Zukunft von Beluga Shipping Stolberg hat in Bremen viele Projekte gefördert

Bremen. Ein "Schock", "menschlich tragisch", "bedauerlich für Bremen" - das war gestern immer wieder über das Ausscheiden von Niels Stolberg aus der Beluga-Rederei zu hören. Wie es in dem Unternehmen weitergeht, ist offen.
05.03.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. Ein "Schock", "menschlich tragisch", "bedauerlich für Bremen" - das war gestern immer wieder über das Ausscheiden von Niels Stolberg aus der Beluga-Rederei zu hören. Wie es in dem Unternehmen weitergeht, ist offen.

Aber nicht nur für die Reederei hat Stolbergs Abgang Konsequenzen. Seine Firma hat sich auf vielfältige Weise als Sponsor, Stifter oder Partner in Bildung und Ausbildung, in kulturellen und sozialen Projekten engagiert. Überall dort stellt sich nun die Frage, ob die Unterstützung andauert.

"Dazu sind noch keine Entscheidungen getroffen worden", erklärte Beluga-Sprecherin Verena Beckhusen gestern unter anderem auch mit Blick auf das berufliche Gymnasium Beluga College. An erster Stelle stehe jetzt das Kerngeschäft und die Restrukturierung der Reederei. Sie hoffe, dass Ende März, Anfang April ein Stand erreicht sei, um nähere Auskünfte geben zu können, sagte Beckhusen.

Stolbergs Einsatz für die maritime Wirtschaft im gesamten Nordwesten könne "gar nicht hoch genug geschätzt werden", sagte Karl-Jürgen Windeck, Dekan des Fachbereichs Seefahrt am Standort Elsfleth der Jade-Hochschule. "Beluga und Niels Stolberg waren unser wichtigster privatwirtschaftlicher Kooperationspartner." Die Reederei finanziere zwei Stiftungsprofessuren des Fachbereichs. Sie sei zu 51 Prozent am Zentrum für angewandte maritime Forschung in Elsfleth beteiligt. Sie hat mit dem Landkreis Wesermarsch den Aufbau eines Trainingszentrums (BOTA) vorangetrieben. Die Idee: Firmen, die offshore - also in küstennahen Meeresgebieten - im Einsatz sind, müssen ihre Mitarbeiter speziell schulen; vor allem in Sachen Sicherheit. "Ein solches Trainingszentrum brauchen wir in Deutschland, das steht außer Frage", betonte Windeck mit Blick unter anderem auf die zahlreichen geplanten Offshore-Windparks. Stolbergs Kooperation mit der Hochschule - sie beherbergt den größten Seefahrt-Fachbereich in Deutschland - basiere auf langfristigen Verträgen. "Man kann nur hoffen, dass das alles weitergeht."

Partnerunternehmen und Stiftungsprofessuren

Ähnliches gilt für die Hochschule Bremen und die Hochschule Bremerhaven. In Bremen finanziert die Beluga-Reederei zwei Stiftungsprofessuren (fünf Millionen Euro, verteilt über fünf Jahre) im Fachbereich Nautik. Die Verträge enthalten eine Ausstiegsklausel, sagte Hochschul-Sprecher Ulrich Berlin. Sie könnten also aus gewichtigem Grund gekündigt werden. Die Hochschule müsse abwarten, wie sich die neue Reederei-Leitung verhält. Beluga ist zudem mit 150000 Euro an einer Stiftungsprofessur der Hochschule Bremerhaven beteiligt, erklärte Rektor Josef Stockemer. Die Wissenschaftsbehörde prüfe derzeit die Verträge, um sich ein Bild über die genauen Regelungen der Finanzierung zu machen, sagte Ressort-Sprecherin Karla Götz. Auch Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) strich die Bedeutung heraus, die Stolberg für "die deutsche Seeschifffahrt insgesamt" und vor allem für die Ausbildung des Schiffspersonals habe. Er hoffe, sagte Günthner, dass die Reederei dieses Engagement fortsetze.

Für Jugend forscht ist Beluga seit drei Jahren das Partnerunternehmen des Regionalwettbewerbs Nord in Bremen. "Ohne ein solches Partnerunternehmen geht es nicht", erklärte Horst Stolze, Leiter des Regionalwettbewerbs. Die Firma finanziere den Wettbewerb und übernehme große Teile der Organisation. Beluga als eingespielten Partner zu verlieren, "wäre ein großer Verlust". Die Bremer Philharmoniker kooperieren seit anderthalb Jahren eng mit den Grundschulen am Ellenerbrokweg und Am Pulverberg, sagte Sprecherin Barbara Klein. Die Reederei finanziere die Zusammenarbeit; die Kooperation sei für drei Schuljahre vereinbart. So gestalte die Musikwerkstatt der Philharmoniker den Instrumentalunterricht für die Schüler in sogenannten Streicherklassen. Die Mädchen und Jungen üben dabei nicht allein, sondern in Gruppen "Wir hoffen und vertrauen darauf, dass die Kooperation wie vereinbart weiterläuft." Christian Kötter-Lixfeld, Intendant der Philharmoniker, bezeichnete gerade dieses sozial-kulturelle Engagement von Stolberg als einzigartig.

Von diesem Engagement profitierte auch die Kunsthalle Bremen. Beluga half bei der Anschaffung des Kunst-IGLUt; damit gehen die Museumspädagogen auf Schulhöfe, Plätze und andere Orte unter freiem Himmel. Außerdem unterstützte Beluga 2008 die Sonderausstellung über den französischen Maler Gustave Caillebotte. Seitdem seien keine Mittel mehr geflossen, sagte eine Sprecherin.

Das Tanzwerk Bremen konnte unter anderem mit Hilfe der Reederei ein Projekt realisieren. "Wir bedauern sehr, dass wir künftig nicht mehr unterstützt werden", sagte ein Sprecher. Das Tanzwerk habe zwar erneut Mittel beantragt, aber kaum Hoffnung, dass sie bewilligt würden. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zählt Beluga und Niels Stolberg zu ihren "sehr engagierten Förderern". Verschiedene Projekte seien unterstützt worden, hieß es gestern auf Anfrage, darunter auch die Station Neuharlingersiel, die mit neuen Rettungswesten ausgestattet worden sei. Stolberg habe mit vielen Besatzungen gute Kontakte gepflegt, "es gab immer wieder sehr angenehme Berührungspunkte". Zu der Frage, wie sich die künftige Zusammenarbeit ausgestaltet, wollte die DGzRS gestern nicht Stellung nehmen.

Das Autonome Frauenhaus Oldenburg erhielt 2009 von der Reederei eine Spende in Höhe von 50000 Euro für den Kauf und Umbau des neuen Hauses. Die Zahl der Betreuungsplätze wurde von 12 auf 24 ausgeweitet. "Wir sind sehr dankbar für diese großzügige Spende", weil uns daraufhin auch andere unterstützt haben", sagte eine Sprecherin.

Die Wolkenschieber Gala findet seit 2007 alle zwei Jahre in Bremen statt. Seit dem Start der Benefizveranstaltung für gemeinnützige Organisationen ist Beluga ein Partner der Initiative. Erst vor wenigen Wochen sei mit dem Unternehmen ein "Sponsorenpaket" abgeschlossen worden, sagte gestern ein Organisator der Gala. Er sehe deshalb der Zukunft positiv entgegen, trotz des Schocks über die Entwicklung bei Beluga. "Wir hoffen, das Oaktree die sozialen Aktivitäten der Reederei in Bremen im bisherigen Umfang fortsetzt."

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