Optimistisch trotz düsterer Prognosen Start-up-Monitor 2019: Bremen bleibt stabil

Im Start-up-Monitor hält Bremen das Niveau aus dem Vorjahr. Während alle Wirtschaftsprognosen derzeit von Skepsis geprägt sind, schauen die Gründer dabei weiter positiv auf das kommende Geschäft.
04.11.2019, 21:05
Lesedauer: 4 Min
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Start-up-Monitor 2019: Bremen bleibt stabil
Von Lisa Schröder

Düster sind die Wirtschaftsprognosen dieser Tage zumeist. Die Konjunkturumfragen für Bremen und Niedersachsen haben unlängst gezeigt, dass die Unternehmen im Nordwesten ebenfalls mit Sorgen in die Zukunft schauen. Der Blick in den aktuellen Start-up-Monitor gibt da ein Stück Hoffnung. Denn die Aussichten der Gründer sind durchaus positiv. So gehen zwei Drittel (66,6 Prozent) der knapp 2000 Start-ups davon aus, dass die Geschäftslage sich verbessern wird. Der Wert liegt damit höher als im Vorjahr.

Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit strikt im Fokus

Nur 2,4 Prozent der jungen Unternehmer rechnet mit einer Verschlechterung in den nächsten sechs Monaten. Ein weiteres Drittel erwartet ein gleichbleibendes Niveau. „Während in vielen Branchen die Sorgen vor einer Wirtschaftskrise zunehmen, sehen Start-ups weiterhin gute Marktchancen", sagt Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutsche Startups. Das Erfolgsrezept der Gründer sei, konsequent auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu setzen. Tatsächlich zählt ein großer Teil der Start-ups sich selbst mit mehr als 36 Prozent zu den Bereichen "Green Economy" und "Social Entrepreneurship".

Dieser Start-up-Monitor ist zum siebten Mal erschienen. Der Bundesverband Deutsche Startups und das Beratungsunternehmen PwC haben ihn am Montag in Berlin veröffentlicht. Genau 1933 der jungen, innovativen Unternehmen haben in diesem Jahr an der Umfrage teilgenommen und damit so viele wie noch nie. Bremen schneidet dabei erneut besser ab als in der Vergangenheit, wenngleich etwas schlechter als 2018: Von den Start-ups, die sich an der Umfrage beteiligten, haben 3,9 Prozent ihren Hauptsitz im kleinsten Bundesland (2018: 4,4 Prozent). In Niedersachsen hat sich die Zahl verbessert, kommt aber nicht an schon bessere Ergebnisse heran mit nun 9,8 Prozent. Jeweils haben aber mehr Start-ups an der Umfrage teilgenommen, weil die Zahl insgesamt deutlich stieg: in Niedersachsen waren es 189, in Bremen 75.

Starthaus zieht um

Der Bremer Wirtschaftsprofessor Jörg Freiling sieht das Abschneiden Niedersachsens und Bremens sehr positiv. "Das ist schon eine ausgezeichnete Bilanz", sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship (Lemex) an der Universität Bremen. Die Zahlen zeigten, dass die Gründungsaktivitäten im Nordwesten eine Heimat gefunden hätten. Schon 2018 habe es ein gutes Ergebnis für Niedersachsen und Bremen gegeben: "Das war kein Strohfeuer."

Ganz vorne liegen im Vergleich der Bundesländer derweil weiterhin Berlin und auch Nordrhein-Westfalen. Danach folgen Bayern, Baden-Württemberg, dann Niedersachsen und Hamburg. Der Stadtstaat im Norden verzeichnet 7,4 Prozent der Unternehmenssitze bei sich. Auffällig ist, dass die ostdeutschen Bundesländer nur wenige Start-ups auf sich versammeln, ebenso aber auch das Saarland und Rheinland-Pfalz.

In Bremen soll das Starthaus Gründer bei ihren Vorhaben unterstützen. Jörg Freiling zufolge zeigt auch die Umfrage selbst, dass das Angebot als Knotenpunkt funktioniert und offensichtlich viele Start-ups zur Teilnahme aktiviert werden konnten. Das Ergebnis für Bremen sieht der Gründungsexperte als gute Grundlage: Im nächsten Schritt sei es wichtig, dem sogenannten Ökosystem für Start-ups ein Profil zu geben, indem etwa Cluster gestärkt werden. Bremen brauche noch mehr "echte Start-ups" mit einem Wachstum von "20 Prozent, aber in der Woche oder im Monat". Diese Unternehmen schafften Arbeitsplätze am Standort und seien zudem in ihrer Vorbildfunktion für Gründer wichtig.

Uni Bremen gehört zu den besten Gründerhochschulen

Sohrab Mohammad ist einer der beiden Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Reishunger. Das Unternehmen, das auf Reisgerichte spezialisiert ist, ist bereits seit ein paar Jahren erfolgreich am Markt. "Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Szene sich in Bremen ganz wunderbar entwickelt", sagt der Unternehmer, der zudem zum Arbeitskreis Existenzgründung der Wirtschaftsjunioren gehört. Mohammad geht davon aus, dass der "generelle Gründer-Boom" nicht an Bremen vorbeigegangen ist. "Als Uni-Stadt mit noch relativ erschwinglichen Mieten ist Bremen auch ein idealer Standort." Die Universität ist ebenfalls Akteur im Start-up-Ökosystem: Im Ranking der Hochschulen ist Bremen erneut vorne: Die Universität landet im Monitor zum zweiten Mal unter den Top Ten der Gründerhochschulen auf dem siebten Platz.

Bremer Start-ups, die an der Umfrage teilgenommen haben, bewerten das Umfeld hier dagegen kritischer als im Schnitt. 42,6 Prozent halten das regionale Ökosystem für sehr gut oder gut, was unter dem Bundesschnitt von 58,4 Prozent liegt. Die Gründer in Niedersachsen schätzen das Umfeld dagegen besser ein: 59,5 Prozent empfinden es als gut oder sehr gut. Laut dem Bundesverband werden in Bremen zudem die Kooperationsmöglichkeiten mit etablierten Unternehmen kritischer bewertet: 38,1 Prozent der Befragten bewerten sie demnach als schlecht oder sehr schlecht, auf Bundesebene sind es 27,5 Prozent.

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Das Starthaus sieht der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Freiling weiter im Aufbau. Das Angebot habe sich etabliert, stünde aber "ein kleines bisschen noch unter Welpenschutz". Es dauere Zeit, bis die vormals unabhängigen Gründungsförderungen zusammengelegt seien und dann "ein Rad ins andere Rad greife". Im Bundesland gab es lange Zeit zwar ein Netzwerk für Gründer, das stand aber in der Kritik, weil es als zu unübersichtlich galt. Die Initiative Starthaus soll die Angebote bündeln, damit die Selbstständigen in spe nur eine Anlaufstelle haben.

Zum Starthaus gehören heute 16 Mitarbeiter. In diesem Jahr gab es laut Sprecherin Juliane Scholz bis Ende Oktober mehr als 1300 Beratungsgespräche. Der Anteil von Beratungen für Frauen beträgt dabei nun rund 40 Prozent. Überhaupt will das Starthaus die Förderung von Gründerinnen ausbauen. Ein Schritt ist schon geschafft: "Alle mit der Gründungsberatung für Frauen betreuten Institutionen sind mittlerweile Teil des Starthaus-Netzwerkes", teilt Scholz mit.

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