Künstliche Intelligenz statt Mitarbeiter Sparkasse Bremen startet mit digitaler Fonds-Verwaltung

Im Kampf um junge und digital affine Kunden setzt die Sparkasse Bremen nun auf Roboter und künstliche Intelligenz. Die Maschine soll online die Fonds verwalten. Doch es gibt hier bereits andere Anbieter.
13.02.2019, 10:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Alexander Sturm

Die Sparkasse Bremen steigt in die digitale Vermögensverwaltung ein. Dafür hat sie die Tochtergesellschaft „Smavesto“ gegründet. Dort können Anleger online ein Depot eröffnen. Gemanagt wird es von einem Roboter, der per künstlicher Intelligenz und Algorithmus Entscheidungen trifft. Kunden, die ein Depot eröffnen, müssen dabei verschiedene Fragen beantworten – auch die nach dem Risiko. Wer sein Geld absolut sicher und risikolos haben möchte, dem wird beim Anmelden von Smavesto abgeraten. Abhängig vom Kundentyp investiert der Robo-Berater das Geld in börsengehandelte Index-Fonds, die sogenannten ETFs, sowie in börsengehandelte Wertpapiere der Anlageklasse Rohstoffe, die sogenannten ETCs.

Kunden können entweder Summen ab 1000 Euro einzahlen oder Vermögen aufbauen, indem sie monatlich 50 Euro oder mehr auf das digitale Depot überweisen. Entwickelt wurde die Vermögensanlage von einem Projektteam der Sparkasse Bremen zusammen mit externen Experten für künstliche Intelligenz (KI). „Dadurch konnten wir schnell eine Vermögensverwaltung verfügbar machen“, sagte Sascha Otto, Leiter Wertpapier- und Portfoliomanagement bei der Sparkasse Bremen. Er und der Direktor des Privatkundengeschäfts, Dirk Rollenhagen, werden gleichzeitig zur Geschäftsführung von Smavesto gehören.

Kundenfang auch außerhalb Bremens

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Die Sparkasse hofft, dass sie damit auch neue Kunden gewinnen kann, die ansonsten keine Filiale betreten würden. Der Fokus liegt auf der Zielgruppe „Digital Natives“. Damit sind Menschen gemeint, die sich in der digitalen Welt bewegen. Die Sparkasse hat auch nichts dagegen, wenn diese Kunden von außerhalb kommen. Otto sagte: „Im Internet haben wir keine regionalen Grenzen.“ Das Angebot richtet sich auch nicht nur an Sparkassen-Kunden. Für das Depot sei es egal, bei welcher Bank der Kunde das Referenzkonto habe. Dagegen zieht die Sparkasse Bremen im Kreditgeschäft ihre Grenzen ganz klar dort, wo die Stadt Bremen aufhört und Niedersachsen beginnt.

Eigene Lösung in Bremen

Im Kampf um die Zielgruppe setzt sich die Optik der Smavesto-Internetseiten ganz klar von der typischen Sparkassen-Optik in den Farben Rot und Weiß ab. Deshalb heißt es lediglich „Smavesto – powered by Sparkasse Bremen“. Auch das soll zu neuen jungen Kunden führen, die das Sparkassen-Logo eher zu verstaubt finden und sich davon nicht angesprochen fühlen.

Damit hat die Sparkasse Bremen ihre eigene Digital-Lösung entwickelt, während die Landessparkasse zu Oldenburg und auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) auf „Bevestor“ setzen. Dabei handelt es sich um einen Roboter-Berater, den die Dekabank für alle Sparkassen entwickelt hat. Der wird jeweils auf den eigenen Internetseiten mit dem typischen Sparkassen-Logo beworben. Mehr als 140 Sparkassen in Deutschland nutzen ihn laut dem Beratungsportal Biallo bereits.

Ebenso sind die Robos bei den Sparda-, PSD- und Volksbanken auf dem Vormarsch. Bereits im Sommer 2018 haben die ersten Genossenschaftsbanken den Robo-Berater „MeinInvest“ ihren Kunden angeboten. Mittlerweile haben bundesweit mehr als 200 Genossenschaftsbanken den Robo auf ihrer Website eingebunden.

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Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Bank breiten sich die automatisierten Geldanlagen in Deutschland immer mehr aus. Demnach verwalteten Anlageroboter, die Vermögen meist breit über Indexfonds investieren, im Jahr 2018 bereits rund 3,8 Milliarden Euro Kundengelder. Damit habe sich das Volumen seit 2016 mehr als verzehnfacht.

Die Anlage-Roboter mancher Anbieter passen das Portfolio automatisch an, wenn Börsenrisiken wachsen oder Sparziele verletzt werden könnten. Die Firmen verlangen meist Gebühren von bis zu einem Prozent der Anlagesumme – so auch die Sparkasse Bremen. Als Marktführer gilt Scalable Capital aus München. Zu den größeren Adressen zählen Cominvest von der Commerzbank-Tochter Comdirect, Quirion von der Privatbank Quirin, die seit Januar auch eine Repräsentanz in Bremen hat, sowie Liqid aus der Vermögensverwaltung der Milliardärsfamilie Quandt. Auch das Bremer Bankhaus Plump setzt als Tochter des Bankhauses MM Warburg auf ein Fintech zur digitalen Vermögensverwaltung, sofern der Kunde das wünscht.

Besser als aktiv gemanagte Fonds

Was den Erfolg der digitalen Fondsmanager angeht: Mit im Schnitt vier Prozent Rendite im Jahr 2017 und Verlusten von mehr als fünf Prozent im schwierigen Börsenjahr 2018 hätten Geldanlageroboter solide abgeschnitten, so die Studie der Deutschen Bank. Damit lägen sie vor vergleichbaren aktiv gemanagten Fonds. Jedoch seien in Deutschland die Gebühren von rund einem Prozent deutlich teurer als jene im Vorreiterland USA, wo nur 0,3 Prozent fällig würden.

Wenn die Richtung der Aktienindizes nach unten zeigt, könne der Robo-Berater nicht dagegen anarbeiten. Er werde aber versuchen, die Tendenz abzudämpfen. Woran die Sparkasse laut Otto arbeitet, ist, dass Smavesto in einigen Monaten auch als Anlage für vermögenswirksame Leistungen (VL) verwendet werden kann. Hier liegt die typische monatliche VL-Einlage aber bei 40 Euro. Der Bevestor-Manager der anderen Sparkassen erlaubt monatliche Einlagen bereits ab 25 Euro.

Bei Smavesto arbeitet die Sparkasse Bremen zusammen mit der Baader Bank, wo die Depots verwaltet werden. Der Algorithmus stammt von Get Capital in Mönchengladbach. Programmiert wurde alles von Niiio Finance in Görlitz, und die gesicherten Server stehen in Frankfurt.

Die Kunden können auch in Fonds investieren, die vom Anbieter Black Rock als nachhaltig eingestuft wurden. Dies ist laut Otto ein pragmatischer Ansatz: „Über das Thema Nachhaltigkeit lässt sich grundsätzlich lange diskutieren.“ Die Kriterien, wann eine Geldanlage als nachhaltig gilt, setze jeder anders. Auf alle Fälle wird diese erste Version von Smavesto kontinuierlich ausgebaut.

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