Déjà-vu am Domshof in Bremen Mitarbeiter der NordLB müssen erneut um ihre Jobs fürchten

Nach der Fusion mit der Bremer Landesbank drohen bis zu 360 Stellenstreichungen bei der NordLB am Standort in Bremen bis zum Jahr 2020.
11.02.2019, 21:44
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Mitarbeiter der NordLB müssen erneut um ihre Jobs fürchten
Von Lisa Schröder

Der Begriff ist streng genommen nicht ganz zutreffend. Denn ein Dé­jà-vu beschreibt eigentlich eine Erinnerungstäuschung. Tatsächlich haben die Mitarbeiter der Norddeutschen Landesbank (NordLB) in Bremen die gegenwärtige Situation aber schon ganz ähnlich erlebt. Gerade erst mussten sie den Niedergang ihrer Bremer Landesbank (BLB) beobachten. Die hatte sich mit Schiffskrediten milliardenschwer verhoben und schließlich ihre Eigenständigkeit verloren. Die Fusion brachte für den Standort Bremen deutliche Einschnitte: 360 Stellen sollen hier bis zum Jahr 2020 wegfallen.

Derzeit arbeiten am Domshof noch 550 Mitarbeiter. Doch viele von ihnen werden in den nächsten zwei Jahren erst noch gehen. Nun steht die NordLB selbst erneut vor einem Umbruch. Angesichts der Entwicklungen im Konzern sagt deshalb die zuständige Gewerkschaftssekretärin von Verdi in Bremen, Susanne Hylla, dass die Mitarbeiter der Bank ein Dé­jà-vu erleben. „Da sind natürlich Ängste. Das ist ganz klar.“

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Niedersachsen, Hauptanteilseigner der Bank mit Sitz in Hannover, und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) haben sich zwar auf einen Rettungsplan geeinigt. Die NordLB soll von beiden zusammen die nötige Kapitalspritze von 3,7 Milliarden Euro erhalten. Die Investoren Cerberus und Centerbridge scheinen nun aus dem Rennen zu sein. Doch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte schon, als er den Plan vorstellte, dass die NordLB vor wesentlichen Veränderungen steht. „Kleiner und regionaler“ werde die Landesbank und darum mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen. Die Zahl von 2000 Jobs, die wegfallen sollen, geisterte da ein paar Tage umher. Wie die Bank in Zukunft aussehen soll, daran wird gerade gearbeitet.

Ankündigung von Stellenabbau sorgt für Verunsicherung

Ob und wie es mit der NordLB Bremen weitergeht, ist derzeit ungewiss. „Die Ankündigung eines weiteren massiven Stellenabbaus hat hier in der Belegschaft zu erheblicher Verunsicherung geführt“, sagt Jörg Walde, Vorsitzender des Personalrats der NordLB in Bremen. Der Standort Bremen sei von den ersten fusionsbedingten Einsparungen am meisten betroffen gewesen. „Ich hoffe auf schnelle Klarheit – auch für den Standort in Bremen.“ In der Bremer Finanzwirtschaft kursiert derweil bereits eine Zahl. Nach dem nächsten Stellenabbau könnten nur noch 100 Mitarbeiter in Bremen und 100 in Oldenburg bleiben. Die NordLB will die Zahlen nicht kommentieren. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht.“ Standortschließungen stünden derzeit nicht zur Diskussion.

Susanne Hylla hält die Zahlen ebenfalls für Spekulationen. Die Gewerkschaftssekretärin hofft nun darauf, dass die Belegschaft ein Sig­nal setzt, um sich für den Standort und den eigenen Arbeitsplatz einzusetzen, damit es am Domshof „zukünftig nicht nur eine Filiale der einstmals großen NordLB Bremen“ gebe. Die Beschäftigten dürften nicht diejenigen sein, die für die Fehler von Management und Politik den Kopf hinhalten müssten. „Unser Plan steht, die Beschäftigten haben es jetzt in der Hand diesen zu unterstützen.“ Verdi visiert einen Haustarifvertrag.

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In Bremen hat sich seit der Übernahme einiges verändert. Viele Stabsstellen sind heute kleiner, teils oder ganz nach Hannover verlegt worden: ob Risikocontrolling, Finanzen, Personal oder Compliance. Am Ende soll es Unternehmenskreisen zufolge keine eigenen Stabsstellen am Domshof mehr geben. Entscheidungen über große Kreditsummen werden bereits teils in Hannover oder Braunschweig getroffen. Die Belegschaft von einst 800 Mitarbeitern soll am Ende der Fusion nahezu halbiert sein. Zusätzlich läuft das Programm „One Bank“, das ebenfalls Jobs auch in Bremen kostet.

Was es heißt, dass die Bank regionaler und kleiner werden soll? Zumindest bei den Auslandsdependancen geht Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel davon aus, dass diese auf den Prüfstand kommen. Derzeit sitzt die NordLB in Schanghai, Singapur, New York, Amsterdam, Luxemburg, London, Paris und Warschau. Insgesamt gibt es 242 Mitarbeiter im Ausland. „Die NordLB braucht keinen Standort in Singapur“, sagt Hickel. Die Niederlassungen stehen laut einer Sprecherin der NordLB aber gerade ebenfalls nicht zur Debatte. Hickel bedauert die Entwicklung am Domshof. „Die BLB war eine hervorragende Bank.“

Bremen wird nicht wegen mangelnder Kompetenz beschnitten

Im Grund sei sie „eine bessere Zweigstelle“ der NordLB geworden. Nun geht Hickel davon aus, dass der Standort noch kleiner werde und weiter an strategischer Bedeutung verliere. In den Fusionsverhandlungen sei dagegen noch die Rede davon gewesen, dass der Standort besondere Funktionen erhalte. „Das sehe ich ganz eindeutig schwinden. Bremen hat keine Sonderrolle mehr. Es gilt: Rette sich, wer kann.“ Die Tragik sei, dass Bremen nicht wegen mangelnder Kompetenz beschnitten werde, sondern weil der Konzern selbst strauchelt. Nun sei ein Signal für Bremen gegenüber den Kunden dringend nötig. „Je mehr die Bank die Zukunft am Standort im dunkeln lässt, umso mehr Kunden gehen.“

Personalrat Walde stößt sich etwas daran, dass der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) bisher nur die Standorte Hannover, Braunschweig und Oldenburg als gesetzt bezeichnete. In der Bremer Belegschaft, sagt Walde, gebe es viele Niedersachsen – vielleicht sogar zur Hälfte. „Er sollte berücksichtigen, dass es auch um ihre Jobs geht.“

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Zur Sache

Faule Schiffskredite

Bezüglich der Schiffsportfolios weist die NordLB explizit darauf hin, dass hier Wertberichtigungen für den gesamten Altbestand an Schiffskrediten vorgenommen wurden. Diese schließen nicht nur das Paket namens „Big Ben“ ein, das die Landesbank Finanzkreisen zufolge an US-Finanzinvestor Cerberus verkauft hat, sondern sämtliche problembehaftete Kredite der NordLB. Ein Sprecher sagte: „Wir haben damit einen Befreiungsschlag vollzogen. Auf Basis der aktuellen Schiffsbewertungen werden dort keine weiteren Wertberichtigungen hinzukommen.“ Das verkaufte Paket hat einen Wert von 2,7 Milliarden Euro und umfasst 263 Schiffe. Gleichzeitig sieht der Rettungsplan vor, dass es als Kapitalspritze für die NordLB vom Land Niedersachsen 1,5 Milliarden Euro in bar und Garantien über eine Milliarde Euro gibt sowie 1,2 Milliarden Euro vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

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