Bayern und Baden-Württemberg die Sommerferien vorbei sind. „Aber für Lehrer und Familien mit schulpflichtigen Kindern ist das eben nicht möglich“, ergänzt Susanne Stünckel.

Angebote genau studieren

Gerrit Cegielka, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Bremen, grenzt den Begriff Last minute nochmals ein: „Es gibt keine gesetzliche Definition, aber durch entsprechende Urteile handelt es sich bei Last minute um Reiseangebote, die nicht länger als zwei Wochen auf dem Markt sind. Alles andere ist Etikettenschwindel.“ Wenn es dann ein Last-minute-Trip ist, sind die Reiseveranstalter nach Cegielkas Angaben nicht verpflichtet, die Unterlagen sieben Tage vorher zu verschicken: „Da kann‘s auch reichen, dass man die Unterlagen erst am Flughafen ausgehändigt bekommt.“ Zusätzlicher Tipp: Bei den Angeboten sollten die Verbraucher die Beschreibungen zu den Hotels genau studieren. Denn günstigere Angebote kämen oft dadurch zustande, dass es etwa bei der Verpflegung Abstriche gibt gegenüber ähnlichen Angeboten.

Egal ob im Reisebüro oder im Internet, manchmal finden die Kurzentschlossenen doch noch ein Schnäppchen. Und weit weg muss ja nicht sein: Für Ferienwohnungen im Wurster Land an der Nordseeküste zwischen Cuxhaven und Bremerhaven gibt es echte Last-minute-Angebote, beispielsweise auf dem Bremer Internetportal traum-ferienwohnungen.de für Anmietungen in den kommenden zwei Wochen – mit zehn Prozent Rabatt und mehr. Und den Blick aufs Meer gibt es auch dort.


Dynamic Pricing Dies bedeutet „dynamische Preisstrategie“. Online-Händler passen ihre Preise an, je nachdem, wie oft ein Produkt angeklickt wird. Je öfter beispielsweise ein Flug angeklickt wird, umso mehr könnte dies den Preis in die Höhe treiben. Das soll den Kunden zum Kauf animieren. Da viele Verbraucher eher am Wochenende im Internet unterwegs sind, können dann Flüge teurer als unter der Woche sein. Zugleich arbeiten Online-Händler auch mit „Cookies“. Diese sind auf dem lokalen Computer des Kunden nach nur einem Besuch gespeichert. Die Internetseite erkennt, dass immer derselbe Kunde über mehrere Tage immer wieder nach dem gleichen Flug sucht. Irgendwann wird ihm auf seinem Computer ein höherer Preis angezeigt wird. Dies soll ebenso zum Kauf verleiten. Daher am besten nach einer Preissuche im Netz beim Internetbrowser unter dem Stichwort „Verlauf“ alle Cookies löschen.
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