Neue Fernwärmeleitung SWB will 120 Millionen Euro investieren

Es war kein gutes Jahr für den Bremer Energieversorger - der Gewinn vor Steuern hat sich 2018 bei der SWB fast halbiert. Nun nimmt das Unternehmen Geld in die Hand, um das Ende der Steinkohle einzuläuten.
07.05.2019, 17:43
Lesedauer: 4 Min
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SWB will 120 Millionen Euro investieren
Von Florian Schwiegershausen

In den kommenden Jahren will die SWB den Einsatz von Steinkohle für Strom und Fernwärme zurückfahren. Das haben die beiden Vorstände Torsten Köhne und Timo Poppe am Dienstag bei der Präsentation der Jahresbilanz bekräftigt. Dazu will das Unternehmen in diesem Jahr 120 Millionen Euro investieren. Ein Teil davon ist für die Planung der neuen Fernwärmeleitung gedacht, die vom Müllheizkraftwerk in Findorff zum Heizkraftwerk in die Vahr verlaufen soll.

„Wenn die Trasse fertig ist, sparen wir dadurch jedes Jahr 100.000 Tonnen CO2 ein“, sagte Köhne. Bis Juni will der Energieversorger das Planfeststellungsverfahren dafür einleiten. Die Leitungen führen an einigen Stellen über Privatgrund. Die SWB ist Köhne zufolge dabei, sich mit den Anwohnern darüber zu verständigen. Die Leitung werde insgesamt 35 Millionen Euro kosten. Insgesamt sieht der Energieversorger die Zukunft in der Fernwärme – vor allem wenn sie irgendwann mit alternativen Energien produziert wird. Deshalb sind hier bis 2023 Investitionen von insgesamt 200 Millionen Euro geplant.

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Von der Trasse durch die Kuhlenkampffallee hat das Unternehmen wegen erheblichen Widerstands aber Abstand genommen. Die Trasse soll jetzt am Kuhgrabenweg entlang verlaufen, dann parallel zur Universitätsallee, auf die Lise-Meitner-Straße, vorbei am Satellitenbauer OHB, unter der Eisenbahntrasse durch auf die H.-H.-Meier-Allee, durch den Schwachhauser Ring auf die Kurfürstenallee. "Wir merken, dass diese Trasse deutliche höhere Akzeptanz hat als die ursprünglich geplante", sagte Köhne. "Für uns ist diese Trasse aber offen gesagt nicht so schön. Sie verläuft vorwiegend durch unbebautes Gelände, und in solchen Ecken kann man keine Fernwärme an Kunden verkaufen."

Sechs Meter Breite nötig

Für die Trasse ist mindestens eine Breite von sechs Metern notwendig. Darin eingelassen sind jeweils zwei Rohre mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. In dem einen fließt das heiße Wasser, das der Wärme dient, im anderen kommt weniger warmes Wasser zurück. Dies sei ein wichtiger Baustein, um den Verbrauch von Steinkohle zu verringern, sagte Köhne. "Die 100 000 Tonnen CO2 sparen wir ab dem Zeitpunkt ein, ab dem wir die Fernwärme über das Müllheizkraftwerk beziehen und nicht erst, wenn das Kraftwerk in Hastedt abgeschaltet wird." Die Zahl beziehe sich nur auf diesen Teil der Fernwärme. Dennoch ist das einer der Schritte, um im Kraftwerk Hastedt langfristig aus der Kohleverstromung auszusteigen. Allerdings braucht es auch dort eine neue Anlage, die nicht mit Steinkohle läuft, weil die Fernwärme aus der Müllverbrennung allein nicht ausreichen werde.

Außerdem will die SWB zusammen mit dem Mutterkonzern EWE und dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband beim Kraftwerk Hafen eine Anlage bauen, in der Klärschlämme verbrannt werden sollen, die dann zum Teil nicht mehr auf die Äcker ausgebracht werden. Im Jahr 2022 soll sie in Betrieb gehen. Pro Jahr sollen hier dann 55 000 Tonnen Trockenmasse verbrannt werden. In Deutschland gebe es bereits 20 solcher Anlagen, hieß es – vorwiegend in Süddeutschland. Das Projekt werde voraussichtlich mehr als 70 Millionen Euro kosten.

H-Gas-Umstellung kommt voran

Im Zuge der Umstellung von L-Gas auf H-Gas hat Wesernetz nach Unternehmensangaben inzwischen 240.000 von 400.000 Haushalten besucht. In den kommenden Monaten geht es weiter in Richtung Norden, und im September wird Wesernetz dann wohl die ersten Stadtteile in Bremen-Nord erreichen.

Die Geschäftszahlen für 2018 fasst Thorsten Köhne in einem Satz zusammen: "Es war ein wirklich schlechtes Jahr." So hat Bremens Energieversorger für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang um fast die Hälfte zu verkraften. Nach 78,4 Millionen Euro im Jahr 2017 erwirtschaftete die SWB nur 40,1 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern. Darüber hatte der WESER-KURIER bereits berichtet. Der Konzernüberschuss lag bei knapp 15 Millionen Euro gegenüber 37 Millionen Euro im Vorjahr. Hier konnte die SWB laut Köhne das Ergebnis noch korrigieren, indem Rückstellungen aus den Vorjahren aufgelöst werden konnten.

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Für die schlechten Zahlen gibt es nach Angaben des Versorgers drei Hauptgründe. So habe das Bremer Müllheizkraftwerk in Findorff mit mehreren technischen Störungen kämpfen müssen. Laut Köhne gab es zu Beginn des Jahres eine Revision, die eigentlich so geplant war. Das sei alle eineinhalb bis zwei Jahre notwendig. „Doch statt zwei Wochen hatte sich das ein wenig verlängert.“ Weitere Stillstände seien im Jahresverlauf hinzugekommen. „Es gibt öfter mal Störungen an dem sogenannten Pressentschlacker", so Köhne. "Die Asche muss aus der Anlage raus, und manchmal sitzt die dort fest." Komplikationen könnten beispielsweise aber auch entstehen, wenn im angelieferten Restmüll zu viel Metallteile enthalten seien, die Teile der Anlage beschädigen können. Am Ende kamen laut Köhne mindestens fünf Wochen Ausfälle zusammen. Folge war auch, dass die Menge des verwerteten Abfalls um knapp neun Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging.

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Prämien weggefallen

Schließlich sind ab Januar 2018 Prämien für die SWB weggefallen, die das Unternehmen zuvor dafür erhalten hatte, dass es seinen Strom vor Ort produziert - und dieser nicht quer durch das deutsche Netz zu den Kunden geleitet werden muss. Mit dem sogenannten Netzentgeltmodernisierungsgesetz (NeMoG) sind diese Prämien nicht mehr vorgesehen. Da Großkunden der SWB wie Arcelor-Mittal und Daimler mehr verbraucht haben als eigentlich geplant, musste die SWB Strom auf dem freien Markt hinzukaufen. Der Energieversorger kann diese Mehrkosten laut Vertriebsvorstand Poppe nicht im gleichen Jahr geltend machen, sondern im Nachgang verteilt auf die kommenden drei Jahre. Demnach sehe die Zukunft wieder besser aus. Poppe sagte: „Für 2019 rechnen wir wieder mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen 80 und 90 Millionen Euro."

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